Aus alt mach neu mach alt

2. April 2009, admin

Frankfurt gehört zu jenen deutschen Städten, die lange Zeit nichts für Denkmalschutz übrig gehabt haben. Nicht, dass es dort nach dem Krieg noch viel zu schützen gegeben hätte - die wenigen (zumindest teilweise) erhaltenen historischen Bauten in der Mainmetropole wurden trotzdem häufig abgerissen, manche aus praktischen Gründen, die meisten jedoch, weil man schnell das neue Stadtplanungskonzept durchziehen wollte: eine moderne Metropole mit zukunftsträchtiger Hochhaus-Architektur.

Dran glauben mussten seinerzeit auch die Überreste des Thurn-und-Taxis-Palais, vor den Bombenangriffen der Alliierten ein Wahrzeichen der Stadt, dessen Reste man abriss, um das Fernmeldehochhaus auf seinem Areal zu errichten. Doch nachdem gerade Berlin mit der Wiedervereinigung von einer regelrechten Rekonstruktionswelle erfasst wurde (Reichstag, Stadtschloss, etc.), begriff man auch in Frankfurt nach und nach, dass es sich lohnen könnte, dem Zentrum ein wenig von seiner altehrwürdigen Pracht zurückzugeben. Problem: Die Bodenpreise in Frankfurt sind horrend, und kein betriebswirtschaftlich versierter Investor hätte sein Geld in ein Projekt gesteckt, das außer einer kulturellen Bereicherung keine hinreichend profitable Nutzung erlaubt. PalaisQuartier Frankfurt

Zeit für einen neuen Wolkenkratzer, doch davon hat Frankfurt viele - wer in dieser Stadt etwas Besonderes schaffen möchte, punktet eher mit altem Prunk denn mit modernistischem Purismus. So entstand der Plan für das PalaisQuartier, benannt nach dem Palais Thurn und Taxis, dass sich hier einst befand. Zwei Wolkenkratzer, ein Einkaufszentrum, und: die alte Residenz der Fürstenfamilie.

Das Konzept geht auf: Das Shopping-Paradies myZeil ist bereits eröffnet, in die beiden Türme ziehen bald ein Hotel und verschiedene Firmen ein und die (verkleinerte) Neufassung des ursprünglichen Gebäudes, das am Thurn-und-Taxis-Platz stand, ist ebenfalls fertig. Architekten, Geldgeber und die Stadtverwaltung haben sich hier auf einen für alle Seiten befriedigenden Kompromiss geeinigt, wobei man zugeben muss, dass viele Kunsthistoriker und Restauratoren die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, wenn sie hören, dass das Palais aus Stahlbeton erbaut wurde und nach der Eröffnung Einzelhandel, Gastronomie und ein Kongresszentrum beherbergen soll.

Zu meckern gibt es eben immer irgend etwas. Trotzdem sollten wir uns ab und an darauf besinnen, dass eine nicht perfekte Rekonstruktion besser ist als gar keine Rekonstruktion. Warum soll man die Menschen mit architektonischem Einerlei und heruntergekommenen Nachkriegsfassaden quälen, wenn die andere Option - Fake hin, Fake her - viel reizvoller ist?

Stadtführung mal anders

1. Februar 2009, admin

ReisegruppeStädtereisen sind doch etwas Schönes: Man kann kurzzeitig in eine andere Kultur eintauchen, sich entspannen, seinen Horizont erweitern. Weil man meist nur ein paar Tage bleibt, sollte so ein Trip allerdings gut geplant sein, damit einerseits kein Stress beim Sightseeing aufkommt und andererseits keine Gefahr besteht, dass man, zurück zu Hause, feststellt, dass man die wichtigsten Sehenswürdigkeiten und Events glatt verpasst hat.

Der Haken an der Sache: Eine gewöhnliche Stadtführung, bei der einem die wichtigsten Kirchen, Museen und Schlösser nahe gebracht werden, ist für viele schlicht und einfach zu langweilig, und in Zeiten von Online-Reiseführern und Reise-Blogs auch einfach überflüssig. Der mündige Urlauber gestaltet sich seine Route am liebsten selbst am Laptop oder Handheld-PC.

