Archiv für November 2008

Glühwein selber machen

21. November 2008, admin

Gewuerznelken Wer sich bei der Überschrift denkt, wieso er seinen Glühwein selber machen soll, wenn es den doch überall in Flaschen abgefüllt zu kaufen gibt, dem sei gesagt, dass die Fertig-Plörre eigentlich nur im Kombipack mit Aspirin verkauft werden sollte. Diese sollte man dann schon vor dem Trinken einwerfen, weil der Kopfschmerz meist schon nach dem ersten Schluck eintritt.

Also hört auf den guten Rat des Freaks und lasst es Euch schmecken. Glühwein selbst zu machen ist nämlich kinderleicht.

Zutaten

1 Flasche trockener Rotwein (nicht den billigsten nehmen, sonst hat man dasselbe Problem wie beim Fertigprodukt)

1 Zimtstange

3-4 Nelken

1 Bio-Orange

brauner Zucker nach Belieben

Zubereitung

Den Wein in einen Topf geben, Zimtstange und Nelken dazu. Mit einem Hobel ein bisschen von der Orangenschale abreiben, danach wird die Orange in Scheiben geschnitten (quer zu den Fruchtkammern - sieht schöner aus und gibt nicht so eine Sauerei) und ebenfalls zum Wein gegeben. Nun wird das Gemisch erwärmt, allerdings nur bei kleinster Flamme und zugedeckt. Wichtig ist, dass der Wein nicht zu heiß wird, weil der Alkohol sonst verfliegt. Nach ca. einer halben Stunde ist der Glühwein bereit fürs Süßen, wobei hier der individuelle Geschmack gefragt ist.

Am Besten lässt man den Glühwein im Topf und schöpft immer nur so viel ab, wie man gerade trinkt, damit der Rest derweil warm bleibt. Sollte man den Pott nicht leeren, einfach die Zimtstange und die Nelken rausnehmen, dann kann man sich auch am nächsten Tag noch mal einen einschenken.

Mit diesem Rezept gibt es garantiert keine Kopfschmerzen. Trotzdem sollte man daran denken, dass man von Glühwein tendenziell weniger verträgt als von normalem Wein, da der Zucker die Wirkung des Alkohols verstärkt.

Slips aus dem Telefon

20. November 2008, admin

Kürzlich erreichte mich mal wieder ein ominöser Anruf aus einem Call-Center. Wohlgemerkt: Hätte ich gewusst, dass es sich um einen solchen Anruf handelt, wäre ich sicher nicht ans Telefon gegangen. Aber da es 8 Uhr morgens war, bin ich davon ausgegangen, dass es wohl etwas Wichtiges sein müsse. Schließlich würde ein Call-Agent ja ohnehin niemals so doof sein, zu glauben, dass um diese Uhrzeit jemand etwas kauft.

Na ja, offensichtlich lag ich mit meiner Logik falsch, denn als ich den Hörer abnahm, säuselte mir sogleich eine süße Stimme mit leicht sächselndem Akzent ins Ohr:

“Guten Tag, schön, dass ich Sie direkt erreicht habe. Ich rufe von der Firma &!”$§/{  aus an. Wir vertreiben hochwertige Herren- und Damen-Unterwäsche und würden Ihnen gern ein unschlagbares Angebot machen.”

“Unterwäsche?!”

“Ja, hochwertige Damen- und Herren-Unterwäsche…”

“Entschuldigung, aber das ist ja wohl nicht Ihr Ernst. Ich soll Unterwäsche am Telefon kaufen?!”

“Aber was ist denn daran so verwunderlich. Heutzutage kauft man doch alles im Internet oder am Telefon.”

“Entschuldigen Sie bitte, aber ich muss zur Arbeit. Lassen Sie uns das Gespräch beenden.”

“Darf ich Sie denn ein andermal anrufen.”

“Ja, ja, von mir aus. Auf Wiederhören.”

