München: Zucht und Ordnung im E-Garten

In München ist die Welt noch in Ordnung: Kaum vollgeschmierte Häuserfassaden, keine Bettler-Mafia, auch eine offene Drogenszene sucht man hier vergebens, genauso wie schlägernde Jugendbanden. Wenn überhaupt, dann muss man sich hier und da mal über einen überquellenden Mülleimer ärgern, aber immerhin haben wir an jeder Ecke einen, ganz im Gegensatz zu vielen anderen deutschen Metropolen.

Der bayerischen Staatsregierung ist das freilich nicht genug - im Vergleich zum Rest des Freistaats ist die Landeshauptstadt nämlich ein regelrechter Sündenpfuhl. Vor allem der Englische Garten. Denn da wimmelt es geradezu von Fahrrad-Rowdies, Hunde-nicht-an-die-Leine-Nehmern, Müll-Liegenlassern und - ja, sogar das gibt es im konservativen Süden - eingefleischten FKK-Anhängern. Wenigstens die Nudisten sind vom neuen Landesstraf- und Verordnungsgesetz ausgenommen, das heißt, ihnen droht gemäß der neuen Gebührenordnung keine Gefahr. Alle anderen, die sich nicht an die Regeln halten, droht künftig ein Ticket zwischen 15 und 35 Euro (Quelle: Süddeutsche Zeitung).

Sogar die berühmtberüchtigten Eisbach-Surfer müssen weichen, weil jährlich mehrere Menschen in dem schmalen, aber gefährlichen Flüsschen ertrinken. Allerdings war noch nie ein Wellenreiter unter den Opfern - stattdessen handelte es sich meist um Touristen, die die Warnschilder nicht ernst genommen hatten.

Und mal ganz unter uns: Ich kenne keinen einzigen Park in Deutschland, der auch nur annähernd so sauber und gepflegt ist wie der E-Garten in München. Hundekacke liegt nun mal auf jeder Wiese rum, außerdem wird es bei über 4 Quadratkilometern Fläche ja wohl jedem möglich sein, ein unbeflecktes Plätzchen zum Verweilen zu finden. Auch bezweifle ich, dass Bußgelder uns davor beschützen können, von einem wildgewordenen Biker gerammt zu werden, schließlich passiert das auf der Straße ständig, und da ist das Rasen schon immer verboten gewesen. Und die Wassersportler dafür zu bestrafen, dass unachtsame Touristen ihr Leben in Gefahr bringen, weil sie nicht einmal in der Lage sind, ein eindeutiges Piktogramm zu interpretieren, ist ebenso unfair wie lächerlich.

Lasst den Münchnern doch den letzten Ort, an dem sie nicht von Regulierungen und Überwachung erschlagen werden. Stattdessen wäre es sinnvoll, die Spazierwege im Englischen Garten nachts zu beleuchten und nach Sonnenuntergang ein paar Polizisten mehr durchs Gelände laufen zu lassen. Damit wäre das einzig echte Problem von Deutschlands größtem Stadtpark dann auch schon gelöst …

 

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