Was also muss eine Stadtführung bieten, um im Informationszeitalter attraktiv zu bleiben? Die Antwort ist klar: ENTERTAINMENT. Jetzt schreit sicher der eine oder andere laut auf, Kultur dürfe doch nicht kommerzialisiert werden, und schon gar nicht aus dem niederen Beweggrund, dass der Pöbel sich sonst nicht für Kunst und Architektur interessieren würde. Denjenigen, die so denken, muss man jedoch sagen dürfen, dass Unterhaltsamkeit nicht immer Minderwertigkeit bedeutet … was folgende Stadtführungen beweisen.

Rundgang mit dem Nachtwächter

Der Beruf des Nachtwächters war einst von zahlreichen Mythen umrankt, zumal der Mann, der abends die Laternen entzündete und sie morgens wieder losch, in prä-elektrischen Zeiten der einzige war, der sich in der Dunkelheit frei bewegen durfte. Nachtwächter-Führungen werden mittlerweile in zahlreichen Städten angeboten - hier erfährt man Spannendes über einen ausgestorbenen Berufsstand und lernt sein Urlaubsziel aus einer völlig neuen Perspektive kennen.

Geschichtsbezogene Führungen

“Kaiserliches Berlin”, “Hitlers München” oder “Weimar zu Goethes Zeiten”  - solche Namen tragen jene Stadttouren, die sich auf einen bestimmten historischen Aspekt der jeweiligen Stadt beziehen. Hier erfährt man genau jene Dinge über sein Reiseziel, die einen besonders interessieren. Allgemeine touristisch relevante Fakten werden dennoch vermittelt, wenn auch nur am Rande.

City Bike Tour

Gerade im Sommer bietet es sich an, eine Stadt auf dem Fahrrad zu entdecken. Weil man “open air” unterwegs ist, bekommt man einen viel besseren Einblick in den Alltag einer Stadt, ohne sich bei heißen Temperaturen Fuß Kilometer um Kilometer zu Fuß vorwärts zu quälen. Wo es schön ist, verweilt man kurz und lauscht dem Guide, und wenn es einem irgendwo nicht gefällt, tritt man einfach etwas fester in die Pedale …

Klassisch: Weihnachtskonzerte

12. Dezember 2008, admin

Geigenkopf und NotenblattZugegeben: Ein Besuch bei den Philharmonikern ist nichts zwinged urbanes und nicht mal annähernd freaky. Aber es ist Weihnachten und da schalten sogar die wildesten Stadtmenschen einen Gang runter und stimmen sich auf besinnliche Tage ein. Deshalb darf man - auch wenn man sonst zu dröhnenden Electro-Beats im Club abtanzt - während der Feiertage ruhig auch mal so etwas Außergewöhnliches wie einen Konzertbesuch wagen. Und wenn man sich eh schon dazu durchgerungen hat, diesen bewegenden Schritt in Richtung Spießer-Dasein zu tun, dann kann man auch gleich seine Freunde und Familie mit ins Verderben reißen. Karten für ein Weihnachtskonzert sind tatsächlich keine schlechte Idee, wenn man sich noch nicht für ein Präsent entschieden hat.

Deshalb an dieser Stelle einige Konzert-Events zu Weihnachten in den wichtigsten deutschen Städten …

Berlin

25.12.-28.12. “Weihnachtskonzert in Charlottenburg” - Schloss Charlottenburg,  20:30, Karten: 43-82 EUR

Dresden

25.12. “Historia von der Geburt Jesu Christi” - Residenzkapelle, 17:00, Karten: 12 - 16 EUR

Hamburg

25.12. “Weihnachtskonzert” mit den Hamburger Symphonikern - Laeiszhalle, 19:30, Karten: 9 - 44 EUR

Hannover

26.12. “Hänsel & Gretel” nach Humperdinck - Staatsoper, 16:00, Karten: 20 - 62 EUR

Köln

25.12. “Gabor Boldoczki / Kammerakademie Potsdam” - Philharmonie, 20:00, Karten: 10 - 21 EUR

Leipzig

25.-26.12. “Weihnachtskonzert”, Mendelssohn-Saal (Gewandhaus), 20:00, Karten: 15 - 35 EUR

München

26.12. “Der Messias” nach Händel - Allerheiligen-Hofkirche (Residenz), 17:00, Karten: 33 - 53 EUR

Stuttgart

26.12. “Weihnachtskonzert” - Mozartsaal (Liederhalle), 18:00, Karten: 23 - 40 EUR

[Süßer die Glocken nie klingen.]

Disneys Musical Tarzan Tickets buchen.