Der eine oder andere wird meinen Fehler bemerkt haben … ja genau, der letzte Satz war sozusagen der Todesstoß. Denn am nächsten Tag hat es prompt wieder geklingelt - richtig, um 8 Uhr morgens - und ich war wieder so verschlafen, dass ich direkt rangegangen bin.

“Guten Tag, unsere Firma vertreibt …”

“Herrenunterwäsche?”

“Ja! Schön, dass Sie Interesse an unserem Produkt haben!”

WAS SOLL MAN DAZU NOCH SAGEN?!

Bayern: Viel Rauch um nichts

19. November 2008, admin

AschenbecherAls die CSU bei der bayerischen Landtagswahl im September eine gehörige Watsch’n eintstecken musste, war schnell klar: Die Raucher haben sich gerächt. Dies mag insofern übertrieben sein, als dass die Christdemokraten ja nicht nur beim Gesundheitsschutz einiges verbockt haben, sondern auch in der Bildungspolitik, außerdem hat das vermeintliche Dream-Team Beckstein & Huber von Beginn an nicht die Aufbruchsstimmung aufkommen lassen, die man sich vom Machtwechsel innerhalb der Partei versprochen hatte.

Trotzdem: Raucher, Gastronomen und wohl auch der eine oder andere Nichtraucher fühlen sich in ihrer Meinung bestätigt, dass der Möchtegern-Gesundheitsschutz der vergangenen 11 Monate bald novelliert wird. “Möchtegern” deshalb, weil schon wenige Wochen nach Inkrafttreten des aktuellen Gesetzes jede zweite Kneipe zum Raucher-Club wurde, in denen - man mag es nicht glauben - immer wieder auch Nichtraucher auftauchten, die sich aus Solidarität mit ihren qualmenden Freunden gern in den blauen Dunst gesellten.

Gemäß dem Koalitionsvertrag von CSU und FDP (Download hier) wird der Nichtraucherschutz in Bayern künftig folgendermaßen geregelt.

 

“In Gaststätten mit mehreren Räumen darf ein Raum als Raucherraum eingerichtet werden. In kleineren Einraumgaststätten darf geraucht werden, sofern die Gaststätte als Raucherlokal gekennzeichnet ist. In Bier-, Wein- und Festzelten (…) ist das Rauchen zulässig. In Diskotheken (…) ist das Rauchen in einem Nebenraum gestattet, sofern Minderjährige keinen Zutritt haben und sich im Raucherraum keine Tanzfläche befindet.”

Über Raucherclubs wird in der Vereinbarung nichts gesagt, allerdings muss man davon ausgehen, dass es diese nicht mehr geben wird, sobald dieser Entwurf gültiges Recht wird. Schade für die Diskotheken, die extra einen Verein gegründet und sich teure Gerätschaften zur Mitglieder-Identifikation angeschafft haben.

 

 

Island will in die EU

18. November 2008, admin

Vielleicht bald Teil der europaeischen Familie12 SterneIsland ist das erste Land, dass im Zuge der internationalen Finanzkrise knapp am Staatsbankrott vorbeigerauscht ist. Das Inselreich im Nordatlantik, das trotz seiner Abgelegenheit und dünnen Besiedelung lange Zeit als Vorbild für andere kleine Nationen gegolten hat, zumindest was die Schaffung einer soliden Wirtschaft bei gleichzeitiger Beibehaltung größtmöglicher Souveränität angeht, muss sich nun eingestehen, dass das Prinzip des Alleingangs nicht immer der beste Weg ist. Eine Lehre, die Kleinststaaten in Europa schon vor Jahrzehnten gezogen haben.

Hauptproblem Islands ist der Zusammenbruch der Banken Kaupthing und Landsbanki. Zusätzlich zur eigenen Pleite kam nämlich noch die Tatsache, dass sie für die Insolvenz ihrer ausländischen Töchter aufkommen müssen. Der einzige Weg, diese Last einigermaßen zu schultern, ist die Übernahme durch den Staat gewesen, weshalb schließlich das komplette politische System auf der Insel gefährdet ist.

