Archiv für 'Gesellschaft'

Bayern: Viel Rauch um nichts

19. November 2008, admin

AschenbecherAls die CSU bei der bayerischen Landtagswahl im September eine gehörige Watsch’n eintstecken musste, war schnell klar: Die Raucher haben sich gerächt. Dies mag insofern übertrieben sein, als dass die Christdemokraten ja nicht nur beim Gesundheitsschutz einiges verbockt haben, sondern auch in der Bildungspolitik, außerdem hat das vermeintliche Dream-Team Beckstein & Huber von Beginn an nicht die Aufbruchsstimmung aufkommen lassen, die man sich vom Machtwechsel innerhalb der Partei versprochen hatte.

Trotzdem: Raucher, Gastronomen und wohl auch der eine oder andere Nichtraucher fühlen sich in ihrer Meinung bestätigt, dass der Möchtegern-Gesundheitsschutz der vergangenen 11 Monate bald novelliert wird. “Möchtegern” deshalb, weil schon wenige Wochen nach Inkrafttreten des aktuellen Gesetzes jede zweite Kneipe zum Raucher-Club wurde, in denen - man mag es nicht glauben - immer wieder auch Nichtraucher auftauchten, die sich aus Solidarität mit ihren qualmenden Freunden gern in den blauen Dunst gesellten.

Gemäß dem Koalitionsvertrag von CSU und FDP (Download hier) wird der Nichtraucherschutz in Bayern künftig folgendermaßen geregelt.

 

“In Gaststätten mit mehreren Räumen darf ein Raum als Raucherraum eingerichtet werden. In kleineren Einraumgaststätten darf geraucht werden, sofern die Gaststätte als Raucherlokal gekennzeichnet ist. In Bier-, Wein- und Festzelten (…) ist das Rauchen zulässig. In Diskotheken (…) ist das Rauchen in einem Nebenraum gestattet, sofern Minderjährige keinen Zutritt haben und sich im Raucherraum keine Tanzfläche befindet.”

Über Raucherclubs wird in der Vereinbarung nichts gesagt, allerdings muss man davon ausgehen, dass es diese nicht mehr geben wird, sobald dieser Entwurf gültiges Recht wird. Schade für die Diskotheken, die extra einen Verein gegründet und sich teure Gerätschaften zur Mitglieder-Identifikation angeschafft haben.

 

 

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NLP - Sektenwerkzeug oder Lebenshilfe?

17. November 2008, admin

Ablehnung in Zustimmung umwandeln - das ist das Ziel der Neurolinguistischen Programmierung, kurz: NLP. Bei NLP handelt es sich um eine Methode aus dem Werkzeugkasten des Personal Coaching, entwickelt in den 70er Jahren in den USA, setzt sie sich seit Jahren auch in Deutschland immer mehr durch und wird unter anderem in Verkaufsseminaren und Lebensbewältigungs-Kursen gelehrt.

Das Prinzip von NLP funktioniert vor allem durch Vergleich und Vereinfachung. Der Psychologe Richard Bandler und der Linguist John Grindler haben im Laufe ihrer gemeinsamen Forschungsarbeit ein Modell entwickelt, dass davon ausgeht, man könne anhand der Beobachtung erfolgreicher Persönlichkeiten deren prägende Verhaltensmuster isolieren um so hinter das Geheimnis ihres Erfolgs zu kommen. Im nächsten Schritt gilt es dann, sich selbst diese Verhaltensmuster anzueignen um schließlich selbst in den Genuss gesellschaftlicher Anerkennung zu kommen.

Was so merkwürdig theoretisch klingt, ist eigentlich eine ganz simple menschliche Eigenschaft: Sehen, verstehen, kopieren als Weg der persönlichen Entwicklung. Möchte ich ein guter Verkäufer werden, dann schaue ich, wie andere gute Verkäufer arbeiten, und ahme sie nach. Will ich meine Kinder gut erziehen, dann schaue ich, wie andere Eltern, deren Kinder ich für gut erzogen halte, ihren Nachwuchs großziehen. Und so weiter.

