Archiv für 'Politik'

Volker Pispers

21. Oktober 2008, admin

Lustig ist, wer kein Blatt vor den Mund nimmt - das ist zumindest meine persönliche Meinung - und diese Kunst, sich auf dem schmalen Grat zwischen Satire und Beleidigung zu bewegen, ohne zu stürzen, beherrschen nur wenige so gut wie Volker Pispers

So richtig berühmt geworden ist er mit seinen kritischen Kabarettstücken zum Irakkrieg und den bissigen Kommentaren zu den politischen Granden der Zeit. Je nachdem, worüber gerade auf dem internationalen Parkett gesprochen wird - Pispers parodiert es, und lässt natürlich auch die nationalen Problemchen nicht aus den Augen. Zuletzt hat er sich über das SPD-Debakel in Hessen und Ypsilantis Traumzerstörerin Dagmar Metzger ausgelassen.

Bei Volker Pispers kann man in der Tat sogar noch etwas lernen: die Politik einfach mal aus weniger ernsten Blickwinkel zu betrachten. Verblüffender Weise gelangt man bei seinen Stücken auf lachende Art zu ganz neuen Erkenntnissen über das, was unsere Welt derzeit bewegt.

Mehr Infos zu Volker Pispers und seine Tourdaten findet Ihr auf seiner Website

 

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Gegen braunes Fallobst

16. Oktober 2008, admin

Flagge der Front deutsche ÄpfelDas größte Problem, dass wir im Umgang mit Neonazis haben, ist die Tatsache, dass je mehr wir uns gegen sie wehren, desto eher geben wir ihnen das Gefühl, ihr Ziel erreicht zu haben: ernst genommen zu werden. Wenn NPDler und ihre Skinhead-Scharen mal wieder eine fröhliche Kundgebung zum “Führergeburtstag” planen, versuchen Städte und Organisationen, dies vehement zu verhindern, und sogar wenn es dann klappt, so haben wir den Braunen doch wieder das Gefühl gegeben, dass wir sie für eine Gefahr halten … Angst vor ihnen haben.

Einige haben das verstanden, und so ist es im Jahr 2004 zur Gründung der Front Deutscher Äpfel gekommen. Die Leipziger Satirikertruppe nimmt die rechte Szene gekonnt auf die Schippe und hält den ewig Gestrigen auf äußerst amüsante Weise den Spiegel vor - in der Hoffnung, dass diese selbst erkennen, wie affig ihre Auffassungen und ihr Gehabe eigentlich ist.

Wie es sich für eine ordentliche Obstanisation gehört, teilt die Apfelfront ihr Wirkungsgebiet systematisch in Gauen ein. Da wäre zum Beispiel die Hauptstadt-Gau Berlin oder die Traditionsgau Bayern. Einige Gauen haben sich zum Boskopistischen Stäben zusammengeschlossen und je nach Bedarf sind auch schon Apfelbataillone zur Verteidigung des nationalen Obstbestands gegründet worden. Und auch die obligatorische Jugendorganisation darf nicht fehlen. In der NFD (Nationales Frischobst Deutschland) werden die jungen Kader der Spaßpartei auf Kurs gebracht und die Frauen engagieren sich bevorzugterweise im BWB, dem Bund weicher Birnen.

Trotz der Kritik, die sich die Front Deutscher Äpfel aufgrund ihres Auftretens in der Öffentlichkeit eingefangen hat - einige halten die Anlehnung an nationalsozialistische Symbolik für pietätlos - muss man dieser Art der künstlerischen Meinungsäußerung ihre Berechtigung zugestehen. Nicht zuletzt, weil man mit einem Augenzwinkern vielleicht sogar noch mehr Menschen dazu bewegen kann, sich GEGEN RECHTS zu stellen.

Die Idee vom braunen Apfel als Erkennungssymbol der Front soll übrigens (laut Wikipedia) mit dem ehemaligen NDP-Landtagsfraktionsvorsitzenden des Freistaats Sachsen, Holger Apfel, zusammenhängen. Die Anti-Nazi-Organisation war 2004, nach dem Einzug der Rechten ins sächsische Parlament, gegründet worden. Apfel solle später noch zu zweifelhaftem Ruhm gelangen, als er und seine Anhänger sich weigerten, an einer Schweigeminute zum Gedenken an die NS-Opfer teilzunehmen.