Die EU, auf der sonst - vor allem von den Bürgern ihrer Mitgliedsstaaten - gerne herumgehackt wird, hat in der Krise souverän reagieren können und sich auf eine Mischung aus nationaler Intervention und konzertierten Rettungsaktionen geeinigt. So konnte bisher zum Beispiel verhindert werden, dass der Euro-Raum in eine stärkere Inflation rutscht, wohingegen Island derzeit mit einer enormen Abwertung seiner Währung zu kämpfen hat. Ein weiterer Kritikpunkt von Gegnern der immer weiter getriebenen europäischen Integration - die schrumpfende Souveränität der Mitgliedsstaaten - hat sich ebenfalls zum Positivum gewendet, da starke Partner unerlässlich sind, wenn man allein nicht mehr aus einer Notsituation heraus findet.

Islands Hauptproblem mit der EU drehte sich bis jetzt vor allem um einen Punkt: EU-Mitglieder müssen die Verwaltung ihrer Fischereirechte an die Kommission in Brüssel abgeben, was im hohen Norden sehr kritisch gesehen wird, da man zum Beispiel das Überfischungsproblem im Mittelmeer als Folge dieser Regelung ansieht. Die Fischerei ist Islands wichtigster Wirtschaftszweig, deshalb möchte man sich nicht vom fernen Europa vorschreiben lassen, wer wie viel des kostbaren Gutes aus den eigenen Gewässern fangen darf.

Dieser Konflikt dürfte nun aber ins Hintertreffen geraten sein, da es dem Land offensichtlich nichts bringt, einen Sektor zu schützen, wenn man dabei riskiert, dass alle anderen Erwerbsquellen im Strudel der Krise untergehen könnten. Und so kam es am 16.11. zu einer für Reykjavik-Verhältnisse großen Demo mit 6000 Anhängern, die ihren Unmut über die anti-europäische Politik von Premierminister Geir Haarde kundtaten. (Quelle: taz vom 16.11.2008)

Die EU zeigte sich erfreut über den Sinneswandel. Für Island sei seit Langem ein Plätzchen unterm 12-Sterne-Banner reserviert …

NLP - Sektenwerkzeug oder Lebenshilfe?

17. November 2008, admin

Ablehnung in Zustimmung umwandeln - das ist das Ziel der Neurolinguistischen Programmierung, kurz: NLP. Bei NLP handelt es sich um eine Methode aus dem Werkzeugkasten des Personal Coaching, entwickelt in den 70er Jahren in den USA, setzt sie sich seit Jahren auch in Deutschland immer mehr durch und wird unter anderem in Verkaufsseminaren und Lebensbewältigungs-Kursen gelehrt.

Das Prinzip von NLP funktioniert vor allem durch Vergleich und Vereinfachung. Der Psychologe Richard Bandler und der Linguist John Grindler haben im Laufe ihrer gemeinsamen Forschungsarbeit ein Modell entwickelt, dass davon ausgeht, man könne anhand der Beobachtung erfolgreicher Persönlichkeiten deren prägende Verhaltensmuster isolieren um so hinter das Geheimnis ihres Erfolgs zu kommen. Im nächsten Schritt gilt es dann, sich selbst diese Verhaltensmuster anzueignen um schließlich selbst in den Genuss gesellschaftlicher Anerkennung zu kommen.

Was so merkwürdig theoretisch klingt, ist eigentlich eine ganz simple menschliche Eigenschaft: Sehen, verstehen, kopieren als Weg der persönlichen Entwicklung. Möchte ich ein guter Verkäufer werden, dann schaue ich, wie andere gute Verkäufer arbeiten, und ahme sie nach. Will ich meine Kinder gut erziehen, dann schaue ich, wie andere Eltern, deren Kinder ich für gut erzogen halte, ihren Nachwuchs großziehen. Und so weiter.

