Warum gute Vorsätze nie eingehalten werden

31. Dezember 2008, admin

Zugegeben: Gute Vorsätze sind etwas feines. Wenn sie eingehalten werden. Das wiederum geschieht in den seltensten Fällen. Warum dann jedes Mal diese Selbstkasteiung, wenn man doch weiß, dass man sich damit gleich in den ersten Tagen des Jahres die Laune vermiest? Folgendes Fallbeispiel soll erläutern, warum die guten Vorsätze meist sowieso nach kurzer Zeit für die Katz sind …

Klassisches Szenario: Mit dem Rauchen aufhören

Definitiv der unrealistischste von allen Vorsätzen. Wieso? Nikotin ist eine Droge und macht stark abhängig. Gerade in Stresssituationen neigen Raucher dazu, sich eine Fluppe anzuzünden. Und welche Stresssituation könnte wohl größer sein, als die Sylvesterparty, bei der alle fiebernd auf Mitternacht warten, während man selbst seine letzten Minuten als Marlboro Man zählt? Klar, dass man jetzt noch mal richtig auf die Kacke hauen muss, schließlich ist es ja bald vorbei mit dem Qualmen und die angebrochene Schachtel soll ja auch nicht umsonst gekauft worden sein. Also zündet man sich eine nach der anderen an, und wenn die Uhr zwölf schlägt … ja, dann steht man da. Wie lange es nun dauert, bis man den Schwachsinn der ganzen Aktion selbst erkennt, ist von Mensch zu Mensch verschieden: Bei manchen dauert es 5 Minuten, bei anderen 2 Wochen, bis sie wieder zur Kippe greifen.

Der Knackpunkt liegt wohl genau in der Tatsache, dass man, wenn man vor dem Aufhören noch mal richtig Gas gibt, einfach nicht aufhören will. Denn Aufhören heißt “Nicht mehr machen”. Und wie glaubwürdig ist es wohl, wenn man damit anfängt, etwas nicht mehr zu machen, indem man es noch intensiver macht. Klingt komisch, ist aber so. Genau umgekehrt verhält es sich, wenn man es sich zum Neujahrsvorsatz gemacht hat, mit etwas zu beginnen, das man vorher nicht gemacht hat. Wenn man zum Beispiel seiner Frau verspricht, ab 1. Januar täglich im Haushalt mitzuhelfen, und die letzten zwei Dezemberwochen dann damit verbringt, nochmal so richtig intensiv das Sofa durchzuliegen, weil man ja bald nur 4 1/2 anstatt 5 Stunden rumlümmeln darf …

Will man sein Leben ändern, dann sollte man es einfach tun - und zwar in jenem Moment, in dem man sich bereit dazu fühlt.

Bayern: Viel Rauch um nichts

19. November 2008, admin

AschenbecherAls die CSU bei der bayerischen Landtagswahl im September eine gehörige Watsch’n eintstecken musste, war schnell klar: Die Raucher haben sich gerächt. Dies mag insofern übertrieben sein, als dass die Christdemokraten ja nicht nur beim Gesundheitsschutz einiges verbockt haben, sondern auch in der Bildungspolitik, außerdem hat das vermeintliche Dream-Team Beckstein & Huber von Beginn an nicht die Aufbruchsstimmung aufkommen lassen, die man sich vom Machtwechsel innerhalb der Partei versprochen hatte.

Trotzdem: Raucher, Gastronomen und wohl auch der eine oder andere Nichtraucher fühlen sich in ihrer Meinung bestätigt, dass der Möchtegern-Gesundheitsschutz der vergangenen 11 Monate bald novelliert wird. “Möchtegern” deshalb, weil schon wenige Wochen nach Inkrafttreten des aktuellen Gesetzes jede zweite Kneipe zum Raucher-Club wurde, in denen - man mag es nicht glauben - immer wieder auch Nichtraucher auftauchten, die sich aus Solidarität mit ihren qualmenden Freunden gern in den blauen Dunst gesellten.

Gemäß dem Koalitionsvertrag von CSU und FDP (Download hier) wird der Nichtraucherschutz in Bayern künftig folgendermaßen geregelt.

