Ich hasse Halloween

1. November 2008, admin

HalloweenMan möchte meinen, in exponierter Innenstadtlage an einem Verkehrsknotenpunkt zu wohnen, könnte einen vor den Zwängen des Spießerlebens schützen. Anders als wenn man in einer Wohnsiedlung mit Einfamilienhäusern lebt, muss man hier weder seine Nachbarn grüßen, noch braucht man sich Sorgen darüber zu machen, ob jemand mitbekommen hat, wie man mitten in der Nacht sturzbetrunken nach Hause getorkelt ist.

Einige dieser nachbarschaftlichen Zwänge lassen sich jedoch niemals abschütteln, ohne dass man sich dadurch ins gesellschaftliche Abseits katapultiert. Dazu gehört zum Beispiel die Gepflogenheit, seinen stinkenden Müllsack nicht im Hausflur stehen zu lassen. Oder das Gebot, bei einer Party schon vorher alle Anrainer zu informieren um sich den Ärger wegen zu lauter Musik zu ersparen. Aber ist es auch meine Pflicht als stadtbekannter Freak, den Kindern der Nachbarn an Halloween meine letzten Süßigkeiten zu überlassen?

Was die Frage soll? Bis gestern dachte auch ich, es gäbe wichtigere Probleme des urbanen Lebens als die Frage, wie weit Kinder gehen dürfen. Doch die Wirklichkeit hat mich etwas anderes gelehrt: Wer Dir mit Saurem droht, wenn er/sie von Dir nichts Süßes bekommt, meint es in der Regel ernst. Drückt man als unverkleideter Erwachsener einem kleinen Psychopathen im “Scream”-Kostüm keine Schoko-Bons in die Hand, hat man schnell eine ganze Horde kleiner Kürbisköpfe mit Flammen in den Augen am Hals.

Die Geister der Hexennacht sind in der Regel schwer bewaffnet. Mit Ketchup in der Squeeze-Flasche lässt sich beispielsweise prima auf das Gesicht eines Opfers zielen, wenn dieses keine Bonbons als Schutzgeld parat hält. Die Mehl-ins-Gesicht-und-gleichzeitig-in-die-Trillerpfeife-blasen-Methode grenzt meiner Meinung nach sogar an Folter. Gemeinsam haben sie alle vor allem eines: Die Tatsache, dass man sich nicht wehren kann. Vor allem, wenn es die Kinder des Hausmeisters sind …

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