So lässt sich’s leben

27. September 2008, admin

WohnturmDer Madison Square Park ist ein idyllisches Fleckchen. Flatiron Building, MetLife Clocktower und die Denkmäler zu Ehren von William Seward, Chester Arthur, William Worth und Admiral Farragut verleihen dem quadratischen Platz ein historisches Flair. An dieser Stelle einen glasverkleideten Turm mit Luxuswohnungen zu errichten ist also ein relativ waghalsiges Unterfangen, will man das einzigartige Ensemble nicht zerstören. Doch die New Yorker haben sich noch nie darum geschert, ob ein Haus nun zum anderen passt oder nicht - umso logischer ist es, dass genau so ein Projekt gerade im Gange ist.

Kein geringerer als Rem Koolhaas hat den schlanken Tower konzipiert. Schlank deshalb, weil er trotz 50 Stockwerken eine geradezu lächerliche Grundfläche aufweist und sofort an ein Streichholz erinnert, wenn man vom Boden aus an ihm hinaufsieht. Bemerkenswert ist auch, dass es sich um einen reinen Wohnturm handeln wird - was an sich nicht ungewöhnlich ist in New York City, wo ein Großteil der Wolkenkratzer auch für Privatbehausungen genutzt wird - aber eine derart transparente Fassade ist sonst eher typisch für Bürokomplexe.

Diejenigen, welche sich eine Wohnung in dem exklusiven Haus leisten können (das billigste Apartment im untersten Stockwerk wird ca. 3 Mio. Dollar kosten), müssen also damit leben, dass ihnen die Touristen auf der Aussichtsplattform des Empire State Building direkt ins Wohnzimmer schauen können. Doch bei der exzentrischen Mentalität der meisten New Yorker muss man vielleicht sogar davon ausgehen, dass das so gewollt ist. Schließlich ist Reichtum nur halb so viel wert, wenn man ihn nicht zeigt, oder?

Der Turm wird definitiv neue Maßstäbe in Sachen Hochhausarchitektur setzen, denn er steht für ein ganz neues Lebensgefühl. In New York geht es längst nicht mehr nur um die Höhe, schließlich ist der alte Wettbewerb, wer der Stadt den gigantischsten Skyscraper verpasst, ausgekämpft, seit das World Trade Center zerstört wurde. Niemand möchte höher bauen als der Freedom Tower, denn dieser soll ein Symbol für die Ewigkeit werden, also konzentriert man sich auf andere Facetten der Superlative.

Aus “Höher, schneller, weiter” wird “Schöner, teurer, prächtiger” - wer weiß, ob das nicht sogar das bessere Motto für New York sein könnte?!
77.am

Rooftop Party - so feiert Manhattan

14. September 2008, admin

Wer in NYC feiern möchte, hat die Qual der Wahl: Die Fülle an Bars, Clubs und Diskotheken ist schier unendlich und es ist garantiert für jeden Geschmack etwas dabei. Besonders beliebt sind die stylishen Clubs im Meatpacking District oder in SoHo - wer es undergroundiger mag, den zieht es eher hinüber nach Brooklyn, ins In-Viertel Williamsburgh. Als Tourist aus Deutschland wird man jedoch - so schick viele Ausgehmöglichkeiten auch sein mögen - tendenziell eher enttäuscht sein, denn um Punkt 4 Uhr ist meistens Schluss mit Lustig. Gesetzliche Reglementierungen halten viele Gastronomen schlicht und einfach davon ab, länger zu öffnen. Von wegen “höher, schneller, weiter”.

Dem New Yorker bleiben demnach nur zwei Möglichkeiten: In New Jersey feiern zu gehen, wo die Rechtslage um einiges liberaler ist, und Diskotheken normalerweise so lange geöffnet sind, wie die Gäste Spaß zu haben scheinen. Oder zu Hause eine Party zu veranstalten, allerdings nicht in der Wohnung, sondern darüber. Fast jedes der klassischen Mietshäuser in Manhattan hat “rooftop access” - klassisch in dem Sinne, als dass es vor der Wolkenkratzer-Ära errichtet wurde - und ihre Bewohner entfliehen der Enge in den eigenen vier Wänden allzu gerne, indem sie ihre Parties einfach nach oben verlegen. 

Nicht nur, dass man hier so lange feiern kann, wie man möchte. Nicht nur, dass es wesentlich günstiger ist. Nicht nur, dass die Atmosphäre viel privater ist als in einem anonymen Tanzpalast. Nein, es ist die unfassbare Aussicht auf die glitzernden Türme Manhattans und die aus dem Häusermeer emporragende Spitze des Empire State Buildings, die eine Rooftop Party zum einzigartigen Erlebnis macht.

