Islam-Unterricht in Münchner Grundschulen

29. November 2008, admin

Islam wird nun auch in Münchner Grundschulen gelehrtReligionsunterricht gehört in Bayern zu den Pflichtfächern in allen Schulformen. Doch gerade in den Großstädten München und Nürnberg existieren Schulen, die aufgrund ihrer Lage in mehrheitlich von Einwanderern bewohnten Vierteln viele Kinder weder katholisch noch evangelisch sind, sondern dem Islam angehören. Die Jahrzehnte, in denen man sich dieser Entwicklung verschloss und hinnahm, dass die Schüler standardmäßig in den eigentlich als Ersatzfach gedachten Ethikunterricht gingen, sollten nun vorbei sein. Denn muslimischer Religionsunterricht war bis dahin nur extern, und in der Regel nur in türkischer Sprache angeboten worden.

Deshalb ist vor zwei Monaten in zwei Münchner Grundschulen ein Pilotprojekt gestartet, in dem Kinder aus muslimischen Familien nun auf Deutsch in ihrer Religion geschult werden. Anders als in Koranschulen geht es hier nicht um das Auswendig-Lernen einzelner Suren und eine Unterweisung durch einen Imam - stattdessen werden, wie in den christlichen Fächern auch, durch einen zugelassenen Lehrer wesentliche Grundlagen vermittelt, damit die Kinder sich spielerisch in ihrer Religion zurecht zu finden lernen.

Der positve Nebeneffekt ist sicherlich auch die Tatsache, dass Kinder wie Eltern, wenn sie sehen, dass ihre Kultur nach und nach ihren Platz im deutschen Bildungswesen findet, eher einen Anreiz finden, sich in ihrer neuen Heimat zu integrieren. 

Bayern: Viel Rauch um nichts

19. November 2008, admin

AschenbecherAls die CSU bei der bayerischen Landtagswahl im September eine gehörige Watsch’n eintstecken musste, war schnell klar: Die Raucher haben sich gerächt. Dies mag insofern übertrieben sein, als dass die Christdemokraten ja nicht nur beim Gesundheitsschutz einiges verbockt haben, sondern auch in der Bildungspolitik, außerdem hat das vermeintliche Dream-Team Beckstein & Huber von Beginn an nicht die Aufbruchsstimmung aufkommen lassen, die man sich vom Machtwechsel innerhalb der Partei versprochen hatte.

Trotzdem: Raucher, Gastronomen und wohl auch der eine oder andere Nichtraucher fühlen sich in ihrer Meinung bestätigt, dass der Möchtegern-Gesundheitsschutz der vergangenen 11 Monate bald novelliert wird. “Möchtegern” deshalb, weil schon wenige Wochen nach Inkrafttreten des aktuellen Gesetzes jede zweite Kneipe zum Raucher-Club wurde, in denen - man mag es nicht glauben - immer wieder auch Nichtraucher auftauchten, die sich aus Solidarität mit ihren qualmenden Freunden gern in den blauen Dunst gesellten.

Gemäß dem Koalitionsvertrag von CSU und FDP (Download hier) wird der Nichtraucherschutz in Bayern künftig folgendermaßen geregelt.

 

“In Gaststätten mit mehreren Räumen darf ein Raum als Raucherraum eingerichtet werden. In kleineren Einraumgaststätten darf geraucht werden, sofern die Gaststätte als Raucherlokal gekennzeichnet ist. In Bier-, Wein- und Festzelten (…) ist das Rauchen zulässig. In Diskotheken (…) ist das Rauchen in einem Nebenraum gestattet, sofern Minderjährige keinen Zutritt haben und sich im Raucherraum keine Tanzfläche befindet.”

Über Raucherclubs wird in der Vereinbarung nichts gesagt, allerdings muss man davon ausgehen, dass es diese nicht mehr geben wird, sobald dieser Entwurf gültiges Recht wird. Schade für die Diskotheken, die extra einen Verein gegründet und sich teure Gerätschaften zur Mitglieder-Identifikation angeschafft haben.

