Tokio - das Herz Japans

3. Oktober 2008, admin

Tokio SkylineDerzeit ist viel von der neuen Weltmacht China die Rede und alle Welt schaut auf die neuen Metropolen des ostasiatischen Riesenreiches, Peking und Shanghai. Dass dort nicht alles Gold ist, was glänzt, wissen wir alle, doch wir sehen darüber hinweg, denn wo das große Geld lockt und der Glamour des Kapitalismus über allem strahlt, interessiert uns sonst meist nicht mehr viel.

Schade, dass wir so lange keinen Blick mehr auf die Stadt geworfen haben, die schon Jahrzehnte zuvor sinnbildlich für den Aufstieg asiatischer Länder in den edlen Kreis der Wirtschaftsmächte gestanden hat: Tokio.

Mit 35 Millionen Einwohnern in der Metropolregion stellt sie nämlich bis heute alles in den Schatten, was die Mega-Cities ihrer Nachbarn zu bieten haben. Der Lifestyle in der japanischen Kapitale ist extrem progressiv - man spürt, dass hier das Herz des ganzen Landes schlägt. Business und Muße, Mode, Musik und Archtitektur treten hier in derart heftigen Superlativen zu Tage, dass sich unsere europäischen Städte ruhig noch eine ordentliche Scheibe davon abschneideden könnten.

Das höchste Gebäude der Stadt ist der Tokyo Tower, eine Art japanisches Double des Eiffelturms, dank rot-weißen Anstrichs und 10 Metern mehr Höhe allerdings noch einen Tick auffälliger, weshalb das Ding auch gar nicht nach Paris passen würde. Doch es ist, wie bei fast allen in den Himmel ragenden Häusern in Tokio, nicht die Archtitektur an sich, die einen umhaut. Erst nachts, wenn die Beleuchtungen und Neon-Reklamen nach und nach eingeschaltet werden, erkennt man die wahre Ästhetik der modernen Mega City. Den Vergleich mit dem New Yorker Times Square muss die japanische Hauptstadt garantiert nicht scheuen, eigentlich ist Tokio sogar noch viel greller.

Nicht minder spektakulär ist auch das alte Tokyo mit seinen Palästen, Schreinen und … dem Hauptbahnhof. Die zentrale Station für Züge und Regionalbahnen verblüfft insbesondere deshalb, weil sie so gar nicht unserem Klischee von asiatischer Bauweise entspricht. Das langgestreckte Backsteingebäude erinnert mit seinen Stuckelementen eher an typisch norddeutsche, britische oder Benelux-Architektur. Nichtsdestotrotz oder gerade deshalb ist er besonders schön …

Wenn man schon mal da ist, sollte man sich natürlich auch kulinarisch austoben in Tokio. Sushi ist hier leider noch teurer als bei uns, schmeckt allerdings tausend mal besser. Die Einheimischen bevorzugen mittlerweile immer öfter “Exotisches” wie deutschen Braten oder Hamburger. Dass die Japaner viel besser Buletten braten können als die Amis, beweist MOS Burger. Die Imbisskette setzt bei ihren Brötchen auf absolute Frische. ITADAKIMASU!

 

Olympia? Ohne mich.

27. Juli 2008, admin

Eigentlich wussten es alle von Anfang an: Die Olympiade in Peking würde keinerlei positiven Einfluss auf den Regierungsstil der chinesischen Führung haben. Wie naiv musste man sein, um den Versprechungen des IOC Glauben schenken zu können? Welchen Einfluss sollte ein Sportbund, egal wie groß und angesehen, auf eine Quasi-Weltmacht haben, die sich prinzipiell jeden Einflusses von außen verwehrt?

In China gehört es seit jeher zur Staatsdoktrin, dass innere Vorgänge, wie Volksaufstände und deren Niederschlagung im offiziellen Jargon des Reichs der Mitte genannt werden, niemanden etwas angehen, außer die Regierung selbst. Die ist nicht nur ein Symptom der Parteidiktatur - es ist einer ihrer wesentlichen Eigenschaften.

Wenn auch nicht viele Tibeter einen Internetzugang haben mögen - manche haben ihn. Wenn auch nicht jeder Uigure weiß, was ein Blog ist - manche wissen es. Wenn auch nicht jeder Chinese sich für den chinesischen Wikipedia-Artikel zum Dalai Lama interessiert - manche interessiert es. Damit es nur wenige bleiben, hat sich die chinesische Führung bisher ganz schön ins Zeug gelegt. Wieso sollten sie nun all die Mühen umsonst gewesen sein lassen?

Es ist von vornherein klar gewesen, dass Zensur ebenso wichtig für die Macht der KP ist wie das Prinzip der Nichteinmischung. Also warum hat man nicht gleich verstanden, dass Beijing 2008 vor allem des Herrschaftsanspruch des Regimes untermauern soll. Die Machthaber werden sich im Glanz der fünf Ringe suhlen, wenn am 8. August die Eröffnungszeremonie beginnt und ganz China (aber eben nur China) erfährt, dass sie es sind, die ihrer Heimat zu internationalem Ruhm verhelfen können.

Deshalb werde ich mir die Spiele nicht ansehen. Und jeder, der nicht möchte, dass die Parteibonzen hinterher auch noch behaupten können, sie hätten die medienwirksamsten Spiele aller Zeiten auf die Beine gestellt, sollte das selbe tun.

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