Nur, wer so etwas einmal erlebt hat, weiß, was es bedeutet, ein echter New Yorker zu sein ;-)

Flatiron Building - ein echter New Yorker

12. September 2008, admin

Fuller BuildingWo auch immer man in New York unterwegs ist, immer wieder entdeckt man ein Gebäude, einen Park oder ein Denkmal, das man aus Filmen oder von Bildern kennt. So richtig überrascht ist man eigentlich nur von den tatsächlichen Ausmaßen der Stadt - alles andere ist irgendwie, als wäre man schonmal da gewesen.

Dieses Gefühl hat man auch beim Flatiron Building. Die wie eine Bügelfalte zusammenlaufende Form des grazilen Fuller-Hochhauses erinnert sofort an die “Spiderman”-Spielfilme und den Vorspann von “Sex and the City”, und schon wieder fühlt man sich nicht als Tourist, sondern so, als wäre man nach langer Abwesenheit endlich zurück zu Hause. 

Zusammen mit den anderen, für amerikanische Verhältnisse historischen Gebäuden rund um den Madison Square Park, ist das Flatiron Building auf jeden Fall ein echtes städtebauliches Highlight, auch wenn es mit nur 8 Stockwerken geradezu lächerlich klein ist. Schließlich befindet sich das Empire State Building in unmittelbarer Sichtweite …

Zu Fuß über die Brooklyn Bridge

11. September 2008, admin

Aussicht auf ManhattanEs gibt einige Dinge, die muss man einfach tun, wenn man in New York ist. Aufs Empire State Building fahren, die Fifth Avenue entlang laufen, im Central Park picknicken … und bei Sonnenuntergang zu Fuß über die Brooklyn Bridge spazieren.

Vor kurzem 125 Jahre alt geworden, ist die Brücke über den East River längst eine New Yorker Institution und gilt seit jeher als eine der wichtigsten architektonischen Sehenswürdigkeiten des Big Apple. Damals eine technische Innovation, ist sie heute zwar nur eine von vielen Verbindungen zwischen Manhattan und den umliegenden Stadtteilen, doch ihr Mythos lebt weiter. Wer ein Gefühl für die beeindruckende Konstruktion bekommen und gleichzeitig einen der schönsten Ausblicke auf New York genießen möchte, sollte sich ihre Überquerung nicht entgehen lassen.

Um das Lichterspektakel bei Sonnenuntergang ungetrübt erleben zu können, muss man logischerweise von Brooklyn nach Manhattan laufen - sonst muss man sich entweder ständig umdrehen oder rückwärts gehen. Einfach mit der Subway (Linie F) bis zur York Street und dann noch ca. 10 Minuten bis zum Fußgänger-Aufgang zur Brücke. Das Beste ist, dass man als Fußgänger einige Meter über der Fahrbahn läuft, somit bekommt man vom teilweise recht starken Verkehr kaum etwas mit.

Verblüffet hat mich, dass tatsächlich viele Brooklyner die Brücke nutzen, um zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Arbeit nach Manhattan überzusetzen. Der Pedestrian Walk ist also bei Weitem keine reine Touri-Angelegenheit, sondern entspricht absolut dem New Yorker Trend, ohne Auto von A nach B zu kommen. Und wieder wird einem klar, wie anders diese Stadt im Vergleich zum Rest des Landes ist.

 

Von oben ist New York am schönsten

3. September 2008, admin

 

Bei den Menschenmassen, die sich Tag für Tag durch die Straßen von Manhattan schlängeln, kann ein Spaziergang durch den Big Apple manchmal so anstrengend werden, dass man sich fragt, was die Leute eigentlich so toll finden an New York. Egal, wie imposant sich die wuchtigen Türme aus Glas und Stahl in den Himmel schieben – wer nicht überfahren oder bestohlen werden möchte, sollte sich bei seiner City Tour lieber auf das Geschehen am Boden konzentrieren.

 

So richtig genießen kann man die architektonischen Superlative dieser Stadt ohnehin nur von einer der hochgelegenen Aussichtsplattformen. Unangefochtener Spitzenreiter ist hier natürlich das Empire State Building – seit dem 11. September 2001 und bis zur Fertigstellung des am Ground Zero entstehenden Freedom Towers das höchste Gebäude New Yorks. Zwei Observation Decks laden dazu ein, sich die über 5000 Hochhäuser der Mega-City aus der Vogelperspektive anzuschauen.

 

Die Fahrt mit dem Turbo-Aufzug des über 70 Jahre alten Turms in den 86. Stock kostet 19 Dollar. Für 15 Dollar extra kann man sogar noch mal 15 Etagen höher fahren, von wo aus man bei gutem Wetter bis nach Connecticut sehen kann. Wer sich die – je nach Saison unerträgliche – Warteschlange ersparen möchte, wird für insgesamt 45 Dollar direkt vom Eingang zum Lift geführt.

 

Nicht minder spannend ist der Blick vom „Top of the Rock“, wie die Aussichtsplattform des Rockefeller Centers genannt wird. Weniger hoch, aber dafür umso näher an den beeindruckenden Konstruktionen der Wolkenkratzer von Midtown Manhattan, ist das Panorama von hier aus ebenso einzigartig wie vom Empire State Building.