 

 

Hofbräuhaus Las Vegas

3. November 2008, admin

Hofbräuhaus Las VegasEgal, was die Welt an Kuriositäten zu bieten hat - Las Vegas kopiert sie. Die Replik der New Yorker Freiheitsstatue befindet sich ebenso in der Zockermetropole wie der Canale Grande, somit ist es kein Wunder, dass die wohl berühmteste Bierhalle Deutschlands, das Hofbräuhaus, ebenfalls in Vegas vertreten ist.

Die Fassade des Bavarian Restaurant ist jener des Münchner Originals fast bis aufs Detail nachempfunden und auch im Inneren erinnert vieles an das Vorbild des “Hoefbrawhaws” wie es in Übersee ausgesprochen wird. Laut offizieller Bekanntgabe werden fast alle Produkte der Kultgaststätte - ebenso wie ein Großteil der EInrichtung - aus bayerischen Landen importiert, nichtsdestotrotz merkt man immer noch, dass man sich in Amerika befindet.

Da wären zum Einen die Ketchup- und Senf-Flaschen an jedem Tisch. Auch die Tatsache, dass Weißwürste hier gebraten serviert werden, zeigt einem unmissverständlich, dass dies nicht die Heimat sein kann. Wie man sich fühlt, wenn der Herr am Nebentisch schließlich die besagte Senf- und Ketchup-Flasche nacheinander auf der gebratenen Weißwurst entleert, brauche ich wohl nicht mehr weiter zu erläutern. Nur eines sei Euch gesagt: Geht in Nevada lieber zu Wendy’s, da weiß man wenigstens, was man hat.

Bavarian Burger

11. Oktober 2008, admin

Man bekommt ihn fast überall und kann ihn auch an jedem Ort verspeisen - welches Gericht könnte urbaner sein als der Burger? Und ebenso großstadtverbunden ist die Tatsache, dass jede Metropole dieser Welt ihre ganz eigene Version vom Hackschnitzel im Brötchen präsentieren kann.

Was in Chicago der Cheeseburger und in Athen das Bifteki, ist in München die “Fleischpflanzerlsemmel”. Wer jetzt völlig verdutzt vorm Bildschirm sitzt und sich wundert, wieso ich hier nicht die Berliner Bulette präsentiere, der lasse sich sagen, dass die bayerische Frikadelle einfach besser schmeckt. Wer’s nicht glaubt, probiert’s am Besten selber aus. Hier das Rezept für Bavarian Burger

Zutaten für zwei Burger

2 frische Brötchen

250g gemischtes Hackfleisch 

1 Scheibe trockenen Toast/Weißbrot

5 Esslöffel Milch

1 großes Ei

1/2 Bund Petersilie

Salz und Pfeffer

Schweineschmalz zum Ausbacken (klingt eklig, ist aber lecker)

Senf

Meerettich

Zubereitung

Die Toastscheibe in Milch einlegen, bis sie schön weich ist. Dann in Stücke zupfen und zum Hackfleisch geben. Mit Salz, Pfeffer, Petersilie würzen, dann das Ei dazu und so lange durchkneten, bis das Ganze schön durchgemischt und das Brot nicht mehr sichtbar ist. Dann lässt man das Fleischbrät ca. 30 Minuten durchziehen.

Ist die halbe Stunde vorüber, wird die Pfanne mit dem Schweineschmalz erhitzt. Währenddessen formt man aus dem Hack-Gemisch zwei runde flache “Pflanzerl”, wie die Frikadelle auf Bairisch heißt. Von jeder Seite 3-5 Minuten brutzeln, zur gleichen Zeit kann man schon mal die Brötchen halbieren und je eine Seite mit Senf und die andere mit Meerrettich bestreichen. Fleisch drauf, zuklappen und fertig ist die Fleischpflanzerlsemmel aka Bavarian Burger.

An Guad’n!

Bayern aufs Brot

25. August 2008, admin

Wer einen Bayern fragt, wo er denn am liebsten seinen Sommer verbringt, dann antwortet dieser garantiert: “Im Biergarten.” Die Frage, was er dort vorzugsweise trinkt, erübrigt sich, doch bei der Brotzeit scheiden sich die Geister, zumal die Vielfalt an deftigen Köstlichkeiten im Bajuwarenland schier unendlich zu sein scheint. Eine fehlt fast nie: der Obatzte - die wohl leckerste Käsepampe der Welt.