Umweltzonen in Deutschland

28. November 2008, admin

Endlich saubere Luft in den Innenstädten - das ist das Ziel der neu eingeführten Umweltzonen in den wichtigsten Ballungsräumen der Republik. Doch die Einführung der so genannten Feinstaub-Plakette hat von Anfang an für Protest gesorgt. Einerseits beschweren sich die Halter von alten, nicht-historischen Benzinern, dass sie künftig nicht mehr in die Umweltzonen dürfen, obwohl ihre Wagen gar keinen Feinstaub ausstoßen (dieser kommt prinzipiell nur bei Diesel-Fahrzeugen aus dem Auspuff). Andererseits sind die Halter von Autos, die mit Dieselmotoren betrieben werden und mangels Rußpartikel-Filter nur eine gelbe oder rote Plakette bekommen, verärgert, weil auch neuere Kfz davon betroffen sind.

Ob man sich nun ein neues Auto zulegt, oder einfach nicht mehr mit dem alten in die Stadt fährt, muss jeder selbst entscheiden. Wichtig ist nur, dass man weiß, wo man besser genau aufs Schild kuckt.

Augsburg, Berlin, Bochum, Dortmund, Düsseldorf,  Essen, Frankfurt, Hannover, Ilsfeld, Köln, Leonberg, Ludwigsburg, Mannheim, Mühlacker, München, Pforzheim, Regensburg, Reutlingen, Schwäbisch-Gmünd, Stuttgart, Tübingen und ab 1.1.09 Nürnberg

 

Lonely Planet Portable

30. Oktober 2008, admin

Nachdem Nintendo mit Wii Sports und den Logikspielen für den DS bewiesen hat, dass Konsolenspiele nicht nur etwas für pubertierende Jugendliche sind, hat auch Sony verstanden, dass man sich eine neue Klientel erschließen muss, will man seine Unterhaltungselektronik auf Dauer erfolgreich am Markt platzieren.

Ein Resultat dieser Entwicklung ist die Kooperation zwischen PSP (Playstation Portable) und dem Lonely Planet Reiseführer. Mit “Passport to …” kann man interaktiv auf Stadterkundungstour gehen, ohne sich mit einem zerfledderten Buch rumschlagen zu müssen. Eine Stadt pro UMD-Modul (so heißen die Tapes bei der PSP), mit Straßenkarten, Sehenswürdigkeiten, Audio-Tipps, und allem, was das City Traveller Herz sonst noch so begehrt.

Schade ist nur, dass die Lonely Planet Reiseführer für die tragbare Mini-Playstation nur für sechs Städte zu haben sind. Als das Produkt vor zwei Jahren herausgegeben wurde, waren es auch nur diese sechs, nämlich Amsterdam, Barcelona, London, Prag, Paris und Rom. Das Versprechen, bald würden auch andere Metropolen, wie New York und Berlin, folgen, hat der Hersteller bisher noch nicht wahrgemacht …

 

Bahnboykott

31. August 2008, admin

Die Bahn wird schon wieder teurer, zumindest war es so in den letzten Tagen den Medien zu entnehmen. Gestiegene Kosten, Modernisierungsmaßnahmen - blablabla - sind die angeblichen Gründe für die Preiserhöhung und die Entscheidung, künftig für Ticketkäufe am Schalter eine Extra-Gebühr zu verlangen.

Dabei gibt es doch mittlerweile genug andere Möglichkeiten von A nach B zu kommen. Ich, der schon seit Jahren keinen Fuß mehr in einen Zug der Bahn gesetzt hat - mal abgesehen vom öffentlichen Nahverkehr - möchte Euch daher ein paar Tipps geben, wie Ihr echte “Mobility” erleben könnt, ohne auf die Abzocke von Mehdorn & Co. hereinzufallen. Und ohne in Euer eigenes Auto zu steigen.

1. Flugzeug

Um zwischen Großstädten hin und her zu pendeln, hat sich der Luftweg in den letzten Jahren, trotz gestiegener Ticketpreise, als schnelle, günstige und komfortable Alternative zur Bahn erwiesen. Hat man genug Vorlauf und ist flexibel, was die genaue Abflugzeit betrifft, kommt man mit den Sonderangeboten von Lufthansa, Germanwings, AirBerlin und TuiFly meist für unter 100 EUR von der einen Metropole in die andere, und das bei Weitem nicht nur innerdeutsch. Wer Sorgen bezüglich des Klimaschutzes hat, lasse sich sagen, dass ein vollbesetzter Jet bestimmt nicht schlimmer für die CO2-Bilanz ist als ein leerer ICE, wie sie im Stundentakt durchs Land sausen.

