Spree-Ufer gerettet?

6. August 2008, admin

Party-Crowd in Kreuzberg-FriedrichshainAm 13. Juli haben die Berliner darüber abgestimmt, ob das Spreeufer im Bezirk Kreuzberg-Friedrichshain künftig im Rahmen eines groß angelegten Investitionsprogramms zur Büro- und Hotelzone umgebaut werden soll. Die Mehrheit hat gegen das Projekt “mediaspree” gestimmt, denn viele fürchten, dass das einzigartige Flair, für das die brach liegenden Industriegelände am Wasser bekannt sind, dann für immer passé sein wird.

Momentan steigen am Ufer der Spree noch regelmäßig Open-Air-Parties, man kann an aufgeschütteten Stränden chillen und mit einem kühlen Bierchen in der Hand den vorbeifahrenden Touri-Dampfern zuwinken. Dass damit bald Schluss sein soll, will die Hauptstadt-Szene jedoch nicht akzeptieren - man initiierte ein Bürgerbegehren und gewann.

Problem: Erstens ist das Abstimmungsergebnis nicht bindend. Zweitens wäre ”mediaspree” wichtig für die Schaffung neuer Arbeitsplätze, die in Berlin ohnehin Mangelware sind. Außerdem sieht das Projekt vor, dass die Spree nach Abschluss der Bauarbeiten beiderseitig von einer Promenade gesäumt sein soll, die dann jedem Bürger zugänglich wäre - und nicht nur der Eintritt zahlenden Partycrowd.

Das Argument der “mediaspree”-Gegner leuchtet dennoch ein, denn Büroräume braucht die Hauptstadt momentan tatsächlich nicht. Der Leerstand in jenen Prestigebauten, die in den letzten Jahren fertiggestellt worden sind, ist noch immer enorm, was den Sinn eines neuen Glas-und-Stahl-Viertels fragwürdig erscheinen lässt.

Außerdem ist es doch der Mix aus alt und neu, schön und hässlich, prunkvoll und chaotisch, der Berlin bisher seinen speziellen Charakter verliehen hat. Retorten-Cities haben wir schon genug …  

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