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Kennst Du Dein Land?

6. Oktober 2008, admin

Eine langjährige Aufenthaltsgenehmigung, ein fester Job und ein einwandfreies Führungszeugnis sind schon immer die Voraussetzung dafür gewesen, dass Einwanderer in Deutschland eingebürgert werden dürfen. Seit Kurzem - Baden-Württemberg hatte die Entwicklung damals angestoßen - muss man auch noch einen Einbürgerungstest bestehen, wenn man in den Besitz des roten Passes mit dem goldenen Adler gelangen möchte.

Natürlich gab es auch gleich einen Aufschrei, die Fragen seien viel zu schwer. Nicht mal von gebürtigen Deutsche könne man erwarten, dass sie alle Antworten kennten - sagen die einen. Völlig egal, denn wer nicht als Deutscher geboren wurde, müsse sich nun mal etwas mehr anstrengen - sagen die anderen.

Wie schwer der Test tatsächlich ist, kann man mittlerweile auf zahlreichen Websites selbst ausprobieren. Auch die WAZ (Westdeutsche Allgemeine Zeitung) hat ein Modul online gestellt, mit dem man seine landeskundlichen Kenntnisse unter Beweis stellen darf um herauszufinden, ob man es überhaupt verdient hat, ein Bürger im Land der Dichter und Denker zu sein. Zum Test

 

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Wer ist denn jetzt der Böse?

20. August 2008, admin

RossijaSakartweloWenn das mal kein merkwürdiger Krieg war - kurz nach Beginn der Olympischen Spiele flimmerten plötzlich Meldungen über den Schirm, dass Georgiens Militär in der abtrünnigen Provinz Südossetien einmarschiert sei. Einen Tag später waren die Russen da um, so die offizielle Begründung, ihre Staatsbürger im benachbarten Ausland vor einem Genozid schützen. Bei der Gelegenheit half man dann auch gleich noch den Abchasen bei ihren Abspaltungsbestrebungen, bis sich schließlich die Amerikaner und Europäer zu Wort gemeldet haben um anzumerken, dass das nicht die feine englische Art sei. Ratzfatz war der Krieg vorbei, und alles ist wieder wie vorher, außer das weite Teile Georgiens zerstört sind und unser ehemaliger Erzfeind, von dem wir gedacht hatten, wir könnten uns künftig schon irgendwie arrangieren, hat allen anderen gezeigt, wo der Hammer hängt.

Jetzt wird das georgische Territorium bald auf internationalem Parkett ausgehandelt, wobei klar ist, dass das Ergebnis keines sein wird, das Russland nicht genehm ist. Egal wie laut Rice und Sarkozy brüllen, niemand wird derzeit einen Krieg mit dem slawischen Riesenreich anfangen, und schon gar nicht wegen Georgien. Denn noch immer ist nicht geklärt, wer denn jetzt eigentlich schuld war an dieser Eskalation. Ordentliche Berichterstattung gibt es nicht, die Staatsführungen beider Länder geben nichts als propagandistische Unkenrufe von sich, und die jeweiligen Verbündeten stellen sich - unabhängig von den Tatsachen - ohnehin hinter ihre Schützlinge.

Natürlich ist jeder Krieg irre und schlecht. Allerdings hat dieser Konflikt einen besonders schalen Beigeschmack, der allzusehr an den Kalten Krieg erinnert, in dem nie einer Schuld war, und jede Seite ihr Handeln mit dem Vorwand der Bruderhilfe begründete. Mal sehen, was die nächsten Wochen bringen …

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16 Länder, 16 Ladenöffnungszeiten.

15. August 2008, admin

Es hat ja etwas für sich, dass Deutschlands Bundesländern seit einiger Zeit mehr politische Kompetenzen zugestanden werden. So können die jeweiligen Regierungen näher am Bürgerwillen agieren und sich flexibel auf regionale Bedürfnisse einstellen. Nun mag man meinen, diese könnten ja so unterschiedlich nicht sein, schließlich bleibt Deutschland noch immer Deutschland, und trotz unterschiedlicher Mentalitäten sind wir doch alle gar nicht so anders. Oder?