2. Bus

Größere Strecken mit dem Bus hinter sich zu bringen, hat vor allem unter Deutschlands Einwanderern Tradition. Weil es schon vor Jahrzehnten die günstigste Variante war, nach Spanien, Portugal oder in Richtung Balkan zu kommen, haben sich viele Unternehmen wie die Deutsche Touring auf die Gastarbeiter-Klientel spezialisiert. Mittlerweile sind viele andere nachgezogen und man kommt z.B. mit dem BerlinLinienBus für unter 50 EUR oneway von München in die Bundeshauptstadt.

3. Mitfahrgelegenheit

Mein persönlicher Favorite, denn man ist fast immer schneller als die Bahn, oft sogar schneller als mit dem Flugzeug (zumindest innerdeutsch). Und mit den 25 Euro Fahrtkosten von Köln nach Hamburg kann auch das Dauer-Spezial der Bahn nicht mithalten. Großes Plus: Die Mitfahrgelegenheit sind über die entsprechenden Internetseiten in Hülle und Fülle verfügbar (oft auch kurzfristig) und obendrein lernt man dabei auch fast immer nette Leute kennen … 

16 Länder, 16 Ladenöffnungszeiten.

15. August 2008, admin

Es hat ja etwas für sich, dass Deutschlands Bundesländern seit einiger Zeit mehr politische Kompetenzen zugestanden werden. So können die jeweiligen Regierungen näher am Bürgerwillen agieren und sich flexibel auf regionale Bedürfnisse einstellen. Nun mag man meinen, diese könnten ja so unterschiedlich nicht sein, schließlich bleibt Deutschland noch immer Deutschland, und trotz unterschiedlicher Mentalitäten sind wir doch alle gar nicht so anders. Oder?

Zumindest beim Einkaufen scheinen die Geschmäcker dann aber doch ganz schön aus einander zu gehen, denn nachdem letztes und vorletztes Jahr fast alle Länder ihre Ladenöffnungszeiten neu reguliert haben, schließen die Geschäfte von Nord nach Süd und von Ost nach West zu komplett unterschiedlicher Stunde ihre Pforten.

Bayern: Wie sollte es anders sein - hier gilt das konservativste Gesetz Deutschlands. Mo-Sa bis 20 Uhr. An Sonntagen bleibt (fast) immer geschlossen. Doch es gibt bereits Initiativen, mit diesem Missstand endlich aufzuräumen.

Baden-Württemberg: Mo - Sa darf rund um die Uhr geöffnet werden. An Sonntagen wird grundsätzlich nicht verkauft.

Berlin: Mo - Sa gibt es keine Regulierungen von staatlicher Seite. 10 Mal pro Jahr darf auch an Sonntagen geöffnet werden (bis 20 Uhr).

Brandenburg: Mo - Sa kann man rund um die Uhr shoppen. An den 6 verkaufsoffenen Sonntagen im Jahr darf ebenfalls 24 Stunden lang geöffnet werden.

Bremen: Auch hier kann von Mo - Sa grenzenlos eingekauft werden. Sonntags bleibt geschlossen.

Hamburg: Die Hansestadt hat auch schon in der Vergangenheit mit sehr liberalen Ladenöffnungszeiten geglänzt. Unter der Woche darf nun unbegrenzt geöffnet bleiben, in St. Pauli (Reeperbahn und Umgebung) können Händler eine Ausweitung auf den Sonntag beantragen. Ein Highlight in Hamburg ist, dass Friseure sonntags grundsätzlich arbeiten dürfen.

Hessen: Auch hier unterliegen Kunden und Händler von Mo - Sa keinerlei Einschränkungen. Sonntage können bei “besonderem Bedarf” (Festtage, Touristische Events) auf Antrag freigegeben werden.

Mecklenburg-Vorpommern: Mo - Fr darf rund um die Uhr geöffnet werden, Sa bis 22 Uhr. Sonntags prinzipiell geschlossen.

Niedersachsen: Mo - Sa gibt es keine Öffnungszeitenbeschränkung. Sonntags bleiben die Geschäfte zu.

Nordrhein-Westfalen: An Werktagen gibt es keinerlei Einschränkungen in Sachen Öffnungszeiten. Zudem sind jährlich 4 verkaufsoffene Sonntage erlaubt.

Rheinland-Pfalz: Das traditionsverhaftete Bundesland konnte sich nur zu einer Erweiterung der bestehenden Ladenöffnungszeiten durchringen. Mo - Sa bis 22 Uhr. Sonntag zu.

