München: Zucht und Ordnung im E-Garten

27. Juli 2008, admin

In München ist die Welt noch in Ordnung: Kaum vollgeschmierte Häuserfassaden, keine Bettler-Mafia, auch eine offene Drogenszene sucht man hier vergebens, genauso wie schlägernde Jugendbanden. Wenn überhaupt, dann muss man sich hier und da mal über einen überquellenden Mülleimer ärgern, aber immerhin haben wir an jeder Ecke einen, ganz im Gegensatz zu vielen anderen deutschen Metropolen.

Der bayerischen Staatsregierung ist das freilich nicht genug - im Vergleich zum Rest des Freistaats ist die Landeshauptstadt nämlich ein regelrechter Sündenpfuhl. Vor allem der Englische Garten. Denn da wimmelt es geradezu von Fahrrad-Rowdies, Hunde-nicht-an-die-Leine-Nehmern, Müll-Liegenlassern und - ja, sogar das gibt es im konservativen Süden - eingefleischten FKK-Anhängern. Wenigstens die Nudisten sind vom neuen Landesstraf- und Verordnungsgesetz ausgenommen, das heißt, ihnen droht gemäß der neuen Gebührenordnung keine Gefahr. Alle anderen, die sich nicht an die Regeln halten, droht künftig ein Ticket zwischen 15 und 35 Euro (Quelle: Süddeutsche Zeitung).

Sogar die berühmtberüchtigten Eisbach-Surfer müssen weichen, weil jährlich mehrere Menschen in dem schmalen, aber gefährlichen Flüsschen ertrinken. Allerdings war noch nie ein Wellenreiter unter den Opfern - stattdessen handelte es sich meist um Touristen, die die Warnschilder nicht ernst genommen hatten.

Und mal ganz unter uns: Ich kenne keinen einzigen Park in Deutschland, der auch nur annähernd so sauber und gepflegt ist wie der E-Garten in München. Hundekacke liegt nun mal auf jeder Wiese rum, außerdem wird es bei über 4 Quadratkilometern Fläche ja wohl jedem möglich sein, ein unbeflecktes Plätzchen zum Verweilen zu finden. Auch bezweifle ich, dass Bußgelder uns davor beschützen können, von einem wildgewordenen Biker gerammt zu werden, schließlich passiert das auf der Straße ständig, und da ist das Rasen schon immer verboten gewesen. Und die Wassersportler dafür zu bestrafen, dass unachtsame Touristen ihr Leben in Gefahr bringen, weil sie nicht einmal in der Lage sind, ein eindeutiges Piktogramm zu interpretieren, ist ebenso unfair wie lächerlich.

Lasst den Münchnern doch den letzten Ort, an dem sie nicht von Regulierungen und Überwachung erschlagen werden. Stattdessen wäre es sinnvoll, die Spazierwege im Englischen Garten nachts zu beleuchten und nach Sonnenuntergang ein paar Polizisten mehr durchs Gelände laufen zu lassen. Damit wäre das einzig echte Problem von Deutschlands größtem Stadtpark dann auch schon gelöst …

 

Münchens schönster Quader

7. Juli 2008, admin

Seit ca. 2 Jahren wächst in Münchens Museumsviertel ein Bau, dem man zunächst nicht abnehmen konnte, dass er seinen Inhalt einmal standesgemäß nach außen reflektieren würde: die Sammlung Brandhorst in der Türkenstraße.

Neben den Anwohnern waren es vor allem die Studenten des auf dem selben Gelände liegenden Institutsgebäudes der Ludwig-Maximilians-Universität, die Tag für Tag mit ansehen durften, wie der klobige Rohbau Stück für Stock hochgezogen wurde. “Na toll, schon wieder so ein postmoderner Quatsch,” sagten die einen, “schlicht und schön” fanden ihn in die anderen. Dass die Meinung mittlerweile mehrheitlich positiv ausfällt, liegt daran, dass man nun erkennt, wie das Endresultat (Fertigstellung Anfang 2009) aussehen wird: BUNT! 

Nicht dass die Entscheidung für die Außengestaltung des Brandhorst-Museums (benannt nach den Stiftern seiner Exponate) ein Geheimnis gewesen wäre - die ausgestellten Modelle vermittelten einfach nicht den Eindruck, den die fertige Galerie einst machen würde. Diese ist nämlich, anders als die benachbarte Pinakothek der Moderne, beinahe fensterlos und auf den ersten Blick weit weniger großzügig angelegt als die prominente Konkurrenz nebenan.

Doch auch wenn man sich seine Ästhetik wohl erst voll entfalten wird, wenn das ganze Viertel mit den weiteren geplanten Ausstellungsräumen in einigen Jahren vollendet ist, hat sich das Gebäude längst in die Herzen der Münchner gequadert. Und das, obwohl noch kein einziges Kunstwerk drin steht …

 

Bayern, Bayern, Deine Biere

2. Juli 2008, admin

Man mag den Bajuwaren vorwerfen, was man will – Konservativismus, Provinzialismus, Grantlerei (zu deutsch: Nörglertum) – aber eines können Sie nun mal: Bier brauen. Vor allem der Gerstensaft aus München und Umgebung ist in aller Welt bekannt für seine Süffigkeit und die Reinheit der Zutaten, so dass man, auch wenn man gerade nicht in der Heimat weilt, nie auf das typisch deutsche Trinkvergnügen verzichten muss.

Allerdings bedarf es einer gewissen sprachlichen Gewandtheit, um im Ausland an ein kühles Blondes bayerischer Herkunft zu gelangen. Denn nur weil das Bier auf der Karte steht, heißt das nicht, dass der Kellner auch weiß, wie man seinen Namen ausspricht. Und dies kann einem echten Problem werden, wenn man keine Ahnung hat, wie es im jeweiligen Sprachbereich klingt.

Als ich zum Beispiel mal in Dijon ein Erdinger Weißbier bestellen wollte – in einem Lokal, das mindestens 100 verschiedene Biere aus zig Ländern im Angebot hatte – blieb mir nach drei mündlichen Versuchen nichts anderes übrig, als es dem Garçon zu zeigen. Seitdem weiß ich, dass ich in Frankreich nach „Erdingé“ fragen muss, um ein kräftiges Hefeweizen zu bekommen.

In Mexico City hat man es da ein bisschen leichter, weil sich „Lobenbrau“ und „Löwenbräu“ nicht allzu stark unterscheiden, während man sich in L.A. schon wieder anstrengen muss, um die Bedeutung von „HB Munich Beer“ zu entschlüsseln. (Lösung: „Hofbräu“)

Doch nun zu Münchens Hausbier, dem „Augustiner“ (ich lehne mich da einfach mal so weit aus dem Fenster, zu behaupten, dass die meisten meine Meinung teilen werden). Besonders stolz sind die zuweilen etwas eigenbrötlerischen Bewohner der weißblauen Landeshauptstadt darauf, dass die traditionell orientierte Brauerei es bisweilen nicht nötig gehabt hat, ihr Bier außerhalb der Region zu verkaufen. Deshalb ist das populäre „Helle“ mit dem fröhlichen Mönch nicht einmal überall in Bayern zu haben, geschweige denn nördlich des Weißwurst-Äquators. Umso mehr wunderte ich mich, als in einer Berliner Kneipe kürzlich den Klang des mir so wohlbekannten Namens aus einer Ecke schallen hörte. Ich traute meinen Ohren nicht, doch tatsächlich: Au-gus-ti-ner! Der Blick in die Karte bestätigte meine Wahrnehmung noch einmal, und natürlich habe ich mir direkt eins bestellt. Home sweet home …

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