Island will in die EU
18. November 2008, admin

Island ist das erste Land, dass im Zuge der internationalen Finanzkrise knapp am Staatsbankrott vorbeigerauscht ist. Das Inselreich im Nordatlantik, das trotz seiner Abgelegenheit und dünnen Besiedelung lange Zeit als Vorbild für andere kleine Nationen gegolten hat, zumindest was die Schaffung einer soliden Wirtschaft bei gleichzeitiger Beibehaltung größtmöglicher Souveränität angeht, muss sich nun eingestehen, dass das Prinzip des Alleingangs nicht immer der beste Weg ist. Eine Lehre, die Kleinststaaten in Europa schon vor Jahrzehnten gezogen haben.
Hauptproblem Islands ist der Zusammenbruch der Banken Kaupthing und Landsbanki. Zusätzlich zur eigenen Pleite kam nämlich noch die Tatsache, dass sie für die Insolvenz ihrer ausländischen Töchter aufkommen müssen. Der einzige Weg, diese Last einigermaßen zu schultern, ist die Übernahme durch den Staat gewesen, weshalb schließlich das komplette politische System auf der Insel gefährdet ist.
Die EU, auf der sonst - vor allem von den Bürgern ihrer Mitgliedsstaaten - gerne herumgehackt wird, hat in der Krise souverän reagieren können und sich auf eine Mischung aus nationaler Intervention und konzertierten Rettungsaktionen geeinigt. So konnte bisher zum Beispiel verhindert werden, dass der Euro-Raum in eine stärkere Inflation rutscht, wohingegen Island derzeit mit einer enormen Abwertung seiner Währung zu kämpfen hat. Ein weiterer Kritikpunkt von Gegnern der immer weiter getriebenen europäischen Integration - die schrumpfende Souveränität der Mitgliedsstaaten - hat sich ebenfalls zum Positivum gewendet, da starke Partner unerlässlich sind, wenn man allein nicht mehr aus einer Notsituation heraus findet.
Islands Hauptproblem mit der EU drehte sich bis jetzt vor allem um einen Punkt: EU-Mitglieder müssen die Verwaltung ihrer Fischereirechte an die Kommission in Brüssel abgeben, was im hohen Norden sehr kritisch gesehen wird, da man zum Beispiel das Überfischungsproblem im Mittelmeer als Folge dieser Regelung ansieht. Die Fischerei ist Islands wichtigster Wirtschaftszweig, deshalb möchte man sich nicht vom fernen Europa vorschreiben lassen, wer wie viel des kostbaren Gutes aus den eigenen Gewässern fangen darf.
Dieser Konflikt dürfte nun aber ins Hintertreffen geraten sein, da es dem Land offensichtlich nichts bringt, einen Sektor zu schützen, wenn man dabei riskiert, dass alle anderen Erwerbsquellen im Strudel der Krise untergehen könnten. Und so kam es am 16.11. zu einer für Reykjavik-Verhältnisse großen Demo mit 6000 Anhängern, die ihren Unmut über die anti-europäische Politik von Premierminister Geir Haarde kundtaten. (Quelle: taz vom 16.11.2008)
Die EU zeigte sich erfreut über den Sinneswandel. Für Island sei seit Langem ein Plätzchen unterm 12-Sterne-Banner reserviert …