Datenklau im Call-Center
Dass die multimedial agierende Kommunikationsgesellschaft eines Tages ihre Revanche erhalten würde, war eigentlich klar - schließlich hat sich der Werbedruck auf die Konsumenten seit Jahren ständig erhöht. Dabei hat eigentlich fast niemand wirklich etwas gegen Werbung an sich, denn um zu wissen, was man möchte, ist es sehr hilfreich, wenn man weiß, was es eigentlich gibt. Problematisch wird es nur, wenn man nonstop mit Informationen beliefert wird, die man weder will noch braucht. Das nennt man dann unerwünschte Werbung und die wird im 21. Jahrhundert vorzugsweise per eMail oder telefonisch zugestellt.
Und so hat man zum einen den täglichen Ärger mit dem
Löschen der unzähligen Angebote für “Replica Watches”, “Generic Viagra” oder “100 Euro gratis fürs Online Casino”. Zum anderen hat wohl jeder schon mal einen Anruf von einer netten Telefondame bekommen, die mit unwiderstehlichen Schnäppchen lockt, aber erst nach 10 Minuten Schwafel-Alarm auf den Punkt kommt, und einem mitteilt, dass sie ein Super-Chance-Jahreslos, ein megagünstiges Zeitschriften-Abo oder einen 1a Handyvertrag inklusive Digitalkamera, Playstation, Flachbildfernseher UND Handy verkaufen möchte. Natürlich ebenfalls zum Spottpreis.
Weil aber mittlerweile jeder weiß, dass man bei solchen Anrufen fast immer übern Tisch gezogen wird, und die Telefonagenten immer öfter erleben müssen, dass aufgelegt wird, bevor sie ihren grandiosen Deal vorstellen konnten, musste sich die Branche was Neues einfallen lassen. Und überhaupt, wieso eigentlich so viel Energie damit verschwenden, die potenziellen Kunden vom Kauf zu überzeugen, wenn man für ein paar Cent deren Kontodaten kaufen und das Geld einfach abbuchen kann? Die Erfolgsquote (d.h. die Rate derer, die die Abbuchung nicht innerhalb von sechs Wochen bemerken um eine Lastschriftrückgabe durchführen zu lassen) ist mindestens genauso hoch wie beim echten Telefonverkauf, nur dass man sich das lästige Quatschen erspart. Und weil der Effekt der selbe ist - man bringt etwas an den Mann, was dieser gar nicht haben will - muss die Call-Center-Mafia nicht mal ein schlechtes Gewissen haben. Zumindest kein schlechteres als sie vorher schon hatte.
Übrigens: Glaubt man den Zeitungen, dann ist es mittlerweile für fast jeden von uns zu spät, denn wir alle haben unsere Seele bereits an einen Datenfischer verkauft, wissentlich oder unwissentlich. Die einzige Möglichkeit, künftig sorgenfrei leben zu können, wäre, sich eine neue Adresse, Telefonnummer und Bankverbindung anzuschaffen, und keines dieser drei Dinge jemals preiszugeben. Tolles Leben.











Es ist in der Tat übel, was dort so abgeht. Und Abos würde ich ohnehin nur direkt abschließen, wenn ich noch eine ordentliche Bargeldprämie bekomme.