Saarland: Wie in Bayern müssen alle Läden an Werktagen um 20 Uhr schließen, nur 1 Mal im Jahr um 24 Uhr. Am Sonntag darf generell nicht eingekauft werden. Ausnahme: Kur- und Wallfahrtsorte.

Sachsen: Mo - Sa darf bis 22 Uhr Stunden eingekauft werden, zusätzlich 4 Mal im Jahr auch am Sonntag von 12 - 18 Uhr.

Sachsen-Anhalt: Mo - Fr rund um die Uhr, Sa bis 20 Uhr. Vier verkaufsoffene Sonntag mit jeweils 5 Stunden.

Schleswig-Holstein: Mo - Sa gibt es keine Beschränkungen. Viele Ausnahmen für Sonntage sorgen auch hier für liberales Einkaufsvergnügen.

Thüringen: Rund um die Uhr einkaufen geht von Mo - Sa. Ausnahmsweise sind auch die Sonntage freigegeben.

 

Spree-Ufer gerettet?

6. August 2008, admin

Party-Crowd in Kreuzberg-FriedrichshainAm 13. Juli haben die Berliner darüber abgestimmt, ob das Spreeufer im Bezirk Kreuzberg-Friedrichshain künftig im Rahmen eines groß angelegten Investitionsprogramms zur Büro- und Hotelzone umgebaut werden soll. Die Mehrheit hat gegen das Projekt “mediaspree” gestimmt, denn viele fürchten, dass das einzigartige Flair, für das die brach liegenden Industriegelände am Wasser bekannt sind, dann für immer passé sein wird.

Momentan steigen am Ufer der Spree noch regelmäßig Open-Air-Parties, man kann an aufgeschütteten Stränden chillen und mit einem kühlen Bierchen in der Hand den vorbeifahrenden Touri-Dampfern zuwinken. Dass damit bald Schluss sein soll, will die Hauptstadt-Szene jedoch nicht akzeptieren - man initiierte ein Bürgerbegehren und gewann.

Problem: Erstens ist das Abstimmungsergebnis nicht bindend. Zweitens wäre ”mediaspree” wichtig für die Schaffung neuer Arbeitsplätze, die in Berlin ohnehin Mangelware sind. Außerdem sieht das Projekt vor, dass die Spree nach Abschluss der Bauarbeiten beiderseitig von einer Promenade gesäumt sein soll, die dann jedem Bürger zugänglich wäre - und nicht nur der Eintritt zahlenden Partycrowd.

Das Argument der “mediaspree”-Gegner leuchtet dennoch ein, denn Büroräume braucht die Hauptstadt momentan tatsächlich nicht. Der Leerstand in jenen Prestigebauten, die in den letzten Jahren fertiggestellt worden sind, ist noch immer enorm, was den Sinn eines neuen Glas-und-Stahl-Viertels fragwürdig erscheinen lässt.

Außerdem ist es doch der Mix aus alt und neu, schön und hässlich, prunkvoll und chaotisch, der Berlin bisher seinen speziellen Charakter verliehen hat. Retorten-Cities haben wir schon genug …  

Rauchen erlaubt!

30. Juli 2008, admin

Hinweisschild für RaucherclubsDa hat der eine oder andere Raucher aber ausnahmsweise mal aufgeatmet anstatt eingeatmet - das Bundesverfassungsgericht hat am 30. Juli bekannt gegeben, dass die Nichtraucherschutz-Gesetze von Berlin und Baden-Württemberg nicht grundgesetzkonform seien, weil sie eine Wettbewerbsverzerrung zum Nachteil kleiner Gastronomiebetriebe darstellten. Wenige Stunden bereits zog es Hunderttausende in ihre ehemalige Stammkneipe aus pränikotinophoben Zeiten, die sich dort sogleich provokativ eine anzündeten. Die jeweiligen Regierungen verkündeten eine vorübergehende Aufhebung der gesetzlichen Bestimmungen, bis die Lage entsprechend der Vorgaben des BVerfG neugeregelt sei.

Paradoxerweise wurde der Nichtraucherschutz in Bayern nicht kritisiert, wohl weil im Freistaat ein absolutes Rauchverbot herrscht. Dass dieses mittlerweile nur noch auf dem Papier existiert, weiß jeder, der in den letzten Monaten in München, Nürnberg, Würzburg oder Passau eine Kneipentour gemacht hat. Allzu oft wird man an der Tür nach einer Mitgliedskarte gefragt - nein, das hat nichts mit der ausgeprägten Vereinskultur der Süddeutschen zu tun - und kaum betritt man den Laden, kommt einem schon der wohlbekannte Geruch entgegen, der kurz nach Beginn des Jahres 2007 für einige Wochen verschwunden gewesen ist.

