Tollwut auf dem Tollwood

25. Oktober 2008, admin

München hat mal wieder Schaum vorm Mund - längst gehört das Tollwood-Festival zur bayerischen Landeshauptstadt wie die Frauenkirche und der Englische Garten. Die Erfolgsgeschichte des Ethno-Events begann im Jahr 1988 als Kitsch- und Krempel-Markt mit regionalem Entertainmentprogramm, allerdings entwickelte sich das Tollwood schnell zu einem echten Highlight, so dass das mittlerweile international bekannte Fest heute zwei Mal im Jahr abgehalten wird. Das Sommer Tollwood findet immer im Juli auf der Theresienwiese statt, dem Ort, wo auch das Oktoberfest zu Hause ist. Im Winter feiert man stattdessen im Olympiapark. Gemeinsam haben die Events, dass ein großer Teil des “Bazars”, wo man von Öko-Socken bis zum Wahrsager fast alles findet, in Zelten untergebracht ist (in der kalten Jahreszeit natürlich eher als im Sommer). Doch auch im Freien befinden sich zahlreiche Stände mit bunter Ware aus aller Welt und - für viele Tollwood Fans das wichtigste - Unmengen von Essen.

Ob arabisch oder chinesisch, fränkisch oder italienisch, hungern muss hier nun wirklich keiner. Im Winter bieten die Buden auf dem Tollwood natürlich auch Glühwein und sonstige gut in die Vorweihnachtszeit passende Getränke an, wobei der Feuerzangenbowle-Stand fast schon Kultstatus erreicht hat.

Dass das Tollwood ein Fest für Jung und Alt ist, beweist auch das Programm der Show-Zelte. In einzigartiger Kulisse werden Theaterstücke, Varietéaufführungen und Konzerte von internationalem Renommé aufgeführt, allerdings muss man bei manchen von ihnen schon ein halbes Jahr vorher anfragen um überhaupt noch eine Karte zu ergattern. Zu den Dauerbrennern im Theaterzelt zählen “Caveman” und “Cavewoman”, allerdings kommen auch Comedians, Artisten aller Couleur kommen sehr gut beim Publikum an.

Obwohl viele, die das Tollwood von Anfang an erlebt haben, bemängeln, dass es sich vom Ökofest in ein kommerzielles Event verwandelt hat, muss man der jeweils mehrwöchigen Veranstaltung doch zugestehen, dass es in seinen Grundfesten noch immer seiner eigentlichen Bestimmung treu geblieben ist: Seinen Besuchern die Welt zu zeigen, das Bewusstsein für die Unterschiedlichkeit der Kulturen zu schärfen und ein Gespür für den Schutz unserer Natur zu schaffen.

Das nächste Tollwood findet von 1. bis 23. Dezember statt. Die Showzelte sind allerdings sogar bis 31.12. geöffnet, dann endet das Festival mit einer großen Sylvester Party.

KaZantip - die Techno-Republik

7. August 2008, admin

Vorbei die Zeiten, in denen Berlin die Hauptstadt des Techno und die Loveparade das größte Tanzfest der Welt gewesen ist. Längst müssen wir viel weiter nach Osten blicken, wenn wir die neuesten Superlative der Elektro-Szene entdecken wollen, genauer gesagt: in die Ukraine.

Auf der malerischen Krim-Halbinsel am Schwarzen Meer findet seit mittlerweile über 15 Jahren das wohl abgefahrenste Techno-Festival der Welt statt: KaZantip. Gemäß der offiziellen Sprachregelung ist KaZantip jedoch nicht gar keine Party, sondern eine Republik - mit eigener Verfassung, Ministern und einem Präsidenten. Staatschef Nikita I. (bürgerlicher Name: Nikita Marshunok) hat den Feierstaat im Jahr 1991 gegründet, seither öffnet die “Republik Z”, wie KaZantip im Volksmund genannt wird, jährlich im Juli ihre Pforten um Partygänger aus ganz Osteuropa für 30 Tage in einen Rausch aus Beats und Beach zu versetzen.

Um Einlass nach KaZantip zu erhalten, benötigt man - wie in jedem ordentlichen Staat - ein Visum (Preis: ca. 200 €), und je nachdem wie komfortabel man während seines Aufenthalts residieren möchte, kommen noch Kosten für die Unterkunft hinzu. Viele KaZantipianer begnügen sich jedoch mit einem Zelt, denn das Wetter auf der Krim ist mediterran geprägt und gerade in den Sommer-Monaten durchaus für mehrwöchiges Camping geeignet.

Das Staatsgebiet von KaZantip liegt direkt am weitläufigen Strand nahe des verträumten Dorfes Popovka, und ist mit allen Finessen ausgestattet, die der partyhungrige Urlauber zum Spaß haben benötigt. Obwohl mehrheitlich Russen, Ukrainer und Polen hier abtanzen, hat sich die Techno-Republik in den letzten Jahren auch in Mittel- und Westeuropa zum Geheimtipp entwickelt. Neben Russisch und Englisch gehört auch Deutsch zu den gängigen Sprachen der Z-Beamten, wobei die Völkerverständigung hier in den meisten Fällen wortlos funktioniert - die Musik dient als ultimative Sprache in KaZantip.

Für dieses Jahr ist die Krim-Party leider schon ausgebucht, dennoch sollte man dieses Mega-Event im Hinterkopf behalten. Wer die Schnauze voll hat vom überteuerten Ibiza sollte flüchten und 2009 einen Asylantrag in KaZantip stellen. Wer früh genug dran ist, kann die dortige Einwanderungsbehörde sicherlich von seiner Not überzeugen!

Hier noch ein kleiner Vorgeschmack auf das, was Euch in der Ukraine erwartet  …

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