Zutaten

150 g vollreifer (!) Camembert

100 g vollreifer Romadur oder Limburger

100 g weiche Butter

2 Esslöffel Frischkäse

2 Teelöffel Kümmel

1 Teelöffel Paprikapulver

1-2 Zwiebeln

1 Bund Schnittlauch

Salz und Pfeffer

Den Käse grob in Stücke schneiden und zusammen mit dem Frischkäse zur Butter geben. Paprikapulver, Salz und Pfeffer dazu und alles mit einer Gabel so lange zerdrücken, bist eine sämige Masse entsteht (diese darf, je nach Geschmack auch etwas grober sein).

Die Zwiebeln sehr fein hacken, den Kümmel etwas andrücken und beides zum Brei geben. Nochmal drücken und rühren.

Jetzt muss nur noch der gehackte Schittlauch drauf, und fertig ist der Obatzte.

 

16 Länder, 16 Ladenöffnungszeiten.

15. August 2008, admin

Es hat ja etwas für sich, dass Deutschlands Bundesländern seit einiger Zeit mehr politische Kompetenzen zugestanden werden. So können die jeweiligen Regierungen näher am Bürgerwillen agieren und sich flexibel auf regionale Bedürfnisse einstellen. Nun mag man meinen, diese könnten ja so unterschiedlich nicht sein, schließlich bleibt Deutschland noch immer Deutschland, und trotz unterschiedlicher Mentalitäten sind wir doch alle gar nicht so anders. Oder?

Zumindest beim Einkaufen scheinen die Geschmäcker dann aber doch ganz schön aus einander zu gehen, denn nachdem letztes und vorletztes Jahr fast alle Länder ihre Ladenöffnungszeiten neu reguliert haben, schließen die Geschäfte von Nord nach Süd und von Ost nach West zu komplett unterschiedlicher Stunde ihre Pforten.

Bayern: Wie sollte es anders sein - hier gilt das konservativste Gesetz Deutschlands. Mo-Sa bis 20 Uhr. An Sonntagen bleibt (fast) immer geschlossen. Doch es gibt bereits Initiativen, mit diesem Missstand endlich aufzuräumen.

Baden-Württemberg: Mo - Sa darf rund um die Uhr geöffnet werden. An Sonntagen wird grundsätzlich nicht verkauft.

Berlin: Mo - Sa gibt es keine Regulierungen von staatlicher Seite. 10 Mal pro Jahr darf auch an Sonntagen geöffnet werden (bis 20 Uhr).

Brandenburg: Mo - Sa kann man rund um die Uhr shoppen. An den 6 verkaufsoffenen Sonntagen im Jahr darf ebenfalls 24 Stunden lang geöffnet werden.

Bremen: Auch hier kann von Mo - Sa grenzenlos eingekauft werden. Sonntags bleibt geschlossen.

Hamburg: Die Hansestadt hat auch schon in der Vergangenheit mit sehr liberalen Ladenöffnungszeiten geglänzt. Unter der Woche darf nun unbegrenzt geöffnet bleiben, in St. Pauli (Reeperbahn und Umgebung) können Händler eine Ausweitung auf den Sonntag beantragen. Ein Highlight in Hamburg ist, dass Friseure sonntags grundsätzlich arbeiten dürfen.

Hessen: Auch hier unterliegen Kunden und Händler von Mo - Sa keinerlei Einschränkungen. Sonntage können bei “besonderem Bedarf” (Festtage, Touristische Events) auf Antrag freigegeben werden.

Mecklenburg-Vorpommern: Mo - Fr darf rund um die Uhr geöffnet werden, Sa bis 22 Uhr. Sonntags prinzipiell geschlossen.

Niedersachsen: Mo - Sa gibt es keine Öffnungszeitenbeschränkung. Sonntags bleiben die Geschäfte zu.

Nordrhein-Westfalen: An Werktagen gibt es keinerlei Einschränkungen in Sachen Öffnungszeiten. Zudem sind jährlich 4 verkaufsoffene Sonntage erlaubt.

