Athen: Wo sind die weißen Rosen?
London, Paris, Berlin, Stockholm, Rom, Madrid - man mag meinen, dass eigentlich jede europäische Hauptstadt dank Jahrhunderte alter Geschichte eine Reise wert sei. Sogar die etwas kleineren Kapitalen, wie Dublin, Bratislava oder Tallinn, haben stark zugelegt, was den Tourismus betrifft, denn jede von ihnen verfügt über sehenswerte historische Bauwerke oder punktet mit erfrischendem Lifestyle bei kleinen Preisen.
“Warum fährt eigentlich keiner nach Athen,” habe ich mich kürzlich gefragt und prompt einen Flug in die griechische Hauptstadt gebucht. Immerhin gibt es diese Metropole schon seit einigen TAUSEND Jahren: Hier befindet sich die weltberühmte Akropolis, hier liegt der Austragungsort der ersten Olympischen Spiele der Neuzeit, ganz zu schweigen vom modernen Stadion der Olympiade 2004. Hier habe ich geglaubt, den Lifestyle einer großen Kultur aufzuspüren, die ich wegen ihrer unvergleichlichen Errungenschaften schon immer geschätzt habe. Dass ich die Sache völlig naiv angegangen war, sollte ich jedoch erst nach meiner Ankunft erfahren.
Vom Flughafen war ich zunächst positiv überrascht - ein moderneres Terminal hatte ich selten gesehen. Alles blitzblank, granitgefliest, wie es sich gehört im Land der Marmortempel. Auch die Fahrt mit der U-Bahn in die City war mehr als angenehm, der Zug kam pünktlich, war sehr sauber und nigelnagelneu. Umso mehr freute ich mich nun auf die alten Sehenswürdigkeiten, die mich in der City erwarteten.
Pustekuchen. Schon beim ersten Spazier
gang entpuppte sich die Hauptstadt der Hellenen als Bilderbuch-Moloch. Die Baumasse entstammt größtenteils den 60er Jahren, wann immer man ein klassizistisches Palais entdeckt, wird der Ausblick durch links und rechts emporragende Plattenbauten versaut. Einzig die Straßenzüge des Plaka-Viertels, welches sich rund um den Akropolis-Hügel ziehen, verströmen alteuropäisches Flair. Ansonsten ist die Atmosphäre in Bezug auf die Stadtgestaltung eher postsozialistisch, lediglich durch das permanente Verkehrschaos wird man daran erinnert, dass man sich in Südeuropa befindet.
Das heißt aber nicht, dass es in Athen keine Sehenswürdigkeiten gäbe. Parlament, Universität, Altstadt, Olympia sind allesamt eine Reise wert. Aber eben nur eine Durchreise, denn in 1-2 Tagen ist man mit dem Programm auf jeden Fall durch. Die eigentliche Frechheit ist, dass Athen verdammt teuer ist. Ein Cappuccino für 4,50 EUR oder eine Portion Fisch im Restaurant für 35 EUR finde ich schon happig.
Aber eines können die Athener wirklich: Feiern. Mal wieder hat sich meine Theorie bestätigt, dass die Clubs einer Stadt umso besser sind, je unwirtlicher der Lebensraum an sich. Bestes Beispiel ist das Akrotiri, direkt am Golf von Glyfada gelegen, mit Blick aufs Meer und die glitzernden Lichter der nächtlichen Großstadt. Zu schallenden Beats wird hier unter freiem Himmel getanzt, bis die Sonne aufgeht! Preisklasse: sündhaft.











Hab ich jetzt auch schon öfter gehört, dass Athen sicher keine Reise wert ist weil einfach nichts besonders Besonderes und sehr stickig und viel Nichts. Zum Partymachen tut´s ja auch perfekt eine der hübschen Inseln.