NLP’ler gehen von einem konstruktivistischen Weltbild aus, welches besagt, dass die Realität im Wesentlichen der individuellen Wahrnehmung entspringt. “Wahr ist, was ich für wahr halte” - nach diesem Motto arbeiten NLP’ler an ihrer Persönlichkeit. Dagegen ist prinzipiell nichts einzuwenden, allerdings kann dieser Grundsatz auch verkehrt werden in Richtung des Gegenübers: “Für Dich ist wahr, was Du für wahr hältst.” Daraus folgt: “Wenn ich Deine Wahrnehmung der Wahrheit ändern kann, dann kann ich auch Deine Realität verändern.” Und das nennt man dann: Manipulation.

Dieser Vorwurf an die NLP-Methoden hat dazu geführt, dass Neurolinguistisches Programmieren sich aus einigen Bereichen, wie zum Beispiel der Lehrerfortbildung zurückziehen musste. Hatte man vormals geglaubt, dass sich Problemkinder leichter handhaben ließen, wenn man sie mit NLP bearbeitete, zogen Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein das entsprechende Kursangebot wegen des manipulativen Potenzials zurück.

Auch wird einigen NLP-Organisationen eine Nähe zu Scientology nachgesagt. Dies mag nicht zu belegen sein, allerdings ist es bekannt, dass die Psycho-Sekte mit NLP-Methoden arbeitet um ihren Mitgliedern vorzugaukeln, sie könnten damit ihre Selbstkontrolle steigern. In Wirklichkeit verwickelt die vermeintliche “Kirche” ihre Anhänger damit in ein immer engeres Abhängigkeitsverhältnis.

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Was die Hand alles verrät …

16. November 2008, admin

GlaskugelGlaubst Du an Übersinnliches? An Wahrsagen, Karten-, Kaffeesatz- oder Handlesen? Nein? Natürlich nicht, schließlich passt ein solcher Aberglaube ja überhaupt nicht in unsere aufgeklärten High Tech Zeiten. Von wegen!

Im 21. Jahrhundert boomen übernatürliche Phänomene geradezu. Offensichtlicher denn je preisen zum Beispiel Tarot-Damen ihre Dienste längst im Fernsehen, anstatt sich auf Jahrmärkten in schummrigen Zelten zu verkriechen. Anstatt in die Glaskugel zu schauen, greift man nun zum Telefonhörer um die zukunftsvoraussagenden Schwingungen seines Gegenübers aufzusaugen - da wundert es einen eigentlich nur, dass es so lange gedauert hat, bis die Hexerei auch das Internet erobert. 

Vor Kurzem habe ich entdeckt, dass man sich den regelmäßigen Gang zu “Madame Esmeralda” künftig sparen kann. Denn bevor ich mich verarschen und abzocken lasse, werde ich lieber nur verarscht - ohne dafür zu bezahlen. So wie auf www.sexgage.com. Hier erklärt einem der Computer anhand der verschiedenen Hand-Linien, wie sexy man ist.

Also zögert nicht: Diese Erkenntnis kann Euer ganzes Leben verändern  :-)

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E-Book-Reader auf dem Vormarsch

14. November 2008, admin

Als Amazon auf der Frankfurter Buchmesse die Markteinführung des “Kindle” in Deutschland ankündigte, blieb die Stimmung der größtenteils noch immer auf Papier setzenden Branche relativ unterkühlt. Dass die neue Art zu lesen irgendwann auch nach Europa übergreifen würde, war ohnehin klar - die Kommentare zu dieser Entwicklung reichten vom trotzigen “Wir werden niemals aufhören, Print-Bücher herzustellen” bis zum optimistischen “Na, dann müssen wir unsere Bestseller halt digital produzieren”.

Angst, man könnte einen wegweisenden Trend verpasst haben, scheint niemand in der Branche zu haben. Wieso auch? Schon als das Hörbuch von der Ersatzliteratur für Blinde zum Kassenschlager für Lesefaule geworden war, musste man hinterher feststellen, dass sich mit der Herausgabe von Texten auf verschiedenen Medien sogar noch mehr Geld verdienen lässt, weil Leseratten eher zu den trägen Wesen gehören, denen man es einfach nur gemütlich machen muss, damit sie sich zum Kauf von Literatur hinreißen lassen.

Deshalb werden Kindle, Sony Reader, und alles, was der E-Book-Reader-Markt in den nächsten Jahren sonst noch hervorbringen wird, sicherlich immer stärker vertreten sein, aber das Buch tatsächlich nicht gänzlich verdrängen. Es ist gut vorstellbar, dass Texte künftig standardmäßig in mindestens drei Versionen herausgegeben werden: gedruckt, digital und gesprochen.

