Tunis - irgendwie anders
Tunis ist weder eine typisch arabische Stadt, noch eine typisch afrikanische. Tunis ist irgendwie anders. Hervorgegangen aus dem legendären Karthago, kann die Hauptstadt Tunesiens auf eine mehrere Tausend Jahre alte Geschichte zurückblicken, von der jede Epoche ihre Spuren hinterlassen hat.
Die mittelalterliche Festungsanlagen der Kasbah aus dem 12. Jahrhundert markieren die erste arabische Eroberung Tunis’. Die heutige Altstadt umfasst jedoch einen weiter gefassten Bereich. Moscheen, Mausoleen und Medresen gehören ebenso zur Medina wie die Souk-Anlagen (Bazar) und zahlreiche orientalische Wohnhäuser. Außerhalb dieses innersten Stadtkerns mischen sich die Stile dann zu jener typisch tunesischen Melange, auf die die Einwohner dieses Landes so stolz sind. Ihre Kultur hat Berber-Bräuche und islamische Tradition verbunden, sich den osmanischen Toleranzgedanken einverleibt und den Laizismus der ehemaligen Protektoren aus Frankreich zur Staatsraison erhoben.
Wer heute nach Tunis kommt, staunt über Kirchen, die neben Moscheen stehen, über gläserne Prunkbauten, die sich auf den prächtigen, von Palmen gesäumten Avenues aneinander reihen und über einen Lifestyle, der jenem einer Weltmetropole durchaus nahe kommt.
Zwar hat auch Tunis in den letzten Jahren eine Islamisierung der Gesellschaft erlebt, die den Grundsatz, dass Religion in den Bereich des Privaten gehört, nach und nach verdrängt. Allerdings kann man es den Tunesiern nicht verübeln, dass sie sich - soweit sie können - von ihrer säkular geprägten Regierung dadurch distanzieren, dass sie sich dem Glauben an Gott zu wenden. Denn wie viele, aus westlicher Sicht ”moderne” arabische Länder, ist auch Tunesien keine Demokratie. Nach fast 50-jährigem Bestehen der Republik haben hier gerade mal zwei Präsidenten geherrscht, und die Regentschaft von Ben Ali wird nach wie vor regelmäßig mit “Wahl”-Ergebnissen von über 90 Prozent bestätigt.
Der Unmut über die Unterdrückung der Meinungsfreiheit treibt die Bürger geradezu in die Hände radikal-fundamentalistischer Rattenfänger, das ist in Tunis - der Stadt der Kontraste - deutlich zu spüren. Trotzdem wird man hier vergebens nach komplett verschleierten Frauen suchen, auch wenn sich das dezent getragene Kopftuch als Zeichen des Protests in weiten Teilen der weiblichen Bevölkerung durchgesetzt hat.
Und so kommt es, dass man in Tunis nach wie vor unbehelligt ein kühles Bier in der Straßenkneipe trinken, in einem Nachtclub bis zum Morgengrauen tanzen und mit seiner Frau Hand in Hand durch die verträumten Häuserzeilen schlendern kann. So, wie es sich für eine Weltstadt gehört.











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