So lässt sich’s leben

WohnturmDer Madison Square Park ist ein idyllisches Fleckchen. Flatiron Building, MetLife Clocktower und die Denkmäler zu Ehren von William Seward, Chester Arthur, William Worth und Admiral Farragut verleihen dem quadratischen Platz ein historisches Flair. An dieser Stelle einen glasverkleideten Turm mit Luxuswohnungen zu errichten ist also ein relativ waghalsiges Unterfangen, will man das einzigartige Ensemble nicht zerstören. Doch die New Yorker haben sich noch nie darum geschert, ob ein Haus nun zum anderen passt oder nicht - umso logischer ist es, dass genau so ein Projekt gerade im Gange ist.

Kein geringerer als Rem Koolhaas hat den schlanken Tower konzipiert. Schlank deshalb, weil er trotz 50 Stockwerken eine geradezu lächerliche Grundfläche aufweist und sofort an ein Streichholz erinnert, wenn man vom Boden aus an ihm hinaufsieht. Bemerkenswert ist auch, dass es sich um einen reinen Wohnturm handeln wird - was an sich nicht ungewöhnlich ist in New York City, wo ein Großteil der Wolkenkratzer auch für Privatbehausungen genutzt wird - aber eine derart transparente Fassade ist sonst eher typisch für Bürokomplexe.

Diejenigen, welche sich eine Wohnung in dem exklusiven Haus leisten können (das billigste Apartment im untersten Stockwerk wird ca. 3 Mio. Dollar kosten), müssen also damit leben, dass ihnen die Touristen auf der Aussichtsplattform des Empire State Building direkt ins Wohnzimmer schauen können. Doch bei der exzentrischen Mentalität der meisten New Yorker muss man vielleicht sogar davon ausgehen, dass das so gewollt ist. Schließlich ist Reichtum nur halb so viel wert, wenn man ihn nicht zeigt, oder?

Der Turm wird definitiv neue Maßstäbe in Sachen Hochhausarchitektur setzen, denn er steht für ein ganz neues Lebensgefühl. In New York geht es längst nicht mehr nur um die Höhe, schließlich ist der alte Wettbewerb, wer der Stadt den gigantischsten Skyscraper verpasst, ausgekämpft, seit das World Trade Center zerstört wurde. Niemand möchte höher bauen als der Freedom Tower, denn dieser soll ein Symbol für die Ewigkeit werden, also konzentriert man sich auf andere Facetten der Superlative. 

Aus “Höher, schneller, weiter” wird “Schöner, teurer, prächtiger” - wer weiß, ob das nicht sogar das bessere Motto für New York sein könnte?! 

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