Olympia? Ohne mich.
27. Juli 2008, admin
Eigentlich wussten es alle von Anfang an: Die Olympiade in Peking würde keinerlei positiven Einfluss auf den Regierungsstil der chinesischen Führung haben. Wie naiv musste man sein, um den Versprechungen des IOC Glauben schenken zu können? Welchen Einfluss sollte ein Sportbund, egal wie groß und angesehen, auf eine Quasi-Weltmacht haben, die sich prinzipiell jeden Einflusses von außen verwehrt?
In China gehört es seit jeher zur Staatsdoktrin, dass innere Vorgänge, wie Volksaufstände und deren Niederschlagung im offiziellen Jargon des Reichs der Mitte genannt werden, niemanden etwas angehen, außer die Regierung selbst. Die ist nicht nur ein Symptom der Parteidiktatur - es ist einer ihrer wesentlichen Eigenschaften.
Wenn auch nicht viele Tibeter einen Internetzugang haben mögen - manche haben ihn. Wenn auch nicht jeder Uigure weiß, was ein Blog ist - manche wissen es. Wenn auch nicht jeder Chinese sich für den chinesischen Wikipedia-Artikel zum Dalai Lama interessiert - manche interessiert es. Damit es nur wenige bleiben, hat sich die chinesische Führung bisher ganz schön ins Zeug gelegt. Wieso sollten sie nun all die Mühen umsonst gewesen sein lassen?
Es ist von vornherein klar gewesen, dass Zensur ebenso wichtig für die Macht der KP ist wie das Prinzip der Nichteinmischung. Also warum hat man nicht gleich verstanden, dass Beijing 2008 vor allem des Herrschaftsanspruch des Regimes untermauern soll. Die Machthaber werden sich im Glanz der fünf Ringe suhlen, wenn am 8. August die Eröffnungszeremonie beginnt und ganz China (aber eben nur China) erfährt, dass sie es sind, die ihrer Heimat zu internationalem Ruhm verhelfen können.
Deshalb werde ich mir die Spiele nicht ansehen. Und jeder, der nicht möchte, dass die Parteibonzen hinterher auch noch behaupten können, sie hätten die medienwirksamsten Spiele aller Zeiten auf die Beine gestellt, sollte das selbe tun.