NLP’ler gehen von einem konstruktivistischen Weltbild aus, welches besagt, dass die Realität im Wesentlichen der individuellen Wahrnehmung entspringt. “Wahr ist, was ich für wahr halte” - nach diesem Motto arbeiten NLP’ler an ihrer Persönlichkeit. Dagegen ist prinzipiell nichts einzuwenden, allerdings kann dieser Grundsatz auch verkehrt werden in Richtung des Gegenübers: “Für Dich ist wahr, was Du für wahr hältst.” Daraus folgt: “Wenn ich Deine Wahrnehmung der Wahrheit ändern kann, dann kann ich auch Deine Realität verändern.” Und das nennt man dann: Manipulation.

Dieser Vorwurf an die NLP-Methoden hat dazu geführt, dass Neurolinguistisches Programmieren sich aus einigen Bereichen, wie zum Beispiel der Lehrerfortbildung zurückziehen musste. Hatte man vormals geglaubt, dass sich Problemkinder leichter handhaben ließen, wenn man sie mit NLP bearbeitete, zogen Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein das entsprechende Kursangebot wegen des manipulativen Potenzials zurück.

Auch wird einigen NLP-Organisationen eine Nähe zu Scientology nachgesagt. Dies mag nicht zu belegen sein, allerdings ist es bekannt, dass die Psycho-Sekte mit NLP-Methoden arbeitet um ihren Mitgliedern vorzugaukeln, sie könnten damit ihre Selbstkontrolle steigern. In Wirklichkeit verwickelt die vermeintliche “Kirche” ihre Anhänger damit in ein immer engeres Abhängigkeitsverhältnis.

Was die Hand alles verrät …

16. November 2008, admin

GlaskugelGlaubst Du an Übersinnliches? An Wahrsagen, Karten-, Kaffeesatz- oder Handlesen? Nein? Natürlich nicht, schließlich passt ein solcher Aberglaube ja überhaupt nicht in unsere aufgeklärten High Tech Zeiten. Von wegen!

Im 21. Jahrhundert boomen übernatürliche Phänomene geradezu. Offensichtlicher denn je preisen zum Beispiel Tarot-Damen ihre Dienste längst im Fernsehen, anstatt sich auf Jahrmärkten in schummrigen Zelten zu verkriechen. Anstatt in die Glaskugel zu schauen, greift man nun zum Telefonhörer um die zukunftsvoraussagenden Schwingungen seines Gegenübers aufzusaugen - da wundert es einen eigentlich nur, dass es so lange gedauert hat, bis die Hexerei auch das Internet erobert. 

Vor Kurzem habe ich entdeckt, dass man sich den regelmäßigen Gang zu “Madame Esmeralda” künftig sparen kann. Denn bevor ich mich verarschen und abzocken lasse, werde ich lieber nur verarscht - ohne dafür zu bezahlen. So wie auf www.sexgage.com. Hier erklärt einem der Computer anhand der verschiedenen Hand-Linien, wie sexy man ist.

Also zögert nicht: Diese Erkenntnis kann Euer ganzes Leben verändern  :-)

Tunis - irgendwie anders

15. November 2008, admin

Tunis Avenue Mohammed V.Tunis ist weder eine typisch arabische Stadt, noch eine typisch afrikanische. Tunis ist irgendwie anders. Hervorgegangen aus dem legendären Karthago, kann die Hauptstadt Tunesiens auf eine mehrere Tausend Jahre alte Geschichte zurückblicken, von der jede Epoche ihre Spuren hinterlassen hat.

