1 Dollar am Tag
Die regelmäßig wiederkehrenden Meldungen, wie viel Prozent der Weltbevölkerung von nur einem Dollar am Tag überleben müssen, sind immer wieder schockierend. Dennoch neigen die meisten von uns dazu, sich die Sache schönzureden, “schließlich kostet da ja alles auch nicht so viel”. Nun mögen solche Kommentare zwar nicht gerade von intellektueller Weitsicht zeugen, aber vielleicht liegt das einfach an der Tatsache, dass wir Erste-Welt-Gören uns gar nicht vorstellen können, was mit einem Dollar überhaupt anfangen soll, da unser Preisempfinden sowieso erst bei zweistelligen Beträgen in Gang kommt. Für einen Dollar, respektive 60 europäische Cent, kann man sich bei uns nunmal ÜBERHAUPT NICHTS nichts kaufen.
“Stimmt doch gar nicht”, dachten sich Ende August die Kalifornier Kerrie und Christopher aus der Nähe von San Diego. Das Paar beschloss, einen Monat lang von weniger als einem Dollar pro Person auszukommen. Dass dieses mickrige Budget nicht mehr als die notwendigste Nahrung hergeben würde, war klar. Wie wenig das Notwendigste sein kann, stellte sich schnell heraus …
Im Großen und Ganzen ernährten sich die Zwei von einfachen Kohlenhydraten, sprich: Zucker, Reis, Haferflocken, Weißmehl, Mais, etc., nach Belieben vermengt mit Bohnen, Nüssen und anderen Hülsenfrüchten. Das Ganze mit ein wenig Wasser und gesättigten Fettsäuren aller Art ergab sich daraus eine Cuisine, der es nicht nur an Geschmack, sondern vor allem an Vitaminen mangelte. Einzig das Fleisch sollten Kerrie und Christopher nicht vermissen - sie ernähren sich auch sonst vegan.
Die Folgen waren vorherzusehen: Gewichtsverlust, Kopfschmerzen, allgemeines Unwohlsein, Verdauungsprobleme, Konzentrationsstörungen plagten die beiden Tag für Tag, mit ansteigender Intensität. Damit auch der Rest der Welt von diesem Selbstversuch erfahren konnte, hinterließen Kerrie und Christopher jeden Tag einen Blog-Eintrag auf der Website One Dollar Diet Project.
Heute ist das Martyrium zu Ende gegangen: Das 1-Dollar-Pärchen hat sich endlich wieder ein richtiges Mahl gegönnt. So richtig vollwertig war das zwar auch nicht - es gab lecker Fleischersatz, Donuts und Maracuja-Eistee - aber immerhin hat das Ganze 20 Mäuse pro Person gekostet.
Dennoch haben Kerri und Christopher es geschafft, den wohlhabenderen und den sechs Milliarden Menschen dieser Erde vor Augen zu führen, dass Hunger nicht nur wenig essen, sondern auch schlecht essen bedeutet. Und wer sich die Rezepte des One Dollar Diet Project anschaut (bei einem habe ich es mir gestattet, es in meiner Essen-Rubrik unterzubringen), der weiß, was Armut heißt.











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