Wie viel Leben bekommt man … für 39,90?
31. Juli 2008, admin
Er ist reich, schön und ein Arschloch - Octave, der Held von Jan Kounens Film “39,90“, seit heute im Kino zu sehen, ist das Sinnbild des ätzenden Werbefutzis, der alles vermarktet, so lange der Preis stimmt.
Es ist eine Mischung aus Parodie, Satire und Road Movie, gespickt mit rasanten Bildern und voll von mitreißenden Spezialeffekten. Die werden unter anderem dazu verwendet, den permanenten Rauschzustand von Octave und seiner Clique zu beschreiben, zumal Koks, Gras und Halluzinogene ja bekanntlich zu den Grundnahrungsmitteln aller Kreativen gehören. Was sonst könnte der Grund sein, dass Octave seine Werbekonzepte geradezu hinrotzt, und sie dennoch einschlagen wie eine Bombe?
Erst die Liebe zu Sophie bewirkt eine Veränderung im sonst eher gefühllosen Protagonisten: Plötzlich ist er gar nicht mehr so cool, verplappert und blamiert sich, und weiß nicht so recht mit diesem merkwürdigen Gefühl umzugehen, dank dessen er nun nicht mehr die einzig wichtige Person auf der Welt ist.
Wer ein Leben auf der Überholspur lebt, wird zuweilen richtig bissig, und genau das ist der Tonfall, mit dem sich der arrogante Octave durch sein Pariser Schicki-Micki-Dasein bellt. Rotzfrech, überheblich und dekadent gibt sich das Alter Ego von Romanautor Frederic Beigbeder, dessen Buch die Vorlage für “39,90″ geliefert hat. In dem Wissen, dass einige Begebenheiten des Films auf mehr oder weniger real erlebten Tatsachen beruhen, verspürt der Zuschauer einen zusätzlichen, pikanten Nachgeschmack, bei dem es etwas dauert, bis er nach dem Verlassen des Kinos verflogen ist.