Rheinland-Pfalz: Das traditionsverhaftete Bundesland konnte sich nur zu einer Erweiterung der bestehenden Ladenöffnungszeiten durchringen. Mo - Sa bis 22 Uhr. Sonntag zu.

Saarland: Wie in Bayern müssen alle Läden an Werktagen um 20 Uhr schließen, nur 1 Mal im Jahr um 24 Uhr. Am Sonntag darf generell nicht eingekauft werden. Ausnahme: Kur- und Wallfahrtsorte.

Sachsen: Mo - Sa darf bis 22 Uhr Stunden eingekauft werden, zusätzlich 4 Mal im Jahr auch am Sonntag von 12 - 18 Uhr.

Sachsen-Anhalt: Mo - Fr rund um die Uhr, Sa bis 20 Uhr. Vier verkaufsoffene Sonntag mit jeweils 5 Stunden.

Schleswig-Holstein: Mo - Sa gibt es keine Beschränkungen. Viele Ausnahmen für Sonntage sorgen auch hier für liberales Einkaufsvergnügen.

Thüringen: Rund um die Uhr einkaufen geht von Mo - Sa. Ausnahmsweise sind auch die Sonntage freigegeben.

 

Shopping unterm Gucci-Schleier

8. August 2008, admin

Alle Jahre wieder … tummelt sich Arabiens Upper-Class in Europa um dem unerträglichen heißen Klima in der Heimat zu entfliehen. München zählt definitiv zu den bevorzugten Zielen der reichen Saudis, Omanis und Dubaitis - ausgezeichnete Krankenhäuser, schicke Boutiquen und der vergleichsweise konservative Lifestyle der katholischen Metropole locken die Petro-Millionäre scharenweise in Bayerns Hauptstadt.

Nach London, Paris oder gar Amsterdam trauen sich viele Araber längst nicht mehr - zu gefährlich, zu verrucht, zu freizügig, um die eigenen Töchter dort allein auf die Straße zu schicken. Das selbe gilt für die amerikanischen Großstädte, wobei hier noch das Gefühl hinzukommt, als strenggläubiger Muslim nicht willkommen zu sein. Ganz anders in München: Ungeachtet der innenpolitischen Debatten, ob bayerische Lehrerinnen mit Kopftuch unterrichten sollen und wie hoch die Minarette einer deutschen Moschee sein dürfen, zeigen die Süddeutschen sich im Sommer von ihrer weltoffenen Seite. Getreu dem Motto “Mir san mir - und ihr seids ihr” scheinen die innerhalb Deutschlands als altmodisch und traditionsgestört verschrienen Bajuwaren in der arabischen Klientel ihr orientalisches Pendant gefunden zu haben: in jeder Hinsicht obenauf, aber völlig unterschätzt.

Da erscheinen die Sommer für Sommer wiederkehrenden Straßenszenen, in denen ganze Kolonnen von tiefverschleierten Frauen durch die Maximilianstraße schlendern, um Münchens Edel-Einkaufsmeile leerzukaufen, gar nicht mehr so bizarr, wie man auf den ersten Blick meinen möchte. Geld regiert die Welt, und so erklärt sich auch, dass das Kopftuch plötzlich nicht mehr das Zeug zum Zankapfel hat, sobald sich ein Gucci-, Fendi- oder Ferré-Emblem darauf befindet. In puncto Selbstbewusstsein können die Wüstenprinzessinen ohnehin locker mit den weitaus leichter bekleideten Europäerinnen mithalten, die sich - mangels entsprechender Körpermaße - allzu oft lächerlich machen, wenn sie bauchfrei durch Münchens Straßen schlendern.

Kein Wunder also, dass alle Blicke auf die verhüllten Damen gerichtet sind, deren verspiegelte Armani-Sonnebrillen in Kombination mit den züchtigen Outfits die Fantasie der Männer eher anregen, als sie abzutöten. Die junge Generation der Nahost-Touristinnen scheint sehr wohl zu wissen, welchen Effekt sie erzeugen, wenn sie sich den Schleier zurechtrücken, und dabei, sei es aus Versehen oder nicht, etwas von ihrem Antlitz preisgeben, um es dann fluchs wieder zu verbergen.

