Obama - US-Messias oder wieder nichts als leere Worte?

12. Juni 2008, admin

Als Barack Obama nach langem und zähem Kampf die Präsidentschafts-Nominierung der Demokraten in der Tasche hat, war aus Europa ein durchweg positives Echo zu vernehmen. Für uns, die wir Amerika meist nur aus Film und Fernsehen kennen, denen sich von Klein auf das von den Medien präferierte Bild einer offenen Gesellschaft eingeprägt hat, die keine Unterschiede zwischen Menschen verschiedener Rasse macht, erfüllt sich so die vermeintliche Bestimmung Amerikas.

Auch Barack Obama hat zu Anfang seiner Kandidatur versucht, seine Hautfarbe nicht zum Thema zu machen und das Idealbild des vorwärtsgewandten Bürgers zu vermitteln, der die alten Konfliktlinien hinter sich lässt und sich den wirklich zentralen Problemen der amerikanischen Gesellschaft zuzuwenden. Vielleicht macht es sich der Vorzeige-Schwarze damit zu leicht: Geboren im liberalen Hawaii als Sohn einer (weißen) Amerikanerin und eines Kenianers und aufgewachsen in Indonesien, stellt er im Vergleich zum Durchschnitt seiner Landsmänner bereits einen Exoten dar. Als Student an den Universitäten von L.A. und New York hat seine Heimat fast ausschließlich von ihrer multikulturellen Seite erlebt - doch das ist nur die eine Seite der USA. Außerhalb Kaliforniens und abseits der nördlichen Ostküste liegen die Tatsachen völlig anders: Schwarze und Weiße gehen sich meist aus dem Weg, vielleicht nicht aus Hass, zumindest jedoch aus Desinteresse. Vorbehalte gegenüber dem jeweils andersfarbigen prägen beide Seiten und spiegeln die tiefe Spaltung wider, die die Sklaverei auf die US-Gesellschaft verursacht hat.

Viele europäischstämmige Amerikaner - vor allem aus dem ländlichen Bereich und den Südstaaten - belächeln Obama für seine ihrer Meinung nach naiven Einstellung, die er in seinem politischen Motto - “Change” - kundtut. Sogar, wenn sie ihn selbst respektieren, halten sie seinen vorbildlichen Lebenslauf für eine Ausnahme und unterstellen ihren Mitbürgern afrikanischen Ursprungs mangelnden Willen zur Integration. Gleichzeitig darf der erste schwarze Präsidentschaftskandidat in der Geschichte des Landes nicht einmal auf die volle Unterstützung der Black Community hoffen: Diese zieht ihre gemeinsame Identität nämlich nicht primär aus ihrer Hautfarbe, sondern aus ihrer Geschichte der Versklavung. Demnach wäre Barack Obama keiner von ihnen - im Gegenteil: Er verkörpert genau die Vorstellung von einem Leben, dass sie hätten, wenn ihre Vergangenheit weniger tragisch verlaufen wäre.

Dies scheint der eigentliche Grund zu sein, warum Obama das Thema Hautfarbe aus dem Wahlkampf raushalten möchte. Ob seine Taktik funktioniert, wird sich im Verlauf der nächsten Monate zeigen, je nachdem, ob das Team um Republikaner-Kandidat McCain es darauf anlegt, mit alten Klischees auf Stimmenfang zu gehen.

Alwart Team

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