Gegen braunes Fallobst

16. Oktober 2008, admin

Flagge der Front deutsche ÄpfelDas größte Problem, dass wir im Umgang mit Neonazis haben, ist die Tatsache, dass je mehr wir uns gegen sie wehren, desto eher geben wir ihnen das Gefühl, ihr Ziel erreicht zu haben: ernst genommen zu werden. Wenn NPDler und ihre Skinhead-Scharen mal wieder eine fröhliche Kundgebung zum “Führergeburtstag” planen, versuchen Städte und Organisationen, dies vehement zu verhindern, und sogar wenn es dann klappt, so haben wir den Braunen doch wieder das Gefühl gegeben, dass wir sie für eine Gefahr halten … Angst vor ihnen haben.

Einige haben das verstanden, und so ist es im Jahr 2004 zur Gründung der Front Deutscher Äpfel gekommen. Die Leipziger Satirikertruppe nimmt die rechte Szene gekonnt auf die Schippe und hält den ewig Gestrigen auf äußerst amüsante Weise den Spiegel vor - in der Hoffnung, dass diese selbst erkennen, wie affig ihre Auffassungen und ihr Gehabe eigentlich ist.

Wie es sich für eine ordentliche Obstanisation gehört, teilt die Apfelfront ihr Wirkungsgebiet systematisch in Gauen ein. Da wäre zum Beispiel die Hauptstadt-Gau Berlin oder die Traditionsgau Bayern. Einige Gauen haben sich zum Boskopistischen Stäben zusammengeschlossen und je nach Bedarf sind auch schon Apfelbataillone zur Verteidigung des nationalen Obstbestands gegründet worden. Und auch die obligatorische Jugendorganisation darf nicht fehlen. In der NFD (Nationales Frischobst Deutschland) werden die jungen Kader der Spaßpartei auf Kurs gebracht und die Frauen engagieren sich bevorzugterweise im BWB, dem Bund weicher Birnen.

Trotz der Kritik, die sich die Front Deutscher Äpfel aufgrund ihres Auftretens in der Öffentlichkeit eingefangen hat - einige halten die Anlehnung an nationalsozialistische Symbolik für pietätlos - muss man dieser Art der künstlerischen Meinungsäußerung ihre Berechtigung zugestehen. Nicht zuletzt, weil man mit einem Augenzwinkern vielleicht sogar noch mehr Menschen dazu bewegen kann, sich GEGEN RECHTS zu stellen.

Die Idee vom braunen Apfel als Erkennungssymbol der Front soll übrigens (laut Wikipedia) mit dem ehemaligen NDP-Landtagsfraktionsvorsitzenden des Freistaats Sachsen, Holger Apfel, zusammenhängen. Die Anti-Nazi-Organisation war 2004, nach dem Einzug der Rechten ins sächsische Parlament, gegründet worden. Apfel solle später noch zu zweifelhaftem Ruhm gelangen, als er und seine Anhänger sich weigerten, an einer Schweigeminute zum Gedenken an die NS-Opfer teilzunehmen.

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