Die Münchner selbst genießen indes die Gewissheit, dass ihre Gastfreundschaft sich nicht nur finanziell auszahlt, sondern zur Völkerverständigung beiträgt. Schließlich freuen wir uns doch alle, wenn ein Deutschland-Besucher nach Hause zurückkehrt, und, möge seine Heimat noch so fremd sein, davon schwärmt, wie schön, sicher und freundlich “der Westen” ist.

Rauchen erlaubt!

30. Juli 2008, admin

Hinweisschild für RaucherclubsDa hat der eine oder andere Raucher aber ausnahmsweise mal aufgeatmet anstatt eingeatmet - das Bundesverfassungsgericht hat am 30. Juli bekannt gegeben, dass die Nichtraucherschutz-Gesetze von Berlin und Baden-Württemberg nicht grundgesetzkonform seien, weil sie eine Wettbewerbsverzerrung zum Nachteil kleiner Gastronomiebetriebe darstellten. Wenige Stunden bereits zog es Hunderttausende in ihre ehemalige Stammkneipe aus pränikotinophoben Zeiten, die sich dort sogleich provokativ eine anzündeten. Die jeweiligen Regierungen verkündeten eine vorübergehende Aufhebung der gesetzlichen Bestimmungen, bis die Lage entsprechend der Vorgaben des BVerfG neugeregelt sei.

Paradoxerweise wurde der Nichtraucherschutz in Bayern nicht kritisiert, wohl weil im Freistaat ein absolutes Rauchverbot herrscht. Dass dieses mittlerweile nur noch auf dem Papier existiert, weiß jeder, der in den letzten Monaten in München, Nürnberg, Würzburg oder Passau eine Kneipentour gemacht hat. Allzu oft wird man an der Tür nach einer Mitgliedskarte gefragt - nein, das hat nichts mit der ausgeprägten Vereinskultur der Süddeutschen zu tun - und kaum betritt man den Laden, kommt einem schon der wohlbekannte Geruch entgegen, der kurz nach Beginn des Jahres 2007 für einige Wochen verschwunden gewesen ist.

Das Wort Raucherclub hat sich im bayerischen Wortschatz bereits seinen Platz gesichert. Und auch das typische blaue Schild mit der weißen Zigarette ist sicher nicht zufällig an die Farbgebung der Bajuwarenflagge angelehnt.

Und mal wieder haben wir dem Rest von Deutschland gezeigt, dass wir den Schutz unserer Bürger besonders ernst nehmen ;-)

München: Zucht und Ordnung im E-Garten

27. Juli 2008, admin

In München ist die Welt noch in Ordnung: Kaum vollgeschmierte Häuserfassaden, keine Bettler-Mafia, auch eine offene Drogenszene sucht man hier vergebens, genauso wie schlägernde Jugendbanden. Wenn überhaupt, dann muss man sich hier und da mal über einen überquellenden Mülleimer ärgern, aber immerhin haben wir an jeder Ecke einen, ganz im Gegensatz zu vielen anderen deutschen Metropolen.

Der bayerischen Staatsregierung ist das freilich nicht genug - im Vergleich zum Rest des Freistaats ist die Landeshauptstadt nämlich ein regelrechter Sündenpfuhl. Vor allem der Englische Garten. Denn da wimmelt es geradezu von Fahrrad-Rowdies, Hunde-nicht-an-die-Leine-Nehmern, Müll-Liegenlassern und - ja, sogar das gibt es im konservativen Süden - eingefleischten FKK-Anhängern. Wenigstens die Nudisten sind vom neuen Landesstraf- und Verordnungsgesetz ausgenommen, das heißt, ihnen droht gemäß der neuen Gebührenordnung keine Gefahr. Alle anderen, die sich nicht an die Regeln halten, droht künftig ein Ticket zwischen 15 und 35 Euro (Quelle: Süddeutsche Zeitung).

Sogar die berühmtberüchtigten Eisbach-Surfer müssen weichen, weil jährlich mehrere Menschen in dem schmalen, aber gefährlichen Flüsschen ertrinken. Allerdings war noch nie ein Wellenreiter unter den Opfern - stattdessen handelte es sich meist um Touristen, die die Warnschilder nicht ernst genommen hatten.