Zumindest beim Einkaufen scheinen die Geschmäcker dann aber doch ganz schön aus einander zu gehen, denn nachdem letztes und vorletztes Jahr fast alle Länder ihre Ladenöffnungszeiten neu reguliert haben, schließen die Geschäfte von Nord nach Süd und von Ost nach West zu komplett unterschiedlicher Stunde ihre Pforten.

Bayern: Wie sollte es anders sein - hier gilt das konservativste Gesetz Deutschlands. Mo-Sa bis 20 Uhr. An Sonntagen bleibt (fast) immer geschlossen. Doch es gibt bereits Initiativen, mit diesem Missstand endlich aufzuräumen.

Baden-Württemberg: Mo - Sa darf rund um die Uhr geöffnet werden. An Sonntagen wird grundsätzlich nicht verkauft.

Berlin: Mo - Sa gibt es keine Regulierungen von staatlicher Seite. 10 Mal pro Jahr darf auch an Sonntagen geöffnet werden (bis 20 Uhr).

Brandenburg: Mo - Sa kann man rund um die Uhr shoppen. An den 6 verkaufsoffenen Sonntagen im Jahr darf ebenfalls 24 Stunden lang geöffnet werden.

Bremen: Auch hier kann von Mo - Sa grenzenlos eingekauft werden. Sonntags bleibt geschlossen.

Hamburg: Die Hansestadt hat auch schon in der Vergangenheit mit sehr liberalen Ladenöffnungszeiten geglänzt. Unter der Woche darf nun unbegrenzt geöffnet bleiben, in St. Pauli (Reeperbahn und Umgebung) können Händler eine Ausweitung auf den Sonntag beantragen. Ein Highlight in Hamburg ist, dass Friseure sonntags grundsätzlich arbeiten dürfen.

Hessen: Auch hier unterliegen Kunden und Händler von Mo - Sa keinerlei Einschränkungen. Sonntage können bei “besonderem Bedarf” (Festtage, Touristische Events) auf Antrag freigegeben werden.

Mecklenburg-Vorpommern: Mo - Fr darf rund um die Uhr geöffnet werden, Sa bis 22 Uhr. Sonntags prinzipiell geschlossen.

Niedersachsen: Mo - Sa gibt es keine Öffnungszeitenbeschränkung. Sonntags bleiben die Geschäfte zu.

Nordrhein-Westfalen: An Werktagen gibt es keinerlei Einschränkungen in Sachen Öffnungszeiten. Zudem sind jährlich 4 verkaufsoffene Sonntage erlaubt.

Rheinland-Pfalz: Das traditionsverhaftete Bundesland konnte sich nur zu einer Erweiterung der bestehenden Ladenöffnungszeiten durchringen. Mo - Sa bis 22 Uhr. Sonntag zu.

Saarland: Wie in Bayern müssen alle Läden an Werktagen um 20 Uhr schließen, nur 1 Mal im Jahr um 24 Uhr. Am Sonntag darf generell nicht eingekauft werden. Ausnahme: Kur- und Wallfahrtsorte.

Sachsen: Mo - Sa darf bis 22 Uhr Stunden eingekauft werden, zusätzlich 4 Mal im Jahr auch am Sonntag von 12 - 18 Uhr.

Sachsen-Anhalt: Mo - Fr rund um die Uhr, Sa bis 20 Uhr. Vier verkaufsoffene Sonntag mit jeweils 5 Stunden.

Schleswig-Holstein: Mo - Sa gibt es keine Beschränkungen. Viele Ausnahmen für Sonntage sorgen auch hier für liberales Einkaufsvergnügen.

Thüringen: Rund um die Uhr einkaufen geht von Mo - Sa. Ausnahmsweise sind auch die Sonntage freigegeben.

 

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Spree-Ufer gerettet?

6. August 2008, admin

Party-Crowd in Kreuzberg-FriedrichshainAm 13. Juli haben die Berliner darüber abgestimmt, ob das Spreeufer im Bezirk Kreuzberg-Friedrichshain künftig im Rahmen eines groß angelegten Investitionsprogramms zur Büro- und Hotelzone umgebaut werden soll. Die Mehrheit hat gegen das Projekt “mediaspree” gestimmt, denn viele fürchten, dass das einzigartige Flair, für das die brach liegenden Industriegelände am Wasser bekannt sind, dann für immer passé sein wird.