Das Wort Raucherclub hat sich im bayerischen Wortschatz bereits seinen Platz gesichert. Und auch das typische blaue Schild mit der weißen Zigarette ist sicher nicht zufällig an die Farbgebung der Bajuwarenflagge angelehnt.

Und mal wieder haben wir dem Rest von Deutschland gezeigt, dass wir den Schutz unserer Bürger besonders ernst nehmen ;-)

Obama in Berlin

28. Juli 2008, admin

Für uns ist er ja schon fast Präsident: Barack Obama, der Demokratische Senator aus Illinois, der bei den nächsten US-Wahlen antritt, um George W. Bush im höchsten Amt der Vereinigten Staaten abzulösen.

Dass GWB - die Amis geben ihren verflossenen “Leaders” ja gerne ein Initialkürzel - nicht mehr antreten darf, ist für uns in Europa (zum großen Teil) eine Erleichterung. Obwohl es uns an sich nichts angeht, hat wohl jeder von uns sein ganz eigenes Bild von Amerika, das ursprünglich sehr oft positiver ausgefallen ist als jenes von unserem eigenen Land. Von Kindheit an geprägt durch Fernsehserien, in denen Weiße und Schwarze friedlich in derselben Nachbarschaft leben, durch Filme, in denen sich Benachteiligte zusammentun um ihr Recht vor einer ehrfurchterbietenden Justiz zu erstreiten, und durch Geschichten, die uns zeigen, das Kriegsfeindschaft dadurch beendet werden kann, dass die Sieger den Besiegten die Hand reichen um ihnen ein besseres Leben zu ermöglichen, obwohl sie selbst zuvor versucht haben, die ganz Welt zu unterjochen.

Das Weiße Haus

Dann kam der Mann, der plötzlich ganz augenscheinlich einzig und allein die Interessen Amerikas vertrat. Und wir moquierten uns darüber, wie jemand Präsident eines demokratischen Landes werden kann, obwohl die Mehrheit der Bürger einem anderen Mann ihre Stimme gegeben hat. Doch geben wir’s zu: Auch ein Präsident Obama wird nur dem Auftrag folgen, der ihm kraft seines Amtes zusteht, und nur dann unserer Meinung sein, wenn diese in seiner Heimat ebenfalls gut ankommt. Und wahrscheinlich würde keiner von uns Kritik üben, wenn das erste afrikanischstämmige Staatsoberhaupt der USA nur deshalb gewinnt, weil er die meisten Electoral Votes erlangt ohne die absolute Mehrheit der abgegebenen Stimmen zu erhalten.

Außerdem dürfen die Leute, die Obamas Rede in Berlin vernommen und gedacht haben, “Mensch, endlich wieder ein Präsident, der auch uns schätzt,” nicht vergessen, dass der Grund für seinen spektakulären Auftritt an der Siegessäule vor allem im Imagegewinn zu Hause gelegen hat. Dass er von uns gemocht werden will, könnte schlicht und einfach daran liegen, dass Amerikas Bürger es satt sind, sogar von ihren politischen Verbündeten kritisch beäugt zu werden. Ein Kandidat, der zeigt, dass sie mit ihm wieder als globale Vorbilder gelten würden, deren Werte und Lebensstil als fortschrittlich und respektabel gelten, hat einfach größere Chancen gewählt zu werden.

Aus dieser Perspektive erscheint der Deutschland-Besuch von Barack Obama in einem ganz anderen Licht, nämlich jenem einer propagandistischen Wahlkampf-Kultur, die die meisten von uns verachten - haben wir doch unsere ganz eigenen Erfahrungen mit deren Wirkungsweise gemacht. Und auch die Schelte von Konkurrent McCain, dessen Sprecher sich öffentlich über die “kriecherischen” Deutschen ausgelassen hat, die zu Hunderttausenden auf die Straße des 17. Juni geströmt sind, wirkt aus dieser Perspektive gar nicht mehr so beleidigend. Schließlich war auch die Bundeskanzlerin etwas irritiert über den Hype, der um jemanden gemacht wird, der (noch) kein international relevantes Amt innehat (Quelle: spiegel.de)

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