Je nach Verwendungsbereich ist es dennoch möglich, dass die eine oder andere Variante sich stärker durchsetzt. Was wäre zum Beispiel dagegen einzuwenden, dass Schüler sich zu Beginn ihrer Leselaufbahn einen Reader zulegen müssen, dafür aber nie wieder Unmengen von Geld für Lehrbücher, Kopiergeld, etc., auszugeben haben. Vorstellbar wäre, dass Schulen ganze Jahrgangslizenzen erwerben und das digitale Lernmaterial jeweils für die aktuelle Klasse bereitstellen. Keine Abnutzung, keine Extrakosten und jedes Jahr aktuelle Neuauflagen  - und das Ganze zu wesentlich geringeren Kosten als je zuvor!

Andererseits kann der klassische Roman sicherlich noch lange von der Vorliebe der Menschen für “greifbare” Bücher zehren, denn gerade als Geschenk oder nettes Accessoire im Regal ist ein richtiges Buch nach wie vor attraktiver als eine virtuelle Datenmenge oder eine kleine unscheinbare CD mit gesprochenem Text. Diese wiederum kann dennoch einer soliden Zukunft entgegensehen, denn in Zeiten, da iPods und sonstige tragbare Audioplayer immer gängiger werden, gehört es fast schon zum guten Ton, Podcasts und eben ganze Hörbücher in der Hosentasche mit sich herumzutragen …

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Alaaf, Helau, und so weiter

11. November 2008, admin

KarnevalSoeben sind in Köln und Mainz die Jecken ausgebrochen, die ersten Biere werden geköpft und ordentlich “Kamelle” durch die Luft gewirbelt. Ich weiß, ich weiß: Für viele ist Karneval, Fasching, oder Fastnacht ein rotes Tuch - besonders im Rheinland liebt man die närrische Zeit jedoch abgöttisch, und weil kein anderes Fest den Lifestyle dieser Region besser umschreibt, sollte ihm auch im Netz ausreichend Repräsentanz geboten werden.

Schade nur, dass wir bis heute nicht einmal wissen, was das Wort bedeutet. Nicht dass ich die etymologische Forschung über die je nach Landstrich verschiedenen Namen des Karnevals bis ins Detail verfolgt hätte, aber allein der entsprechende Wikipedia-Artikel ist schon verwirrend genug. Offensichtlich scheiden sich die Geister daran, ob die Fastnacht heidnischen oder christlichen Bräuchen entstammt, ob ihre Traditionen gar aus einem politischen Hintergrund heraus entstanden sind, oder ob man einfach seit anno dazumal einen Anlass zum hemmungslosen Saufen gebraucht hat.

Zumindest bringt die Zeit der Jecken und Funkemariechen ein bisschen Brauchtum in jene Teile Deutschlands zurück, wo die Tracht ansonsten ausgestorben zu sein scheint. Dies führt jedoch auch immer wieder zu Missverständnissen, zum Beispiel wenn es einen Mainzer zum Fasching nach München verschlägt und. Zuhause wäre es sicher gut angekommen, wenn er sich in der Lederhosn in den Karnevalszug eingereiht hätte - in Bayern gilt sein Outfit allerdings nicht als Kostüm, sondern als festliches Gewand. Ein klassischer Griff ins Klo.

Im Süden genügt es ohnehin, sich die Wangen mit bunten Farben zu beschmieren um als ordentlicher Faschingsgast gehandelt zu werden, schließlich können die Bajuwaren auch mit Narrenhüten und rot-weißen Kleidern nicht wirklich viel anfangen. Wer jetzt findet, dass dies mit Karneval nicht mehr viel zu tun habe, der sollte mal am Rosenmontag nach Hamburg fahren. Da spart man sich die Mühe nämlich komplett und schüttet sich zu, während man das RTL Karnevalsspezial im Fernsehen anguckt. Dagegen kann der Rosenmontagszug in Mainz als Fastnachtshöhepunkt angesehen werden, da hier wirklich die Sause abgeht.

A propos Rosenmontag: Wer hat eigentlich verstanden, warum der Fasching am 11.11. beginnt, aber erst im Februar gefeiert wird? Derjenige möge sich bitte im Kommentar-Bereich verewigen!