 

“In Gaststätten mit mehreren Räumen darf ein Raum als Raucherraum eingerichtet werden. In kleineren Einraumgaststätten darf geraucht werden, sofern die Gaststätte als Raucherlokal gekennzeichnet ist. In Bier-, Wein- und Festzelten (…) ist das Rauchen zulässig. In Diskotheken (…) ist das Rauchen in einem Nebenraum gestattet, sofern Minderjährige keinen Zutritt haben und sich im Raucherraum keine Tanzfläche befindet.”

Über Raucherclubs wird in der Vereinbarung nichts gesagt, allerdings muss man davon ausgehen, dass es diese nicht mehr geben wird, sobald dieser Entwurf gültiges Recht wird. Schade für die Diskotheken, die extra einen Verein gegründet und sich teure Gerätschaften zur Mitglieder-Identifikation angeschafft haben.

 

 

Rauchen erlaubt!

30. Juli 2008, admin

Hinweisschild für RaucherclubsDa hat der eine oder andere Raucher aber ausnahmsweise mal aufgeatmet anstatt eingeatmet - das Bundesverfassungsgericht hat am 30. Juli bekannt gegeben, dass die Nichtraucherschutz-Gesetze von Berlin und Baden-Württemberg nicht grundgesetzkonform seien, weil sie eine Wettbewerbsverzerrung zum Nachteil kleiner Gastronomiebetriebe darstellten. Wenige Stunden bereits zog es Hunderttausende in ihre ehemalige Stammkneipe aus pränikotinophoben Zeiten, die sich dort sogleich provokativ eine anzündeten. Die jeweiligen Regierungen verkündeten eine vorübergehende Aufhebung der gesetzlichen Bestimmungen, bis die Lage entsprechend der Vorgaben des BVerfG neugeregelt sei.

Paradoxerweise wurde der Nichtraucherschutz in Bayern nicht kritisiert, wohl weil im Freistaat ein absolutes Rauchverbot herrscht. Dass dieses mittlerweile nur noch auf dem Papier existiert, weiß jeder, der in den letzten Monaten in München, Nürnberg, Würzburg oder Passau eine Kneipentour gemacht hat. Allzu oft wird man an der Tür nach einer Mitgliedskarte gefragt - nein, das hat nichts mit der ausgeprägten Vereinskultur der Süddeutschen zu tun - und kaum betritt man den Laden, kommt einem schon der wohlbekannte Geruch entgegen, der kurz nach Beginn des Jahres 2007 für einige Wochen verschwunden gewesen ist.

Das Wort Raucherclub hat sich im bayerischen Wortschatz bereits seinen Platz gesichert. Und auch das typische blaue Schild mit der weißen Zigarette ist sicher nicht zufällig an die Farbgebung der Bajuwarenflagge angelehnt.

Und mal wieder haben wir dem Rest von Deutschland gezeigt, dass wir den Schutz unserer Bürger besonders ernst nehmen ;-)

Freaktown Amsterdam

20. Juli 2008, admin

Am HafenIhr werdet mir zustimmen, wenn ich behaupte, dass die holländische Metropole an der Amstel zu Europas freakigsten Städten gehört.

Einerseits ist Amsterdam historisch so interessant und verfügt über eine derartige Fülle an romantischen Panoramen wie kaum ein anderer Ort in Mitteleuropa. Mit ihren engen Straßen und den Grachten versprüht das Jahrhunderte alte Machtzentrum des niederländischen Weltreichs noch immer den Charme einer Kleinstadt. Und in Sachen Kunst und Kultur kann Amsterdam nur von wenigen Megacities wie London oder Paris übertrumpft werden.

Andererseits zählt Amsterdam zu den wenigen Städten des alten Kontinents wo es zum Lifestyle gehört, überkommene Ansichten zu verwerfen und sich getreu dem Motto von “Leben und leben lassen” von althergebrachten Zwängen zu befreien. Wo sonst spazieren junge Eltern mit dem Kinderwagen vorbei an Schaufenstern, in denen kein Spielzeug sondern die Dienste von Prostituierten feilgeboten werden? Wo sonst setzt sich in der Straßenbahn eine adrett gekleidete Seniorin neben einen Junkie und fragt ihn nach einer Zigarette (nicht umgekehrt).

Und wo, verdammt nochmal, darf man in Lokalen keinen Tabak konsumieren, dafür aber Marihuana, so viel man will?

 

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