Archiv für Juli 2008

Wer ist Ingeborg Schnabel?

3. Juli 2008, admin

Also mein Papa sagt immer, mit der Erfindung von Youtube habe Deutschland sein Hirn im Klo runtergespült. Und ich sage dann immer: “Stimmt. Komm’, ich zeige Dir mal was Lustiges.” Drei Stunden später sitzen wir immer noch vorm Rechner, lachen uns tot und stellen fest, dass wir unseren Intellekt schon viel früher an den Nagel hätten hängen sollen.

Im Hinblick auf zusammenhangloses, aber umso unterhaltsameres Geschwätz ist mein derzeitiger Favorite das Video von Ingeborg Schnabel mit dem Titel “Die Katze in der Fensterbank”.

Da gibt ein gewisser Janosch Leuffen, seines Zeichens Performance-Künstler, unter dem Decknamen Ingeborg Schnabel hochbrisante Informationen zur Entwicklungspolitik und dem Aufbau des Staatswesens preis. Er erklärt außerdem, was unter dem Begriff Südostberlin zu verstehen ist und zeigt zwischendurch immer mal wieder ein paar Blumen.

Doch bevor Ihr vor lauter Erläuterung gar nicht mehr versteht, was der Schwachsinn soll … schaut Euch einfach den Clip an … (hier klicken)

 

Bayern, Bayern, Deine Biere

2. Juli 2008, admin

Man mag den Bajuwaren vorwerfen, was man will – Konservativismus, Provinzialismus, Grantlerei (zu deutsch: Nörglertum) – aber eines können Sie nun mal: Bier brauen. Vor allem der Gerstensaft aus München und Umgebung ist in aller Welt bekannt für seine Süffigkeit und die Reinheit der Zutaten, so dass man, auch wenn man gerade nicht in der Heimat weilt, nie auf das typisch deutsche Trinkvergnügen verzichten muss.

Allerdings bedarf es einer gewissen sprachlichen Gewandtheit, um im Ausland an ein kühles Blondes bayerischer Herkunft zu gelangen. Denn nur weil das Bier auf der Karte steht, heißt das nicht, dass der Kellner auch weiß, wie man seinen Namen ausspricht. Und dies kann einem echten Problem werden, wenn man keine Ahnung hat, wie es im jeweiligen Sprachbereich klingt.

Als ich zum Beispiel mal in Dijon ein Erdinger Weißbier bestellen wollte – in einem Lokal, das mindestens 100 verschiedene Biere aus zig Ländern im Angebot hatte – blieb mir nach drei mündlichen Versuchen nichts anderes übrig, als es dem Garçon zu zeigen. Seitdem weiß ich, dass ich in Frankreich nach „Erdingé“ fragen muss, um ein kräftiges Hefeweizen zu bekommen.

In Mexico City hat man es da ein bisschen leichter, weil sich „Lobenbrau“ und „Löwenbräu“ nicht allzu stark unterscheiden, während man sich in L.A. schon wieder anstrengen muss, um die Bedeutung von „HB Munich Beer“ zu entschlüsseln. (Lösung: „Hofbräu“)

Doch nun zu Münchens Hausbier, dem „Augustiner“ (ich lehne mich da einfach mal so weit aus dem Fenster, zu behaupten, dass die meisten meine Meinung teilen werden). Besonders stolz sind die zuweilen etwas eigenbrötlerischen Bewohner der weißblauen Landeshauptstadt darauf, dass die traditionell orientierte Brauerei es bisweilen nicht nötig gehabt hat, ihr Bier außerhalb der Region zu verkaufen. Deshalb ist das populäre „Helle“ mit dem fröhlichen Mönch nicht einmal überall in Bayern zu haben, geschweige denn nördlich des Weißwurst-Äquators. Umso mehr wunderte ich mich, als in einer Berliner Kneipe kürzlich den Klang des mir so wohlbekannten Namens aus einer Ecke schallen hörte. Ich traute meinen Ohren nicht, doch tatsächlich: Au-gus-ti-ner! Der Blick in die Karte bestätigte meine Wahrnehmung noch einmal, und natürlich habe ich mir direkt eins bestellt. Home sweet home …

Mama Berlin – am Nippel der Welt

1. Juli 2008, admin

Seit Jahren schwafeln Szenemagazine aus aller Welt von der neuen deutschen Hauptstadt, die sich mehr und mehr zum Zentrum der europäischen Avantgarde entwickelt und vor lauter Überschwänglichkeit sogar solch bedeutenden Metropolen wie London, Paris oder New York Konkurrenz macht. „Na ja,“ mag der eine oder andere nun denken, „da muss man schon zwei Augen zudrücken, wenn man durch die Straßen ehemaliger Ostviertel schlendert,“ und – vorbei an Industriebrachen und ausgedienten Plattenbauten – das architektonische Erbe der DDR an sich vorbeiziehen lässt.

Klar, für uns Deutsche iEin ehemaliges Tanzlokal im Osten der Hauptstadtst es natürlich spannend zu sehen, wie sich Ost und West nach und nach zusammenfügen, und jede Seite (mal abgesehen von dem mit Repräsentativbauten gespickten Regierungsviertel) dennoch ihr eigenes Gesicht behält. Aber ist es tatsächlich angebracht, sich mit den Millionenstädten traditioneller Großmächte zu messen? Hält Berlin, das bis vor 20 Jahren – zumindest im kapitalistischen Teil der Welt – wirtschaftlich und kulturell relativ unbedeutend war, dem Vergleich mit den seit Jahrhunderten etablierten Ballungszentren des Fortschritts stand?

Wissenschaftler streiten sich hierüber noch immer. Fragt man jedoch die Touristen in der Hauptstadt, so ist man fast schockiert über die Eintönigkeit der Antworten: „Greatest city in the world”, „ville de la liberté”, “architetturalmente irragiungibile” – es sind gerade die Pariser, Mailänder und Tokioter, die hier zum ersten mal einen Ort gefunden zu haben scheinen, für den sie sich vorstellen könnten, ihre Heimat zu verlassen. Besonders auf das Lob der Franzosen dürfen wir uns etwas einbilden, schließlich lassen unsere westlichen Nachbarn sonst kein gutes Haar an unserer Kultur, unseren Städten und unserer Gastronomie.

Sogar im vor selbstherrlicher Arroganz strotzenden Big Apple respektiert man unsere Kapitale mittlerweile als ebenbürtige Gespielin, der man auch mal sein wichtigstes Museum für ein paar Monate ausleihen oder den einen oder anderen städtebaulichen Kniff abgucken kann.

Die Berliner selbst nehmen’s – wie immer – gelassen. Auf die Frage, ob er findet, dass seine Heimatstadt der Nabel der Welt sei, hat mir kürzlich ein Bekannter im typischen Hauptstadt-Singsang geantwortet: „Nabel der Welt? Dit würd’ ick nich’ sagen. Berlin ist der Nippel der Welt. Jeder darf mal dran saugen. Und meistens kommt auch was raus.“

In diesem Sinne: Mama Berlin, drück’ uns an Deine wärmende Brust!

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