Momentan steigen am Ufer der Spree noch regelmäßig Open-Air-Parties, man kann an aufgeschütteten Stränden chillen und mit einem kühlen Bierchen in der Hand den vorbeifahrenden Touri-Dampfern zuwinken. Dass damit bald Schluss sein soll, will die Hauptstadt-Szene jedoch nicht akzeptieren - man initiierte ein Bürgerbegehren und gewann.

Problem: Erstens ist das Abstimmungsergebnis nicht bindend. Zweitens wäre ”mediaspree” wichtig für die Schaffung neuer Arbeitsplätze, die in Berlin ohnehin Mangelware sind. Außerdem sieht das Projekt vor, dass die Spree nach Abschluss der Bauarbeiten beiderseitig von einer Promenade gesäumt sein soll, die dann jedem Bürger zugänglich wäre - und nicht nur der Eintritt zahlenden Partycrowd.

Das Argument der “mediaspree”-Gegner leuchtet dennoch ein, denn Büroräume braucht die Hauptstadt momentan tatsächlich nicht. Der Leerstand in jenen Prestigebauten, die in den letzten Jahren fertiggestellt worden sind, ist noch immer enorm, was den Sinn eines neuen Glas-und-Stahl-Viertels fragwürdig erscheinen lässt.

Außerdem ist es doch der Mix aus alt und neu, schön und hässlich, prunkvoll und chaotisch, der Berlin bisher seinen speziellen Charakter verliehen hat. Retorten-Cities haben wir schon genug …  

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Rauchen erlaubt!

30. Juli 2008, admin

Hinweisschild für RaucherclubsDa hat der eine oder andere Raucher aber ausnahmsweise mal aufgeatmet anstatt eingeatmet - das Bundesverfassungsgericht hat am 30. Juli bekannt gegeben, dass die Nichtraucherschutz-Gesetze von Berlin und Baden-Württemberg nicht grundgesetzkonform seien, weil sie eine Wettbewerbsverzerrung zum Nachteil kleiner Gastronomiebetriebe darstellten. Wenige Stunden bereits zog es Hunderttausende in ihre ehemalige Stammkneipe aus pränikotinophoben Zeiten, die sich dort sogleich provokativ eine anzündeten. Die jeweiligen Regierungen verkündeten eine vorübergehende Aufhebung der gesetzlichen Bestimmungen, bis die Lage entsprechend der Vorgaben des BVerfG neugeregelt sei.

Paradoxerweise wurde der Nichtraucherschutz in Bayern nicht kritisiert, wohl weil im Freistaat ein absolutes Rauchverbot herrscht. Dass dieses mittlerweile nur noch auf dem Papier existiert, weiß jeder, der in den letzten Monaten in München, Nürnberg, Würzburg oder Passau eine Kneipentour gemacht hat. Allzu oft wird man an der Tür nach einer Mitgliedskarte gefragt - nein, das hat nichts mit der ausgeprägten Vereinskultur der Süddeutschen zu tun - und kaum betritt man den Laden, kommt einem schon der wohlbekannte Geruch entgegen, der kurz nach Beginn des Jahres 2007 für einige Wochen verschwunden gewesen ist.

Das Wort Raucherclub hat sich im bayerischen Wortschatz bereits seinen Platz gesichert. Und auch das typische blaue Schild mit der weißen Zigarette ist sicher nicht zufällig an die Farbgebung der Bajuwarenflagge angelehnt.

Und mal wieder haben wir dem Rest von Deutschland gezeigt, dass wir den Schutz unserer Bürger besonders ernst nehmen ;-)

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Obama in Berlin

28. Juli 2008, admin

Für uns ist er ja schon fast Präsident: Barack Obama, der Demokratische Senator aus Illinois, der bei den nächsten US-Wahlen antritt, um George W. Bush im höchsten Amt der Vereinigten Staaten abzulösen.

