Russlandturm gestoppt

23. November 2008, admin

Vor ein paar Monaten habe ich hier im Blog einen Artikel über das momentan gigantischste urbane Bauprojekt Europas - die Baschija Rossija (Russland-Turm) in Moskau - gepostet. Ziel des Wahnsinnsprojekt war es, der russischen Hauptstadt das höchste Haus Europas und nach dem Burj Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten zweithöchste Gebäude der Welt zu bescheren.

So wie es mittlerweile aussieht, wird daraus jedoch wohl nichts. Zumindest nicht so schnell. Denn wie heute der FAZ zu entnehmen war, íst das Projekt vorerst gestoppt. Wieso? Na, wegen der Finanzkrise, was sonst? Nach und nach breitet sich die Seuche aus den USA überall aus … dass wir es noch nicht ganz so arg spüren, liegt definitiv an der Tatsache, dass die Bundesregierung mit Ihrem Hilfsangebot für die Banken den Markt etwas zur Ruhe bringen konnte.

Jedenfalls scheinen die für den Bau von Baschija Rossija zuständigen Investoren im Umfeld des Milliardärs Schalwa Tschigirinski die Kohle ausgegangen zu sein. Oder das Risiko, dass keiner in den über 600 Meter hohen Turm einziehen will, ist zu groß geworden. In jedem Fall ist es sehr schade, dass dieses Projekt nicht verwirklicht wird, denn bis jetzt war es besonders spannend zuzusehen, wie sich Moskau prächtig entwickelt und seinen Ruf als luxusorientierte Glitzermetropole immer weiter ausbaut.

Doch der Rückschlag wird wohl ohnehin nicht lange anhalten. Schließlich verdient man in Russland - anders als in Mitteleuropa oder Amerika - das große Geld immer noch mit Rohstoffen. Und die sind bislang noch reichlich vorhanden, weshalb auch die Kohle bald wieder fließen wird.

Wer ist denn jetzt der Böse?

20. August 2008, admin

RossijaSakartweloWenn das mal kein merkwürdiger Krieg war - kurz nach Beginn der Olympischen Spiele flimmerten plötzlich Meldungen über den Schirm, dass Georgiens Militär in der abtrünnigen Provinz Südossetien einmarschiert sei. Einen Tag später waren die Russen da um, so die offizielle Begründung, ihre Staatsbürger im benachbarten Ausland vor einem Genozid schützen. Bei der Gelegenheit half man dann auch gleich noch den Abchasen bei ihren Abspaltungsbestrebungen, bis sich schließlich die Amerikaner und Europäer zu Wort gemeldet haben um anzumerken, dass das nicht die feine englische Art sei. Ratzfatz war der Krieg vorbei, und alles ist wieder wie vorher, außer das weite Teile Georgiens zerstört sind und unser ehemaliger Erzfeind, von dem wir gedacht hatten, wir könnten uns künftig schon irgendwie arrangieren, hat allen anderen gezeigt, wo der Hammer hängt.

Jetzt wird das georgische Territorium bald auf internationalem Parkett ausgehandelt, wobei klar ist, dass das Ergebnis keines sein wird, das Russland nicht genehm ist. Egal wie laut Rice und Sarkozy brüllen, niemand wird derzeit einen Krieg mit dem slawischen Riesenreich anfangen, und schon gar nicht wegen Georgien. Denn noch immer ist nicht geklärt, wer denn jetzt eigentlich schuld war an dieser Eskalation. Ordentliche Berichterstattung gibt es nicht, die Staatsführungen beider Länder geben nichts als propagandistische Unkenrufe von sich, und die jeweiligen Verbündeten stellen sich - unabhängig von den Tatsachen - ohnehin hinter ihre Schützlinge.

Natürlich ist jeder Krieg irre und schlecht. Allerdings hat dieser Konflikt einen besonders schalen Beigeschmack, der allzusehr an den Kalten Krieg erinnert, in dem nie einer Schuld war, und jede Seite ihr Handeln mit dem Vorwand der Bruderhilfe begründete. Mal sehen, was die nächsten Wochen bringen …

Russlands Laterne

3. August 2008, admin

Russland ist Europas neue Supermacht - zumindest sehen die Herren im Kreml das so, und weil die Russen sich noch nie lumpen ließen, wenn es darum ging, ihrem Riesenreich ein Denkmal zu setzen, ist das Projekt Baschija Rossija (Russlandturm) eigentlich eine Selbstverständlichkeit.

Eigentlich. Denn dieses Projekt sprengt in der Tat alles, was der alte Kontinent architektonisch jemals zu Gesicht bekommen hat. Die Pläne zur Errichtung des Russlandturms, natürlich aus der Feder von Norman Foster, sehen die Errichtung eines über 600 Meter hohen Turmes vor, dessen spitz zulaufende Silhouette nicht nur an eine Laterne erinnert - die Flutlichter, die eines Tages vom Dach des gigantischen Baus in den nächtlichen Moskowiter Himmel strahlen werden, dienen in der Tat dazu, dem Rest der Welt zu zeigen, wo’s langgeht.

Eingebettet in die gerade entstehende Moscow City, dem neuen Vorzeige-Stadtviertel der aufstrebenden russischen Hauptstadt, wird die Baschija Rossija deren Skyline für immer verändern. Noch ist nicht viel zu sehen von dem überschwänglichen Vorhaben … aber die Animation, die ich auf YouTube gefunden habe, gibt zumindest einen kleinen Vorgeschmack auf das umwerfende Projekt.

 

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