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Wie die Welt sich doch verändert …

8. November 2008, admin

Was ist nur aus den guten alten Bilderrahmen geworden? Ja, ich meine die, die wir noch hatten, als es auch noch richtige Fotos gab. Für die, die sich nicht mehr an die richtigen Fotos erinnern können: Das waren die, die man mit Magnet-Pins an den Kühlschrank heften konnte. Wie das gehen soll? Na ist doch klar. Mit Fotos auf Papier!

So langsam dämmert’s … Deshalb waren die Fotos damals auch viel lustiger als die von heute, weil man sie nicht zehn Mal gemacht hat um dann die neun schlecht gelungenen Exemplare zu löschen. Und deshalb ist man früher in freudiger Erwartung aus den Ferien heimgekehrt um noch am Ankunftstag nach 14 Stunden Autofahrt die Urlaubs-Filme in der Drogerie zum Entwickeln zu bringen. Filme?

Ja, es waren auch die Zeiten der greifbaren Materialien. Die Worte “virtuell” und “digital” kannte man derzeit eigentlich nur, wenn man regelmäßig Power Rangers kuckte - statt auf Mikrochips hielt man seine Bilder damals noch auf Celluloid fest. Und statt die Fotos per Picture Viewer auf dem Fernseher abzuspielen, legte man ein Album an, das man seinen Gästen zeigen konnte, oder ließ sich Dias anfertigen um aus der Erinnerungsschwelgerei eine Leinwandshow zu machen.

Diese Kette ließe sich unendlich weiterführen. Egal, welche Errungenschaften der modernen Mediengesellschaft man zu preisen versucht - ein bisschen Nostalgie nach dem Althergebrachten schwingt immer mit. Wann diese sentimentale Einstellung angefangen hat, um sich zu greifen, kann man nicht genau sagen. Wahrscheinlich war es ungefähr zu der Zeit, als die Telefonzellen zu reinen Ziersäulen geworden sind, deren einziger Sinn die Werbung auf den LED-Displays zu sein scheint. Display? LED?

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Sarah Palin

5. November 2008, admin

Sie möchte Alaskas Natur den Energie-Interessen der amerikanischen Nation opfern, sie liebt es, Baby-Robben zu erlegen und sie hält es für richtig, ihre minderjährige Tochter mangels Aufklärung schwanger werden zu lassen - unsere heißgeliebte Sarah Palin.

Komischerweise ist die ehemalige Gouverneurin des immerhin 683.500 Einwohner zählenden Bundesstaates Alaska erst nach ihrer Ernennung zur offiziellen Co-Kandidatin von John McCain zu internationalem Ruhm gelangt. Als Oberhaupt jenes Staates, der die einzige Landgrenze zum bösen, bösen Russland besitzt, kennt sie sich schließlich auf dem internationalen Parkett bestens aus. Dazu kommt, dass sie - im Gegensatz zu den männlichen Schwächlingen in Washington - die einzige zu sein scheint, die noch weiß, wie man Probleme anpackt. Eine echte Hockey Mom eben. 

Wer hätte gedacht, dass eine derart respektable Grande Dame der Politik, einmal so berühmt werden könnte, dass man ihr sogar einen auf sie zugeschnittenen Porno widmet? Das hat nicht mal Angela Merkel geschafft, Sarah Palin hingegen kann dank “Who’s nailin’ Paylin” nun Gratis-Publicity einsacken. In dem Sex-Streifen aus dem Hause Larry Flint Productions wird die Hauptfigur, Serra Paylin, in ihrer Blockhütte von zwei russischen Soldaten, die sich im Grenzgebiet verfahren haben, ”hochgenommen”. Auch in den weiteren Szenen werden die politischen Qualifikationen der Queen of Wasilla mit wenige Dialog, aber dafür umso mehr Körpersprache, gebührend gewürdigt.

 

Get the Flash Player to see the wordTube Media Player.

 

Wie schade, dass sie am Ende doch nicht zur Vizepräsidentin der Vereinigten Staaten erkoren wurde! Dann hätten die Amerika und Welt endlich mal zu schätzen gewusst, dass George W. Bush doch eigentlich ein ganz netter Kerl gewesen ist. Dieser hat sich im Hinblick auf die Suche nach Energiequellen wenigstens auf die “Achse des Bösen” konzentriert und sich für seine Ölförderung wenigstens ein Land ausgesucht, das man vom Tellerrand der westlichen Welt aus nicht so gut sehen kann. Seine Töchter sind züchtige christliche Mädchen und wenn Georgieboy sich mal mit dem Mord an Tieren beschäftigen möchte, dann lässt er sich von seiner Laura ein paar Spare Ribs auf den Grill legen.