Dass GWB - die Amis geben ihren verflossenen “Leaders” ja gerne ein Initialkürzel - nicht mehr antreten darf, ist für uns in Europa (zum großen Teil) eine Erleichterung. Obwohl es uns an sich nichts angeht, hat wohl jeder von uns sein ganz eigenes Bild von Amerika, das ursprünglich sehr oft positiver ausgefallen ist als jenes von unserem eigenen Land. Von Kindheit an geprägt durch Fernsehserien, in denen Weiße und Schwarze friedlich in derselben Nachbarschaft leben, durch Filme, in denen sich Benachteiligte zusammentun um ihr Recht vor einer ehrfurchterbietenden Justiz zu erstreiten, und durch Geschichten, die uns zeigen, das Kriegsfeindschaft dadurch beendet werden kann, dass die Sieger den Besiegten die Hand reichen um ihnen ein besseres Leben zu ermöglichen, obwohl sie selbst zuvor versucht haben, die ganz Welt zu unterjochen.

Das Weiße Haus

Dann kam der Mann, der plötzlich ganz augenscheinlich einzig und allein die Interessen Amerikas vertrat. Und wir moquierten uns darüber, wie jemand Präsident eines demokratischen Landes werden kann, obwohl die Mehrheit der Bürger einem anderen Mann ihre Stimme gegeben hat. Doch geben wir’s zu: Auch ein Präsident Obama wird nur dem Auftrag folgen, der ihm kraft seines Amtes zusteht, und nur dann unserer Meinung sein, wenn diese in seiner Heimat ebenfalls gut ankommt. Und wahrscheinlich würde keiner von uns Kritik üben, wenn das erste afrikanischstämmige Staatsoberhaupt der USA nur deshalb gewinnt, weil er die meisten Electoral Votes erlangt ohne die absolute Mehrheit der abgegebenen Stimmen zu erhalten.

Außerdem dürfen die Leute, die Obamas Rede in Berlin vernommen und gedacht haben, “Mensch, endlich wieder ein Präsident, der auch uns schätzt,” nicht vergessen, dass der Grund für seinen spektakulären Auftritt an der Siegessäule vor allem im Imagegewinn zu Hause gelegen hat. Dass er von uns gemocht werden will, könnte schlicht und einfach daran liegen, dass Amerikas Bürger es satt sind, sogar von ihren politischen Verbündeten kritisch beäugt zu werden. Ein Kandidat, der zeigt, dass sie mit ihm wieder als globale Vorbilder gelten würden, deren Werte und Lebensstil als fortschrittlich und respektabel gelten, hat einfach größere Chancen gewählt zu werden.

Aus dieser Perspektive erscheint der Deutschland-Besuch von Barack Obama in einem ganz anderen Licht, nämlich jenem einer propagandistischen Wahlkampf-Kultur, die die meisten von uns verachten - haben wir doch unsere ganz eigenen Erfahrungen mit deren Wirkungsweise gemacht. Und auch die Schelte von Konkurrent McCain, dessen Sprecher sich öffentlich über die “kriecherischen” Deutschen ausgelassen hat, die zu Hunderttausenden auf die Straße des 17. Juni geströmt sind, wirkt aus dieser Perspektive gar nicht mehr so beleidigend. Schließlich war auch die Bundeskanzlerin etwas irritiert über den Hype, der um jemanden gemacht wird, der (noch) kein international relevantes Amt innehat (Quelle: spiegel.de)

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Olympia? Ohne mich.

27. Juli 2008, admin

Eigentlich wussten es alle von Anfang an: Die Olympiade in Peking würde keinerlei positiven Einfluss auf den Regierungsstil der chinesischen Führung haben. Wie naiv musste man sein, um den Versprechungen des IOC Glauben schenken zu können? Welchen Einfluss sollte ein Sportbund, egal wie groß und angesehen, auf eine Quasi-Weltmacht haben, die sich prinzipiell jeden Einflusses von außen verwehrt?

In China gehört es seit jeher zur Staatsdoktrin, dass innere Vorgänge, wie Volksaufstände und deren Niederschlagung im offiziellen Jargon des Reichs der Mitte genannt werden, niemanden etwas angehen, außer die Regierung selbst. Die ist nicht nur ein Symptom der Parteidiktatur - es ist einer ihrer wesentlichen Eigenschaften.

