Shopping unterm Gucci-Schleier

8. August 2008, admin

Alle Jahre wieder … tummelt sich Arabiens Upper-Class in Europa um dem unerträglichen heißen Klima in der Heimat zu entfliehen. München zählt definitiv zu den bevorzugten Zielen der reichen Saudis, Omanis und Dubaitis - ausgezeichnete Krankenhäuser, schicke Boutiquen und der vergleichsweise konservative Lifestyle der katholischen Metropole locken die Petro-Millionäre scharenweise in Bayerns Hauptstadt.

Nach London, Paris oder gar Amsterdam trauen sich viele Araber längst nicht mehr - zu gefährlich, zu verrucht, zu freizügig, um die eigenen Töchter dort allein auf die Straße zu schicken. Das selbe gilt für die amerikanischen Großstädte, wobei hier noch das Gefühl hinzukommt, als strenggläubiger Muslim nicht willkommen zu sein. Ganz anders in München: Ungeachtet der innenpolitischen Debatten, ob bayerische Lehrerinnen mit Kopftuch unterrichten sollen und wie hoch die Minarette einer deutschen Moschee sein dürfen, zeigen die Süddeutschen sich im Sommer von ihrer weltoffenen Seite. Getreu dem Motto “Mir san mir - und ihr seids ihr” scheinen die innerhalb Deutschlands als altmodisch und traditionsgestört verschrienen Bajuwaren in der arabischen Klientel ihr orientalisches Pendant gefunden zu haben: in jeder Hinsicht obenauf, aber völlig unterschätzt.

Da erscheinen die Sommer für Sommer wiederkehrenden Straßenszenen, in denen ganze Kolonnen von tiefverschleierten Frauen durch die Maximilianstraße schlendern, um Münchens Edel-Einkaufsmeile leerzukaufen, gar nicht mehr so bizarr, wie man auf den ersten Blick meinen möchte. Geld regiert die Welt, und so erklärt sich auch, dass das Kopftuch plötzlich nicht mehr das Zeug zum Zankapfel hat, sobald sich ein Gucci-, Fendi- oder Ferré-Emblem darauf befindet. In puncto Selbstbewusstsein können die Wüstenprinzessinen ohnehin locker mit den weitaus leichter bekleideten Europäerinnen mithalten, die sich - mangels entsprechender Körpermaße - allzu oft lächerlich machen, wenn sie bauchfrei durch Münchens Straßen schlendern.

Kein Wunder also, dass alle Blicke auf die verhüllten Damen gerichtet sind, deren verspiegelte Armani-Sonnebrillen in Kombination mit den züchtigen Outfits die Fantasie der Männer eher anregen, als sie abzutöten. Die junge Generation der Nahost-Touristinnen scheint sehr wohl zu wissen, welchen Effekt sie erzeugen, wenn sie sich den Schleier zurechtrücken, und dabei, sei es aus Versehen oder nicht, etwas von ihrem Antlitz preisgeben, um es dann fluchs wieder zu verbergen.

Die Münchner selbst genießen indes die Gewissheit, dass ihre Gastfreundschaft sich nicht nur finanziell auszahlt, sondern zur Völkerverständigung beiträgt. Schließlich freuen wir uns doch alle, wenn ein Deutschland-Besucher nach Hause zurückkehrt, und, möge seine Heimat noch so fremd sein, davon schwärmt, wie schön, sicher und freundlich “der Westen” ist.

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