Wie sollen wir nun damit klar kommen, dass die freie Welt nun von einem streberhaften Kosmopoliten regiert wird? Jemand, der so seriös und eloquent daherkommt wie dieser Obama, wie soll der denn mit den ganzen Schreihälsen auf der Welt umgehen können? Hat der überhaupt eine Ahnung, wie man einen ordentlichen Krieg anzettelt?

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Ich hasse Halloween

1. November 2008, admin

HalloweenMan möchte meinen, in exponierter Innenstadtlage an einem Verkehrsknotenpunkt zu wohnen, könnte einen vor den Zwängen des Spießerlebens schützen. Anders als wenn man in einer Wohnsiedlung mit Einfamilienhäusern lebt, muss man hier weder seine Nachbarn grüßen, noch braucht man sich Sorgen darüber zu machen, ob jemand mitbekommen hat, wie man mitten in der Nacht sturzbetrunken nach Hause getorkelt ist.

Einige dieser nachbarschaftlichen Zwänge lassen sich jedoch niemals abschütteln, ohne dass man sich dadurch ins gesellschaftliche Abseits katapultiert. Dazu gehört zum Beispiel die Gepflogenheit, seinen stinkenden Müllsack nicht im Hausflur stehen zu lassen. Oder das Gebot, bei einer Party schon vorher alle Anrainer zu informieren um sich den Ärger wegen zu lauter Musik zu ersparen. Aber ist es auch meine Pflicht als stadtbekannter Freak, den Kindern der Nachbarn an Halloween meine letzten Süßigkeiten zu überlassen?

Was die Frage soll? Bis gestern dachte auch ich, es gäbe wichtigere Probleme des urbanen Lebens als die Frage, wie weit Kinder gehen dürfen. Doch die Wirklichkeit hat mich etwas anderes gelehrt: Wer Dir mit Saurem droht, wenn er/sie von Dir nichts Süßes bekommt, meint es in der Regel ernst. Drückt man als unverkleideter Erwachsener einem kleinen Psychopathen im “Scream”-Kostüm keine Schoko-Bons in die Hand, hat man schnell eine ganze Horde kleiner Kürbisköpfe mit Flammen in den Augen am Hals.

Die Geister der Hexennacht sind in der Regel schwer bewaffnet. Mit Ketchup in der Squeeze-Flasche lässt sich beispielsweise prima auf das Gesicht eines Opfers zielen, wenn dieses keine Bonbons als Schutzgeld parat hält. Die Mehl-ins-Gesicht-und-gleichzeitig-in-die-Trillerpfeife-blasen-Methode grenzt meiner Meinung nach sogar an Folter. Gemeinsam haben sie alle vor allem eines: Die Tatsache, dass man sich nicht wehren kann. Vor allem, wenn es die Kinder des Hausmeisters sind …

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Legal kiffen?

31. Oktober 2008, admin

Seit Monaten streuen sämtliche Medien die Nachricht von einer neuen, legalen Droge, die regelrechte Begeisterungsstürme in der Kifferszene hervorgerufen hat. “Spice” heißt das Gemisch aus (angeblich) 11 Kräutern, deren Namen wohl niemand von uns jemals gehört hat.

Laut neuesten Untersuchungen verschiedener Forschungseinrichtung, weiß man mittlerweile, dass nicht alle der angegeben Pflanzen tatsächlich in “Spice” enthalten sind. Andererseits lässt sich nicht ausschließen, dass sich zusätzlich noch andere Kräuter darin befinden als die angegebenen. Auch am Konsumenten selbst lässt sich nicht feststellen, ob er unter “Spice”-Einfluss steht - sämtliche bisher gebräuchlichen Feststellungsverfahren scheitern bei dem Versuch.