Wenn auch nicht viele Tibeter einen Internetzugang haben mögen - manche haben ihn. Wenn auch nicht jeder Uigure weiß, was ein Blog ist - manche wissen es. Wenn auch nicht jeder Chinese sich für den chinesischen Wikipedia-Artikel zum Dalai Lama interessiert - manche interessiert es. Damit es nur wenige bleiben, hat sich die chinesische Führung bisher ganz schön ins Zeug gelegt. Wieso sollten sie nun all die Mühen umsonst gewesen sein lassen?

Es ist von vornherein klar gewesen, dass Zensur ebenso wichtig für die Macht der KP ist wie das Prinzip der Nichteinmischung. Also warum hat man nicht gleich verstanden, dass Beijing 2008 vor allem des Herrschaftsanspruch des Regimes untermauern soll. Die Machthaber werden sich im Glanz der fünf Ringe suhlen, wenn am 8. August die Eröffnungszeremonie beginnt und ganz China (aber eben nur China) erfährt, dass sie es sind, die ihrer Heimat zu internationalem Ruhm verhelfen können.

Deshalb werde ich mir die Spiele nicht ansehen. Und jeder, der nicht möchte, dass die Parteibonzen hinterher auch noch behaupten können, sie hätten die medienwirksamsten Spiele aller Zeiten auf die Beine gestellt, sollte das selbe tun.

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München: Zucht und Ordnung im E-Garten

27. Juli 2008, admin

In München ist die Welt noch in Ordnung: Kaum vollgeschmierte Häuserfassaden, keine Bettler-Mafia, auch eine offene Drogenszene sucht man hier vergebens, genauso wie schlägernde Jugendbanden. Wenn überhaupt, dann muss man sich hier und da mal über einen überquellenden Mülleimer ärgern, aber immerhin haben wir an jeder Ecke einen, ganz im Gegensatz zu vielen anderen deutschen Metropolen.

Der bayerischen Staatsregierung ist das freilich nicht genug - im Vergleich zum Rest des Freistaats ist die Landeshauptstadt nämlich ein regelrechter Sündenpfuhl. Vor allem der Englische Garten. Denn da wimmelt es geradezu von Fahrrad-Rowdies, Hunde-nicht-an-die-Leine-Nehmern, Müll-Liegenlassern und - ja, sogar das gibt es im konservativen Süden - eingefleischten FKK-Anhängern. Wenigstens die Nudisten sind vom neuen Landesstraf- und Verordnungsgesetz ausgenommen, das heißt, ihnen droht gemäß der neuen Gebührenordnung keine Gefahr. Alle anderen, die sich nicht an die Regeln halten, droht künftig ein Ticket zwischen 15 und 35 Euro (Quelle: Süddeutsche Zeitung).

Sogar die berühmtberüchtigten Eisbach-Surfer müssen weichen, weil jährlich mehrere Menschen in dem schmalen, aber gefährlichen Flüsschen ertrinken. Allerdings war noch nie ein Wellenreiter unter den Opfern - stattdessen handelte es sich meist um Touristen, die die Warnschilder nicht ernst genommen hatten.

Und mal ganz unter uns: Ich kenne keinen einzigen Park in Deutschland, der auch nur annähernd so sauber und gepflegt ist wie der E-Garten in München. Hundekacke liegt nun mal auf jeder Wiese rum, außerdem wird es bei über 4 Quadratkilometern Fläche ja wohl jedem möglich sein, ein unbeflecktes Plätzchen zum Verweilen zu finden. Auch bezweifle ich, dass Bußgelder uns davor beschützen können, von einem wildgewordenen Biker gerammt zu werden, schließlich passiert das auf der Straße ständig, und da ist das Rasen schon immer verboten gewesen. Und die Wassersportler dafür zu bestrafen, dass unachtsame Touristen ihr Leben in Gefahr bringen, weil sie nicht einmal in der Lage sind, ein eindeutiges Piktogramm zu interpretieren, ist ebenso unfair wie lächerlich.

Lasst den Münchnern doch den letzten Ort, an dem sie nicht von Regulierungen und Überwachung erschlagen werden. Stattdessen wäre es sinnvoll, die Spazierwege im Englischen Garten nachts zu beleuchten und nach Sonnenuntergang ein paar Polizisten mehr durchs Gelände laufen zu lassen. Damit wäre das einzig echte Problem von Deutschlands größtem Stadtpark dann auch schon gelöst …

 

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