Und mal ganz unter uns: Ich kenne keinen einzigen Park in Deutschland, der auch nur annähernd so sauber und gepflegt ist wie der E-Garten in München. Hundekacke liegt nun mal auf jeder Wiese rum, außerdem wird es bei über 4 Quadratkilometern Fläche ja wohl jedem möglich sein, ein unbeflecktes Plätzchen zum Verweilen zu finden. Auch bezweifle ich, dass Bußgelder uns davor beschützen können, von einem wildgewordenen Biker gerammt zu werden, schließlich passiert das auf der Straße ständig, und da ist das Rasen schon immer verboten gewesen. Und die Wassersportler dafür zu bestrafen, dass unachtsame Touristen ihr Leben in Gefahr bringen, weil sie nicht einmal in der Lage sind, ein eindeutiges Piktogramm zu interpretieren, ist ebenso unfair wie lächerlich.

Lasst den Münchnern doch den letzten Ort, an dem sie nicht von Regulierungen und Überwachung erschlagen werden. Stattdessen wäre es sinnvoll, die Spazierwege im Englischen Garten nachts zu beleuchten und nach Sonnenuntergang ein paar Polizisten mehr durchs Gelände laufen zu lassen. Damit wäre das einzig echte Problem von Deutschlands größtem Stadtpark dann auch schon gelöst …

 

Bayern, Bayern, Deine Biere

2. Juli 2008, admin

Man mag den Bajuwaren vorwerfen, was man will – Konservativismus, Provinzialismus, Grantlerei (zu deutsch: Nörglertum) – aber eines können Sie nun mal: Bier brauen. Vor allem der Gerstensaft aus München und Umgebung ist in aller Welt bekannt für seine Süffigkeit und die Reinheit der Zutaten, so dass man, auch wenn man gerade nicht in der Heimat weilt, nie auf das typisch deutsche Trinkvergnügen verzichten muss.

Allerdings bedarf es einer gewissen sprachlichen Gewandtheit, um im Ausland an ein kühles Blondes bayerischer Herkunft zu gelangen. Denn nur weil das Bier auf der Karte steht, heißt das nicht, dass der Kellner auch weiß, wie man seinen Namen ausspricht. Und dies kann einem echten Problem werden, wenn man keine Ahnung hat, wie es im jeweiligen Sprachbereich klingt.

Als ich zum Beispiel mal in Dijon ein Erdinger Weißbier bestellen wollte – in einem Lokal, das mindestens 100 verschiedene Biere aus zig Ländern im Angebot hatte – blieb mir nach drei mündlichen Versuchen nichts anderes übrig, als es dem Garçon zu zeigen. Seitdem weiß ich, dass ich in Frankreich nach „Erdingé“ fragen muss, um ein kräftiges Hefeweizen zu bekommen.

In Mexico City hat man es da ein bisschen leichter, weil sich „Lobenbrau“ und „Löwenbräu“ nicht allzu stark unterscheiden, während man sich in L.A. schon wieder anstrengen muss, um die Bedeutung von „HB Munich Beer“ zu entschlüsseln. (Lösung: „Hofbräu“)

Doch nun zu Münchens Hausbier, dem „Augustiner“ (ich lehne mich da einfach mal so weit aus dem Fenster, zu behaupten, dass die meisten meine Meinung teilen werden). Besonders stolz sind die zuweilen etwas eigenbrötlerischen Bewohner der weißblauen Landeshauptstadt darauf, dass die traditionell orientierte Brauerei es bisweilen nicht nötig gehabt hat, ihr Bier außerhalb der Region zu verkaufen. Deshalb ist das populäre „Helle“ mit dem fröhlichen Mönch nicht einmal überall in Bayern zu haben, geschweige denn nördlich des Weißwurst-Äquators. Umso mehr wunderte ich mich, als in einer Berliner Kneipe kürzlich den Klang des mir so wohlbekannten Namens aus einer Ecke schallen hörte. Ich traute meinen Ohren nicht, doch tatsächlich: Au-gus-ti-ner! Der Blick in die Karte bestätigte meine Wahrnehmung noch einmal, und natürlich habe ich mir direkt eins bestellt. Home sweet home …

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