Somit ist “Spice” bisher in Deutschland legal und wird auf mittelfristige Sicht auch nicht so einfach zu verbieten sein. Denn: In Deutschland können nur berauschende Substanzen in ihrer isolierten Form verboten werden. Wird man beispielsweise von der Polizei mit Cannabis aufgegriffen, so wird hinterher Anzeige erstattet, wenn das Cannabis den Wirkstoff THC enthält. Demnach sind Sorten, die die berauschende Substanz nicht beinhalten, auch nicht illegal. Aus dem selben Grund kann eine Mischung aus Pflanzen, die an sich keine berauschenden Stoffe enthalten, aber vielleicht in Kombination mit einander bestimmte Wahrnehmungsveränderungen verursachen, nach bisheriger Rechtslage nicht verboten werden.

Glaubt man den Usern in den Internet-Foren sowie den zahlreichen Fernseh- und Zeitungsberichten, dann wirkt “Spice” ähnlich wie Marihuana oder Haschisch. Auf den Konsum folge ein Benebelungszustand, also eine eingeschränkte Reaktionsfähigkeit mit Wahrnehmungsstörungen. Somit sollten “Spice”-Berauschte keinesfalls mit dem Auto fahren. Auch, wenn man ihnen gar nicht nachweisen könnte, dass sie unter Drogen stehen.

Es bleibt abzuwarten, ob sich das Geheimnis rund um “Spice” überhaupt lüften lässt. Die Herstellerfirma in England hüllt sich ebenso in Schweigen wie der Ethnobotaniker Dr. Christian Rätsch. Die Koryphäe in Sachen Bio-Drogen (von ihm stammt die Enzyklopädie der psychoaktiven Substanzen) ist bereits in einigen Sendungen zum Thema zu sehen gewesen, hat bis dato jedoch keinen weiteren Kommentar dazu abgegeben. Es sieht so aus, als wollte da jemand überhaupt nicht, dass “Spice” verboten wird …

Und auch wenn … mittlerweile überschwemmt auch anderes, ebenfalls aus exotisch anmutenden Kräutern zusammengemischtes Räucherwerk den deutschen und österreichischen Markt. In der Schweiz war der Boom bereits 2006 vorbei und in den USA sowie Holland (sic!) darf mit dem Stoff mittlerweile nicht mehr gehandelt werden.

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Auroville - die Stadt der Zukunft?

23. Oktober 2008, admin

Auroville CentreIn diesem Jahr ist das Weltdorf Auroville 40 Jahre alt geworden. Gegründet 1968, als Blumenkinder den Slogan “Make love, not war” predigten, und die ersten Hippies sich komplett aus dem Leben in der Konsumgesellschaft ausklinkten, galt die Konzeptsiedlung am Golf von Bengalen seinerzeit als Revolution: Zum ersten Mal schien die Vision einer selbstverwalteten Stadt, die von ihren gleichwertigen Mitglieder vollständig eigenständig verwaltet wird, wahr zu werden. Eine Stadt, die sich von althergebrachten Machtstrukturen verabschiedet und kulturelle Barrieren überwindet. Grund genug für die UNESCO, Auroville mittels einer Partnerschaft als Vorzeige-Projekt der Weltgemeinschaft zu unterstützen.

Heute leben fast 2000 Menschen in Auroville. Zahlreiche waren von ihnen waren von Anfang an mit dabei, viele leben schon Jahrzehnte in einer der verschiedenen Communities - so heißen nach an Berufen und Interessen eingeteilten Bevölkerungsverbände in der Stadt - und einige wurden sogar dort geboren.

Natürlich sind auch viele Menschen wieder weggezogen, nachdem sie feststellen mussten, dass sie sich ihren Traum von einem “anderen” Leben irgendwie anders vorgestellt hatten. Denn Auroville ist kein Hippie-Dorf. Es ist zwar spirituell, aber nicht weltfremd. Im Gegenteil: In der 4-Punkte-Charta der Stadt ist der Austausch mit der Außenwelt und die Nutzung aller Erkenntnisse des menschlichen Geistes zu Gunsten der Gesellschaft sogar als Verfassungsgebot festgeschrieben.

Und so konnten die Aurovillianer schon einige Male beweisen, dass sie gar nicht nach einem Leben fernab der Zivilisation streben, sondern nur nach einer anderen Art der Zivilisation. Ihr Vorbild soll zeigen, dass die Grenzen zwischen den Nationen willkürlicher Natur sind - und trotzdem achten und schätzen sie die Unterschiede zwischen verschiedenen Kulturen.

Lust, nach Auroville zu ziehen? Oder als Besucher vorbeikommen? Dann meldet Euch bei der deutschen Vertretung von Auroville International

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