Die mittelalterliche Festungsanlagen der Kasbah aus dem 12. Jahrhundert markieren die erste arabische Eroberung Tunis’. Die heutige Altstadt umfasst jedoch einen weiter gefassten Bereich. Moscheen, Mausoleen und Medresen gehören ebenso zur Medina wie die Souk-Anlagen (Bazar) und zahlreiche orientalische Wohnhäuser. Außerhalb dieses innersten Stadtkerns mischen sich die Stile dann zu jener typisch tunesischen Melange, auf die die Einwohner dieses Landes so stolz sind. Ihre Kultur hat Berber-Bräuche und islamische Tradition verbunden, sich den osmanischen Toleranzgedanken einverleibt und den Laizismus der ehemaligen Protektoren aus Frankreich zur Staatsraison erhoben.

Wer heute nach Tunis kommt, staunt über Kirchen, die neben Moscheen stehen, über gläserne Prunkbauten, die sich auf den prächtigen, von Palmen gesäumten Avenues aneinander reihen und über einen Lifestyle, der jenem einer Weltmetropole durchaus nahe kommt.

Zwar hat auch Tunis in den letzten Jahren eine Islamisierung der Gesellschaft erlebt, die den Grundsatz, dass Religion in den Bereich des Privaten gehört, nach und nach verdrängt. Allerdings kann man es den Tunesiern nicht verübeln, dass sie sich - soweit sie können - von ihrer säkular geprägten Regierung dadurch distanzieren, dass sie sich dem Glauben an Gott zu wenden. Denn wie viele, aus westlicher Sicht ”moderne” arabische Länder, ist auch Tunesien keine Demokratie. Nach fast 50-jährigem Bestehen der Republik haben hier gerade mal zwei Präsidenten geherrscht, und die Regentschaft von Ben Ali wird nach wie vor regelmäßig mit “Wahl”-Ergebnissen von über 90 Prozent bestätigt.

Der Unmut über die Unterdrückung der Meinungsfreiheit treibt die Bürger geradezu in die Hände radikal-fundamentalistischer Rattenfänger, das ist in Tunis - der Stadt der Kontraste - deutlich zu spüren. Trotzdem wird man hier vergebens nach komplett verschleierten Frauen suchen, auch wenn sich das dezent getragene Kopftuch als Zeichen des Protests in weiten Teilen der weiblichen Bevölkerung durchgesetzt hat. 

Und so kommt es, dass man in Tunis nach wie vor unbehelligt ein kühles Bier in der Straßenkneipe trinken, in einem Nachtclub bis zum Morgengrauen tanzen und mit seiner Frau Hand in Hand durch die verträumten Häuserzeilen schlendern kann. So, wie es sich für eine Weltstadt gehört.

E-Book-Reader auf dem Vormarsch

14. November 2008, admin

Als Amazon auf der Frankfurter Buchmesse die Markteinführung des “Kindle” in Deutschland ankündigte, blieb die Stimmung der größtenteils noch immer auf Papier setzenden Branche relativ unterkühlt. Dass die neue Art zu lesen irgendwann auch nach Europa übergreifen würde, war ohnehin klar - die Kommentare zu dieser Entwicklung reichten vom trotzigen “Wir werden niemals aufhören, Print-Bücher herzustellen” bis zum optimistischen “Na, dann müssen wir unsere Bestseller halt digital produzieren”.

Angst, man könnte einen wegweisenden Trend verpasst haben, scheint niemand in der Branche zu haben. Wieso auch? Schon als das Hörbuch von der Ersatzliteratur für Blinde zum Kassenschlager für Lesefaule geworden war, musste man hinterher feststellen, dass sich mit der Herausgabe von Texten auf verschiedenen Medien sogar noch mehr Geld verdienen lässt, weil Leseratten eher zu den trägen Wesen gehören, denen man es einfach nur gemütlich machen muss, damit sie sich zum Kauf von Literatur hinreißen lassen.