Wolkenkratzer - quo vadis?

29. Juni 2008, admin

Wolkenkrater in New York CityFast 100 Jahre dauert er nun schon an: Der Wettlauf um das höchste Gebäude der Welt. Lange Zeit blickte die Menschheit auf den amerikanischen Kontinent, wo der Wolkenkratzer als erstes Einzug in die Silhouette der Metropolen Einzug gehalten hat. Zum Zeitpunkt ihrer Errichtung standen das Empire State Building in Manhattan oder der Sears Tower in Downtown Chicago für den Fortschritt und den Führungsanspruch der USA - bis zum Beginn der Globalisierung. Seitdem die Weltwirtschaft sich zunehmend vernetzt, wird auch das Know-How für den Bau repräsentativer Türme aus Stahl und Glas immer mehr zum internationalen Gut. Vor allem Asien hat den Höhenwahn auf die Spitze getrieben: Von Arabien über die Malaiische Halbinsel bis nach China überschlagen sich die Pläne von Wirtschaftskonzernen und Politik, sich selbst ein Denkmal zu setzen.

Aus eigener Kraft lässt sich ein solches Vorhaben nur schwer schaffen, was den Aufschwung weltweit agierender Architekturkonsortien erklärt. Diese legen mittlerweile aber nicht mehr nur Wert auf gigantische Ausmaße - beim Design zählt vor allem der Wiedererkennungswert, während bei der Konstruktion vor allem die Sicherheit im Mittelpunkt steht. Weil sie die verschiedenen Dimensionen des Hochhausbaus auf unnachahmliche Weise vereinen, genießen Genies wie Sir Norman Foster oder Rem Koolhaas längst Promi-Status.

Und dennoch sind es gerade die besonders erfolgreichen Baukünstler, die am stärksten kritisiert werden. Die Vorwürfe, mit denen sich Büros wie SOM (Hauptsitz: Chicago), konfrontiert sehen, kommen zum Beispiel aus Kreisen von Globalisierungsgegnern und politischen Aktivisten: Die einen werfen ihnen vor, durch ihr Zutun die Ungleichverteilung des weltweiten Wohlstands zu manifestieren, während andere bemängeln, dass amerikanische und europäische Firmen autokratischen Machthabern dabei helfen, ihrem Herrschaftsanspruch ein Denkmal zu setzen, obwohl es in der Verantwortung des Westens läge, demokratische Strömungen zu unterstützen, anstatt seinen ideologischen Gegnern in die Hände zu arbeiten.

Auch aus der religiösen Ecke tönt es laut, wenn wieder ein neuer High-Rise-Rekord vermeldet wird. Meist wird ein Vergleich mit dem Turmbau zu Babel gezogen: dem Versuch des Menschen, sich auf die selbe Stufe mit dem allmächtigen Gott zu stellen. Gemäß biblischer Quellen prophezeien vor allem evangelikale Christen, dass der Hirte seine Schäfchen zur Verantwortung ziehen wird für den Frevel, sich seiner anzumaßen.

Dass sich seit Neustem auch Umweltexperten mit warnendem Ton äußern, wenn es um die Errichtung von neuen Wolkenkratzern geht, liegt indes an der Anhäufung von Naturkatastrophen, die unser Planet in letzter Zeit durchlebt hat. Vor allem die immer öfter und mit stärkerer Intensität auftretenden Erdbeben bereiten ihnen Sorgen, obwohl die Konstrukteure stets beteuern, dass ihre Pläne auf dem neuesten Stand der Technik sind, was die Stabilität der Häuser betrifft.

Wen kann man nun ernst nehmen und wen nicht? Welche Kritik ist zu weit hergeholt und wo lassen sich wirkliche Probleme erkennen? Für viele mag die Frage albern klingen, schließlich lässt sich der aufgeklärte Kosmopolit nicht von Aberglauben und Kleinmut beirren. Nichtsdestotrotz sollten wir uns darüber Gedanken machen, wo das alles hinführen soll. Bisher sind Städte wie New York, in denen das Tageslicht immer nur für einen kurzen Moment die Straßen erhellt, weil die endlosen Häuserschluchten den Grund von der Sonne abschirmen, noch in der Minderheit. Das erdrückende Gefühl, vom natürlichen Verlauf der Natur abgeschnitten zu sein, zeigt jedoch bereits seine Wirkung und hat bereits einer Reihe von Städten ihren Reiz genommen, ebenso wie der Abriss gewachsener Strukturen und die Zerstörung historischer Bauwerke.

Allein unter Millionen zu sein - der Identitätsverlust ist die eigentliche Gefahr, der wir uns aussetzen, wenn wir Wachstum als einziges Kriterium für den Fortschritt unserer Metropolen ansehen. Schließlich ist es ihre Einzigartigkeit, die wir so bewundern. 

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