Deshalb werden Kindle, Sony Reader, und alles, was der E-Book-Reader-Markt in den nächsten Jahren sonst noch hervorbringen wird, sicherlich immer stärker vertreten sein, aber das Buch tatsächlich nicht gänzlich verdrängen. Es ist gut vorstellbar, dass Texte künftig standardmäßig in mindestens drei Versionen herausgegeben werden: gedruckt, digital und gesprochen.

Je nach Verwendungsbereich ist es dennoch möglich, dass die eine oder andere Variante sich stärker durchsetzt. Was wäre zum Beispiel dagegen einzuwenden, dass Schüler sich zu Beginn ihrer Leselaufbahn einen Reader zulegen müssen, dafür aber nie wieder Unmengen von Geld für Lehrbücher, Kopiergeld, etc., auszugeben haben. Vorstellbar wäre, dass Schulen ganze Jahrgangslizenzen erwerben und das digitale Lernmaterial jeweils für die aktuelle Klasse bereitstellen. Keine Abnutzung, keine Extrakosten und jedes Jahr aktuelle Neuauflagen  - und das Ganze zu wesentlich geringeren Kosten als je zuvor!

Andererseits kann der klassische Roman sicherlich noch lange von der Vorliebe der Menschen für “greifbare” Bücher zehren, denn gerade als Geschenk oder nettes Accessoire im Regal ist ein richtiges Buch nach wie vor attraktiver als eine virtuelle Datenmenge oder eine kleine unscheinbare CD mit gesprochenem Text. Diese wiederum kann dennoch einer soliden Zukunft entgegensehen, denn in Zeiten, da iPods und sonstige tragbare Audioplayer immer gängiger werden, gehört es fast schon zum guten Ton, Podcasts und eben ganze Hörbücher in der Hosentasche mit sich herumzutragen …

Bahnchaos: Kein Ende in Sicht

13. November 2008, admin

Als im Juli die Achse eines ICE brach, der auf der Strecke Köln-Frankfurt verkehrte, war die Aufregung groß: War man knapp an einem Unglück à la Eschede vorbeigerauscht? Die Bahn versprach, die Geschehnisse unverzüglich zu untersuchen und sämtliche Schnellzüge auf entsprechende Risiken hin zu testen. Zu gefährlich wäre es gewesen, die Angelegenheit herunterzuspielen und noch einen Zwischenfall dieser Art zu riskieren.

Gesagt, getan. Seit Monate verkehren ICE-Züge nur mit extrem verminderter Frequenz zwischen Deutschlands Städten, damit man nach und nach alle Exemplare einer ausgiebigen Kontrolle unterziehen kann. Eigentlich vorbildlich. Und trotzdem ärgert man sich, dass es nun regelmäßig zu Wartezeiten an den Bahnhöfen kommt, dass die Züge stets überfüllt sind, und vor allem, dass man für die Fahrt trotzdem genauso viel bezahlen soll.

Nach dem GdL-Streik im letzten Jahr kämpft die Bahn also mal wieder mit einem enormen Vertrauensverlust ihrer Kunden, wobei man dieses Mal wenigstens erwähnen sollte, dass der Noch-Staatskonzern diesmal wohl wirklich nichts dafür kann. Denn hergestellt werden die ICE Züge von einem Konsortium aus namhaften deutschen Technik-Unternehmen wie der Siemens AG, und dieser Firmenzusammenschluss garantiert eigentlich eine Laufzeit, die weit über jener der kürzlich gebrochenen Achse liegt.

Bei all dem Gemecker über die Verzögerungen im Schienenverkehr sollte man also im Auge behalten, dass Sicherheit wichtiger ist als Geschwindigkeit. Und dass man Herrn Mehdorn zwar viel, aber nicht alles in die Schuhe schieben kann.

Empfehlung: Mallorca Immobilien

Franz Kafka

12. November 2008, admin

Franz KafkaWer hätte einst gedacht, dass dieser nette junge Verwaltungsbeamte so viel zu sagen hatte? Dieser Mann, dessen Karriere, damals wie heute, spießiger nicht hätte sein können - nach dem Jurastudium arbeitete er als Sekretär einer Prager Versicherungsgesellschaft - wurde erst nach seinem Tod zu dem vielgeachteten Literaten, der er heute ist.

Kein Wunder, dass er den Großteil seiner Werke zu Lebzeiten nicht veröffentlichte. Zu groß muss Kafkas Angst gewesen sein, nicht für voll genommen zu werden, zumal er Zeit seines Lebens von Selbstzweifeln geplagt wurde. Sein surrealer Erzählstil erschließt sich heutigen Lesern ebenso schwer wie jenen von damals, doch seine fantasiereichen Sichtweisen auf das moderne Leben, das von Bürokratie und Regelbeachtung geprägt ist, scheint manchmal wie zugeschnitten auf unser Jahrtausend.

Um Kafkas Attitüde in Kürze darzustellen, schadet es nicht, einen Blick auf eine seiner Kurzgeschichten zu werfen. In “Poseidon” beschreibt er, was es für einen gestandenen Mann bedeutet, als Führungskraft an den Schreibtisch gefesselt zu sein …

 

Poseidon saß an seinem Arbeitstisch und rechnete. Die Verwaltung aller Gewässer gab ihm unendliche Arbeit. Er hätte Hilfskräfte haben können, wie viel er wollte, und er hatte auch sehr viele, aber da er sein Amt sehr ernst nahm, rechnete er alles noch einmal durch und so halfen ihm die Hilfskräfte wenig. Man kann nicht sagen, daß ihn die Arbeit freute, er führte sie eigentlich nur aus, weil sie ihm auferlegt war, ja er hatte sich schon oft um fröhlichere Arbeit, wie er sich ausdrückte, beworben, aber immer, wenn man ihm dann verschiedene Vorschläge machte, zeigte es sich, daß ihm doch nichts so zusagte, wie sein bisheriges Amt. Es war auch sehr schwer, etwas anderes für ihn zu finden. Man konnte ihm doch unmöglich etwa ein bestimmtes Meer zuweisen; abgesehen davon, daß auch hier die rechnerische Arbeit nicht kleiner, sondern nur kleinlicher war, konnte der große Poseidon doch immer nur eine beherrschende Stellung bekommen. Und bot man ihm eine Stellung außerhalb des Wassers an, wurde ihm schon von der Vorstellung übel, sein göttlicher Atem geriet in Unordnung, sein eherner Brustkorb schwankte. Übrigens nahm man seine Beschwerden nicht eigentlich ernst; wenn ein Mächtiger quält, muß man ihm auch in der aussichtslosesten Angelegenheit scheinbar nachzugeben versuchen; an eine wirkliche Enthebung Poseidons von seinem Amt dachte niemand, seit Urbeginn war er zum Gott der Meere bestimmt worden und dabei mußte es bleiben.

Am meisten ärgerte er sich - und dies verursachte hauptsächlich seine Unzufriedenheit mit dem Amt - wenn er von den Vorstellungen hörte, die man sich von ihm machte, wie er etwa immerfort mit dem Dreizack durch die Fluten kutschiere. Unterdessen saß er hier in der Tiefe des Weltmeeres und rechnete ununterbrochen, hie und da eine Reise zu Jupiter war die einzige Unterbrechung der Eintönigkeit, eine Reise übrigens, von der er meistens wütend zurückkehrte. So hatte er die Meere kaum gesehn, nur flüchtig beim eiligen Aufstieg zum Olymp, und niemals wirklich durchfahren. Er pflegte zu sagen, er warte damit bis zum Weltuntergang, dann werde sich wohl noch ein stiller Augenblick ergeben, wo er knapp vor dem Ende nach Durchsicht der letzten Rechnung noch schnell eine kleine Rundfahrt werde machen können. 

 

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